Japans Insolvenzen steigen zum vierten Mal in Folge
Der Nahostkonflikt treibt Kosten in die Höhe und trübt die Geschäftsaussichten japanischer Unternehmen erheblich.

In Japan ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Geschäftsjahr 2025 erneut gestiegen. Laut dem privaten Thinktank Teikoku Databank belief sich die Gesamtzahl der Insolvenzfälle im März-Geschäftsjahr 2025 auf 10.425 – ein Anstieg von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wurde die Marke von 10.000 Fällen das zweite Jahr in Folge überschritten.
Als Hauptursachen nennt Teikoku Databank steigende Vorleistungskosten sowie einen anhaltenden Arbeitskräftemangel. Die Daten zeigen, dass japanische Unternehmen bereits vor den Angriffen der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar unter erheblichem wirtschaftlichem Druck standen. Der darauffolgende Konflikt im Nahen Osten verschärfte die Lage durch einen Ölpreisschock und Lieferunterbrechungen zusätzlich.
Breite Preissteigerungen belasten Unternehmen
„Unter den Unternehmen wächst die Besorgnis über steigende Vorleistungskosten, da die kletternden Rohölpreise nicht nur die Preise für Treibstoffe und chemische Güter, sondern für eine breite Palette von Artikeln in die Höhe getrieben haben", erklärte Teikoku Databank. Betroffen seien unter anderem Kunststoffprodukte, Baumaterialien und Düngemittel – Güter, die für viele Branchen unverzichtbar sind.
Der Thinktank warnt zudem vor einer weiteren Verschlechterung der Lage: „In Japan könnte es ab dem Sommer zu einer Welle von Insolvenzen kommen, was die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs der Insolvenzfälle im Geschäftsjahr 2026 deutlich erhöht." Diese Prognose unterstreicht die Ernsthaftigkeit der aktuellen Situation für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.
Eine separate Regierungsumfrage, die ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht wurde, bestätigt das düstere Bild. Ein Index zur Messung der aktuellen Geschäftsentwicklung fiel von 48,9 im Februar auf 42,2 im März – ein deutlicher Rückgang innerhalb nur eines Monats. Auch der Ausblicksindex für die kommenden zwei bis drei Monate verschlechterte sich spürbar: von 50,0 im Februar auf 38,7 im März.
Bank of Japan vor schwieriger Zinsentscheidung
„Japans wirtschaftliche Erholung zeigt aufgrund des Abwärtsdrucks durch die Entwicklungen im Nahen Osten gewisse Schwächen", erklärte die japanische Regierung in der Umfrage. Diese Einschätzung deckt sich mit einem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht der regionalen Niederlassungsleiter der Bank of Japan (BoJ), der ebenfalls vor den negativen Folgen steigender Ölkosten und Lieferunterbrechungen warnte.
Für die Bank of Japan stellt die aktuelle Lage ein komplexes Dilemma dar. Einerseits belasten die Abwärtsrisiken durch den Nahostkonflikt das Wirtschaftswachstum, andererseits erzeugt der steigende Inflationsdruck Handlungsbedarf. Das Gleichgewicht zwischen diesen gegenläufigen Kräften wird entscheidend dafür sein, ob die BoJ auf ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 27. und 28. April die Zinsen anheben wird.
Für deutsche Anleger und Unternehmen mit Japanengagement sind diese Entwicklungen von Bedeutung. Ein schwächelndes Japan – als wichtiger Handelspartner und Wirtschaftsmacht in Asien – kann Auswirkungen auf globale Lieferketten und Finanzmärkte haben. Die Entwicklung der Insolvenzzahlen und der BoJ-Zinsentscheid Ende April dürften daher auch hierzulande aufmerksam verfolgt werden.
