Naphthapreise in Asien fallen dritten Tag in Folge
Naphthapreise in Asien fallen dritten Tag in Folge – Ölschwäche und wiederangelaufener Cracker in Thailand belasten.

Die Naphthapreise in Asien setzen ihren Abwärtstrend fort. Am Freitag fielen die Notierungen für den petrochemischen Rohstoff bereits den dritten Handelstag in Folge. Haupttreiber ist die anhaltende Schwäche bei den Rohöl-Benchmarks, die ebenfalls drei Tage in Folge nachgegeben haben.
Der Preis für Naphtha mit Lieferung im ersten Novemberhalbjahr sank um 18 Dollar auf 924,75 Dollar pro Metertonne. Damit setzt sich der Abwärtstrend der vergangenen Tage fort, nachdem die Preise zuvor noch von geopolitischen Risiken gestützt worden waren.
Rückläufige Crack-Spanne und Backwardation
Die Crack-Spanne für Naphtha gegenüber Brent-Rohöl ging um rund 8 Dollar auf 151,95 Dollar pro Tonne zurück. Diese Kennzahl gibt die Verarbeitungsmarge für Raffinerien an und ist ein wichtiger Indikator für die Marktverfassung. Laut Marktteilnehmern entspricht dies einer breiten Rückwärtsstruktur (Backwardation) von 28,75 Dollar pro Tonne.
Eine Backwardation bedeutet, dass die Preise für kurzfristige Lieferungen höher sind als für längerfristige. Dies deutet in der Regel auf eine angespannte Versorgungslage am Kassamarkt hin. Trotz der aktuellen Preisrückgänge bleibt der Markt also strukturell angespannt.
Wiederinbetriebnahme in Thailand
Ein wichtiges Ereignis für den asiatischen Naphthamarkt ist die Wiederaufnahme der Produktion in Thailand. Das Petrochemieunternehmen Rayong Olefins hat seinen naphthagefeuerten Cracker am Donnerstag wieder in Betrieb genommen. Dies geht aus einer Börsenmitteilung des Mutterunternehmens SCG Chemicals hervor.
Die Anlage hatte im März aufgrund des Konflikts im Nahen Osten Force Majeure erklärt. Force Majeure ist ein rechtlicher Begriff, der ein Unternehmen von seinen vertraglichen Verpflichtungen entbindet, wenn außergewöhnliche Umstände die Erfüllung unmöglich machen. Die Wiederinbetriebnahme dürfte das Angebot auf dem asiatischen Markt erhöhen und könnte weiteren Druck auf die Preise ausüben.
Ölpreise geben ebenfalls nach
Die Ölpreise fielen am Freitag und setzten ihre Verluste zum dritten Handelstag in Folge fort. Ausschlaggebend ist eine Verschiebung der Marktstimmung: Die abnehmenden Bedenken hinsichtlich möglicher Versorgungsunterbrechungen in Saudi-Arabien überlagern zunehmend die Ängste vor einer Ausweitung des Konflikts im Nahen Osten.
In den vergangenen Wochen hatten geopolitische Risiken die Ölpreise gestützt. Insbesondere die Spannungen im Nahen Osten ließen Marktteilnehmer zeitweise mit Versorgungsengpässen rechnen. Diese Sorgen haben sich nun merklich abgeschwächt, was die Preise unter Druck setzt.
Ausblick
Der asiatische Naphthamarkt bleibt vorerst von der Entwicklung der Rohölpreise abhängig. Sollte die Ölschwäche anhalten, dürften auch die Naphthanotierungen weiter unter Druck bleiben. Gleichzeitig sorgt die Wiederinbetriebnahme des thailändischen Crackers für zusätzliches Angebot. Die anhaltende Backwardation deutet jedoch darauf hin, dass die Versorgungssituation am Kassamarkt weiterhin angespannt ist.
Anleger und Marktteilnehmer werden in den kommenden Tagen genau beobachten, ob sich die geopolitische Lage im Nahen Osten weiter entspannt oder ob neue Spannungen die Preise wieder nach oben treiben. Die aktuellen Entwicklungen zeigen einmal mehr, wie stark der Naphthamarkt von den globalen Rohölnotierungen und geopolitischen Faktoren beeinflusst wird.
