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Südkorea und USA: Milliardenpaket für Energie und Atomprojekte

Südkorea und USA verhandeln über 200 Milliarden Dollar strategische Investitionen in Energie und Nukleartechnik.

4 Min
Südkorea und USA: Milliardenpaket für Energie und Atomprojekte

Südkorea und die USA treiben die Umsetzung eines milliardenschweren Investitionspakets voran, das im vergangenen Jahr im Rahmen eines Handelsabkommens vereinbart wurde. Seoul hatte Investitionen in Höhe von 350 Milliarden US-Dollar zugesagt, im Gegenzug senkten die USA die Zölle auf südkoreanische Waren auf 15 Prozent. Während 150 Milliarden Dollar für den Schiffbau bereits fest eingeplant sind, werden die Details für die verbleibenden 200 Milliarden Dollar an strategischen Investitionen derzeit ausgehandelt.

Im Fokus stehen mehrere Großprojekte, die von einem Gaskraftwerk in Texas über den Bau von Kernreaktoren bis hin zu einer Beteiligung am US-Atomkonzern Westinghouse reichen. Das südkoreanische Wirtschaftsministerium betonte jedoch, dass bislang keine endgültigen Details festgelegt wurden. Die Informationen basieren auf Medienberichten und Angaben eines südkoreanischen Abgeordneten.

Gaskraftwerk in Texas als erstes Großprojekt

Ein zentrales Vorhaben ist der Bau eines GuD-Kraftwerks (Combined-Cycle-Gas-Turbine) in Encinal, Texas. Das Projekt mit einer geplanten Gesamtleistung von 6,3 Gigawatt soll Strom für KI-Rechenzentren und Halbleiterfabriken in Texas liefern. Um das Risiko zu minimieren, ist eine etappenweise Entwicklung vorgesehen. Zunächst sollen Gasturbinenanlagen mit 1,4 Gigawatt Leistung errichtet werden, bevor später weitere 4,9 Gigawatt GuD-Anlagen hinzukommen.

Laut mehreren südkoreanischen Medien, darunter die JoongAng Ilbo, haben sich beide Seiten auf eine Investition von rund 22,3 Milliarden Dollar geeinigt. Zudem soll ein bilaterales Sonderinvestitionsfahrzeug für künftige Projekte genutzt werden.

Acht Kernreaktoren und Beteiligung an Westinghouse

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Nuklearsektor. Seoul und Washington diskutieren den Bau von bis zu acht großen Kernreaktoren in den Vereinigten Staaten. Mit geschätzten Kosten von rund 15 Milliarden Dollar pro Reaktor könnte dieser Bereich einen erheblichen Teil des Investitionspakets ausmachen, wie die Zeitung Korea Economic Daily und andere Medien berichten.

Die Verhandlungen umfassen sechs Reaktoren, die auf der Technologie des US-Unternehmens Westinghouse basieren sollen, sowie zwei Reaktoren nach südkoreanischem Design. Sollten diese gebaut werden, wären die Einheiten mit südkoreanischem Design die ersten koreanischen Reaktoren in den USA überhaupt.

Parallel dazu verhandelt Seoul über den Erwerb einer Beteiligung an Westinghouse. Südkorea strebte ursprünglich einen Anteil von rund 15 Prozent an, um einen Sitz im Aufsichtsrat zu erhalten. Die USA boten jedoch nur fünf bis zehn Prozent, berichteten Medien. Der Wert der Investition würde von der Bewertung von Westinghouse vor einem geplanten Börsengang abhängen. Schätzungen zufolge könnte der Unternehmenswert zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar liegen, was eine 15-prozentige Beteiligung auf 2,25 bis 3 Milliarden Dollar beziffern würde. Aktuell befindet sich das Aktienpaket von Westinghouse im Besitz des kanadischen Vermögensverwalters Brookfield und seiner Partner mit 51 Prozent sowie des kanadischen Uranbergbauunternehmens Cameco mit 49 Prozent.

Alaska-LNG-Projekt: Seoul zeigt sich vorsichtig

Ein weiteres diskutiertes Projekt ist die Beteiligung Südkoreas am Alaska-Projekt für verflüssigtes Erdgas (LNG). Das langjährig blockierte Pipeline- und Exportvorhaben wird von US-Präsident Donald Trump vorangetrieben. Die Entwicklung des Alaska-LNG-Projekts wird auf 44 Milliarden Dollar geschätzt. Es soll Gas, das in Nordalaska gefördert wird, über eine 1.300 Kilometer lange Pipeline nach Nikiski transportieren, um es in asiatische Länder zu exportieren.

Südkorea nähert sich dem Plan jedoch vorsichtig an. Industrieminister Kim Jung-kwan sagte dem Parlament im vergangenen November, dass Alaska LNG ein „Geschäft mit hohem Risiko“ sei. Südkoreanische Medien berichten, dass Seoul versucht habe, das Alaska-LNG-Projekt ohne bindende Verpflichtung in das US-Investitions-Memorandum aufzunehmen.

Wiederaufbereitung von Brennstoff und CCUS als weitere Optionen

Ein viertes potenzielles Investitionsziel betrifft die Wiederaufbereitung von abgebranntem Brennstoff. Die USA verknüpfen diesen Vorschlag mit Südkoreas Bestreben, nuklearbetriebene U-Boote zu bauen und Brennstoffe zu sichern, berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf den Abgeordneten der regierenden Partei Südkoreas, Yoon Hu-duk. Die USA hätten ein Projekt zur Verarbeitung von 4.000 Tonnen abgebranntem Brennstoff vorgeschlagen. Auf einem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im vergangenen November einigten sich beide Länder auf ein gemeinsames Factsheet, in dem Washington die Pläne Südkoreas zur Errichtung eines nuklearbetriebenen U-Boots billigte und sich bereit erklärte, eng mit Seoul bei der Brennstoffbeschaffung zusammenzuarbeiten.

Ein fünftes potenzielles Projekt umfasst die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlendioxid (CCUS). Dies ist ein Bereich, in dem große US-Energieunternehmen bereits groß angelegte Investitionen angezogen haben, so der Abgeordnete Yoon.

Fazit: Milliardenpaket mit strategischer Bedeutung

Das 350-Milliarden-Dollar-Investitionspaket unterstreicht die enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen Südkorea und den USA. Während der Schiffbau bereits fest eingeplant ist, stehen in den Bereichen Energie und Nukleartechnik noch entscheidende Verhandlungen aus. Besonders die Beteiligung an Westinghouse und der Bau koreanischer Reaktoren in den USA wären von großer strategischer Bedeutung für Seoul. Anleger sollten die weiteren Entwicklungen im Auge behalten, da die Umsetzung der Projekte erhebliche Auswirkungen auf die beteiligten Unternehmen und Branchen haben könnte.

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