Indiens Zentralbank hält Zinsen – Nahost-Krise trübt Wirtschaftsausblick
Die RBI belässt den Reposatz bei 5,25 % und warnt vor steigender Inflation und schwächerem Wachstum durch den Nahost-Konflikt.

Die Reserve Bank of India (RBI) hat am Mittwoch ihren Leitzins unverändert gelassen, aber gleichzeitig vor erheblichen Risiken für die indische Wirtschaft gewarnt. Der Nahost-Konflikt beendet nach Einschätzung der Zentralbank die sogenannte „Goldlöckchen"-Phase der südasiatischen Wirtschaft – jene Phase, in der Wachstum und Inflation in einem günstigen Gleichgewicht standen.
Der sechsköpfige geldpolitische Ausschuss (Monetary Policy Committee, MPC) stimmte einstimmig dafür, den Reposatz stabil bei 5,25 % zu belassen. Alle sechs Mitglieder – drei Vertreter der Zentralbank sowie drei externe Experten – votierten für die Beibehaltung des Zinsniveaus. Zugleich hält der Ausschuss an seinem „neutralen" geldpolitischen Kurs fest.
RBI-Gouverneur Sanjay Malhotra begründete die Entscheidung mit der anhaltenden Unsicherheit durch den Konflikt im Nahen Osten. Es sei „umsichtig, abzuwarten und die sich ändernden Umstände sowie die Entwicklung der Wachstums- und Inflationsaussichten zu beobachten", sagte Malhotra bei der Bekanntgabe der Entscheidung. Die Entscheidung kam wenig überraschend: In einer Reuters-Umfrage vom 23. bis 26. März hatten 69 von 71 befragten Ökonomen genau dieses Ergebnis vorhergesagt.
Ölpreise und Gasversorgung als zentrale Risikofaktoren
Der Nahost-Konflikt trifft Indien besonders hart, da das Land rund 90 % seines Ölbedarfs importiert. Kriegsbedingte Störungen bei der Öl- und Gasversorgung könnten die indische Wirtschaft empfindlich belasten. Über Nacht hatten die USA und der Iran zwar einen zweiwöchigen Waffenstillstand angekündigt, nachdem mehr als einen Monat lang gekämpft worden war – doch die Ankündigung ließ die Ölpreise kräftig steigen und verdeutlichte die Fragilität der Lage.
Malhotra warnte vor möglichen Zweitrundeneffekten durch die Ölpreissteigerungen, die den Inflationsausblick zusätzlich eintrüben. Hochfrequenzindikatoren deuteten zwar darauf hin, dass die indische Wirtschaft weiterhin stark sei, doch höhere Ölpreise und Knappheit bei wichtigen Rohstoffen wie Gas könnten diese Dynamik beeinträchtigen. „Der anfängliche Angebotsschock kann sich mittelfristig potenziell in einen Nachfrageschock verwandeln", warnte der Gouverneur.
Rupie auf Rekordtief – Ausländische Investoren ziehen Milliarden ab
Die Nervosität der Märkte spiegelt sich deutlich in der indischen Währung wider. Die Rupie fiel auf ein Rekordtief, während ausländische Investoren zwischen März und dem bisherigen April fast 19 Milliarden US-Dollar aus dem Land abzogen. Dieser massive Kapitalabfluss setzt die indische Währung zusätzlich unter Druck und erschwert die Aufgabe der Zentralbank.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Situation in Indien ein weiteres Beispiel dafür, wie geopolitische Spannungen im Nahen Osten globale Auswirkungen entfalten. Indien gilt als eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt – eine nachhaltige Destabilisierung durch steigende Energiepreise hätte Folgen weit über die Landesgrenzen hinaus. Die RBI steht nun vor dem schwierigen Balanceakt, Wachstum zu stützen und gleichzeitig aufkeimende Inflationsrisiken im Zaum zu halten.
