Neuseeland hält Zinsen bei 2,25% – Inflation durch Nahost-Krieg im Fokus
Die RBNZ pausiert erneut, warnt aber vor entschlossenen Zinserhöhungen, sollte der Iran-Krieg die Inflation weiter anheizen.

Die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) hat am Mittwoch ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge bei 2,25% belassen. Die Zentralbank verschafft sich damit Zeit, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten zu bewerten. Gleichzeitig signalisierte sie unmissverständlich, dass sie bei einer Beschleunigung der Inflation entschlossen handeln werde.
Die Entscheidung war von allen 32 im Reuters-Poll befragten Ökonomen erwartet worden. In ihrer geldpolitischen Mitteilung erklärte die RBNZ, die Entscheidung wäge „die potenziellen Vorteile einer präventiven Reaktion auf das Risiko einer höheren mittelfristigen Inflation gegen die Kosten einer unnötigen Drosselung der wirtschaftlichen Erholung ab". Die Pause folgt auf eine aggressive Lockerungsphase, in der die RBNZ die Zinsen seit August 2024 um insgesamt 325 Basispunkte gesenkt hatte.
Die aktuelle Inflationsrate in Neuseeland liegt bei 3,1% und damit bereits außerhalb des Zielkorridors der Zentralbank von 1% bis 3%. Die RBNZ erwartet für das Juni-Quartal einen weiteren Anstieg auf 4,2%. Als Haupttreiber gelten steigende Kraftstoff- und Transportpreise infolge des Nahost-Konflikts.
Waffenstillstand sorgt für kurzfristige Marktentlastung
Noch am selben Mittwoch einigten sich die USA, Israel und der Iran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand, was die Ölpreise deutlich sinken ließ. Die Märkte bleiben jedoch nervös, ob die Kampfpause einen dauerhaften Frieden bringen kann. Der Neuseeland-Dollar weitete seine Rally nach der Waffenstillstandsmeldung aus und notierte bei 0,5829 US-Dollar.
Die Renditen zehnjähriger neuseeländischer Staatsanleihen fielen zunächst um 7 Basispunkte auf 4,673%, erholten sich jedoch von einem Tiefstand bei 4,643%. Hintergrund war die Diskussion im Ausschuss über eine mögliche frühzeitige Zinsstraffung, die Anleihen ihre Gewinne teilweise wieder kosten ließ.
RBNZ-Gouverneurin Anna Breman betonte auf einer Pressekonferenz, dass die Bank bei dieser Sitzung einer Zinserhöhung nicht nahegekommen sei und es an starken Befürwortern für einen solchen Schritt gefehlt habe. Dennoch wurde intern erörtert, ob eine frühere Straffung die Gesamtzahl notwendiger Erhöhungen begrenzen könnte, falls sich der Inflationsdruck weiter verstärkt.
Ökonomen rechnen mit erster Zinserhöhung im Juli
Gareth Kiernan, Leiter der Prognoseabteilung beim neuseeländischen Wirtschaftsberatungsunternehmen Infometrics, kommentierte: „Der Ton der Mitteilung war wohl restriktiver als die Rede der Gouverneurin vor zwei Wochen." Der Fokus liege klar auf den Aufwärtsrisiken für die Inflation durch den breiteren Preisdruck im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt. Infometrics erwartet die erste Zinserhöhung im Juli, da der Mai für eine fundierte Lagebeurteilung möglicherweise zu früh sei.
Sharon Zollner, Chefökonomin der ANZ, sieht die Aussichten für den Leitzins als „höchst ungewiss", die Risiken deuteten jedoch in Richtung einer Normalisierung der Geldpolitik, die früher als von der ANZ bislang für Dezember erwartet eintreten könnte.
Die RBNZ selbst machte deutlich: Sollten die Bedingungen für eine Rückkehr der Inflation zum Mittelwert von 2,0% auf mittlere Sicht nicht erfüllt werden, seien „entschlossene und rechtzeitige Erhöhungen des Leitzinses erforderlich". Im Februar hatte die Zentralbank noch prognostiziert, dass die Inflation im Dezember 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis Mitte 2027 wieder auf den Zielwert von 2,0% zurückgehen würde.
Globaler Trend: Zentralbanken rücken Inflationsbekämpfung in den Vordergrund
Der vorsichtige Ansatz der RBNZ spiegelt einen breiteren globalen Wandel wider. Zentralbanken weltweit werden durch den Iran-Krieg zu einer Haltung gezwungen, bei der die Inflationsbekämpfung Vorrang hat. Die Märkte haben ihre Erwartungen an Zinssenkungen stetig zurückgeschraubt – in einigen Fällen wird sogar mit erneuten Straffungen gerechnet, insbesondere in Europa.
Die Reserve Bank of Australia hat die Zinsen in diesem Jahr bereits zweimal auf 4,10% angehoben. Die Märkte signalisieren eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent für eine weitere Erhöhung auf 4,35% im Mai. Auch die US-Notenbank Federal Reserve hält an ihrem Kurs fest und warnt, dass ein anhaltender Energieschock den Preisdruck unangenehm hoch halten könnte.
Für Neuseeland bleibt das wirtschaftliche Umfeld herausfordernd. Obwohl das Land die Rezession hinter sich gelassen hat, ist das Wachstum weiterhin schwach – belastet durch die Unruhen im Nahen Osten, globale Unsicherheiten und einen restriktiven fiskalpolitischen Kurs der Regierung. Wie die RBNZ selbst festhält, werde das Ausmaß des Inflationsanstiegs „davon abhängen, wie sich der Konflikt im Nahen Osten entwickelt und wie stark und dauerhaft die Störungen der globalen Lieferketten und Energiemärkte sein werden".
