Cannabis-Betreiber Story Cannabis boykottiert zwei Testlabore in Arizona
Cannabis-Betreiber Story Cannabis boykottiert zwei Labore wegen wiederholter Testmanipulationen und Compliance-Verstößen.

Der in Phoenix ansässige Cannabis-Betreiber Story Cannabis zieht die Reißleine: Ab dem 1. Oktober 2026 werden keine Produkte mehr abgenommen, die von den Laboren Kaycha Labs oder Level One Labs getestet wurden. Grund sind wiederholte Compliance-Verstöße und manipulierte Testergebnisse, die von den Gesundheitsbehörden in Arizona aufgedeckt wurden. Das Unternehmen, das in vier Bundesstaaten aktiv ist und allein in Arizona elf Standorte betreibt, reagiert damit auf schwerwiegende Mängel in der Qualitätssicherung.
Die Entscheidung fällt nicht aus heiterem Himmel. Bereits im vergangenen Jahr verhängte die Gesundheitsbehörde Arizonas eine Strafe in Höhe von 88.500 US-Dollar gegen das in Florida ansässige Kaycha Labs. Inspektoren hatten mehr als ein Dutzend angeblicher „Mängel“ festgestellt – darunter Probleme bei der Potenztestung sowie bei den Methoden zur Erkennung von Pestiziden und Mikroorganismen. Bei nachfolgenden Inspektionen im Jahr 2025 und Anfang 2026 kamen weitere Verstöße ans Licht, darunter „Verdünnungsprobleme“ bei THC-Potenztests, die zu „verzerrten Ergebnissen“ geführt hätten.
Wiederholte Verstöße erschüttern das Vertrauen
Die Aufsichtsbehörden in Arizona haben bei Kaycha mittlerweile etwa ein halbes Dutzend Mal Mängel festgestellt. Besonders brisant: Mehrere der im April 2025 von der Abteilung für Gesundheitsdienste Arizonas (DHS) dokumentierten Verstöße waren „doppelte Wiederholungsfälle“ – die Behörde hatte dieselben Probleme bereits bei Inspektionen in den Jahren 2023 und 2024 beanstandet, ohne dass eine nachhaltige Besserung eintrat.
Zu den konkreten Feststellungen der DHS gehörten unter anderem: unvollständige oder „inkonsistente“ Aufzeichnungen über die Sammlung und den Transport von Proben, die erneute Testung von Potenzproben „auf Kundenwunsch ohne wissenschaftlich gültigen Grund“ sowie die Verwendung einer separaten „Methodendatei“ zur Verarbeitung von Kundenprodukten. Diese Wiederholungstests seien „nach oben verzerrt“ gewesen, so die Behörde.
Nikole Samuelson, die Einkaufsleiterin für Arizona bei Story Cannabis, hat die Lieferanten des Unternehmens angewiesen, sich für einen anderen Laboranbieter zu entscheiden, wenn sie ihre Produkte weiterhin bei Story verkaufen möchten. In einer E-Mail vom 10. September schrieb Samuelson: „Angesichts der zahlreichen Compliance-Verstöße und Bedenken bezüglich der Tests bei Kaycha und Level One werden wir keine Produkte mehr akzeptieren, die von einem dieser Labors mit einem Zertifikatsdatum nach dem 1. Oktober 2026 getestet wurden.“
Auch Level One Labs unter Beschuss
Neben Kaycha geriet auch Level One Labs ins Visier von Story Cannabis. Die staatlichen Aufsichtsbehörden für Cannabis in Arizona hatten dem Labor bereits zu Beginn des Jahres vorgeworfen, Potenzergebnisse manipuliert zu haben. Ein Vertreter von Level One schob die jüngsten Probleme auf Softwarefehler und „menschliches Versagen“ und prognostizierte gegenüber der Zeitung „Arizona Republic“, dass Story seinen Boykott überdenken werde.
Kaycha Labs, das sich selbst als größtes Testunternehmen der USA bezeichnet und in neun Bundesstaaten vertreten ist, wollte die Vorwürfe gegenüber der „Republic“ nicht kommentieren. Jason Vedadi, CEO von Story Cannabis, bestätigte die Echtheit der E-Mail an die Lieferanten.
Ein seltener Schritt in der Cannabis-Branche
Während Watchdogs und Kritiker seit langem vor unzuverlässigen Sicherheitstests und Potenzmessungen bei Cannabis warnen – und Regulierungsbehörden in einigen Bundesstaaten bereits Maßnahmen ergriffen haben –, ist der öffentliche Boykott eines Labors durch einen Cannabis-Betreiber ein seltenes Ereignis. Die „Arizona Republic“ berichtete, dass dieser Schritt zeigt, wie ernst die Lage mittlerweile eingeschätzt wird.
Besonders alarmierend sind die Details aus den Inspektionsberichten: So verwendete Kaycha bei Labortests auf Pestizide und Schimmel eine „Bestimmungsgrenze“, die „25-mal höher lag als die maximal zulässige Konzentration“ gemäß Landesgesetz. Zudem führte das Labor kein Protokoll für alle Proben, bei denen Aspergillus und Salmonella nachgewiesen wurden. Ein angewandter Verdünnungsfaktor zur Detektion von Pestiziden hätte es ermöglicht, kontaminierte Produkte durch die Tests zu bringen und in den Verkehr zu geben.
Für die Branche in Arizona und darüber hinaus sendet der Schritt von Story Cannabis ein klares Signal: Die Toleranz gegenüber mangelhafter Testqualität schwindet. Ob andere Unternehmen dem Beispiel folgen werden, bleibt abzuwarten.
