Saudi-Arabien drängt auf mehr Ölexporte durch Straße von Hormus
Saudi-Arabien muss nach Pipeline-Stilllegung wieder auf die Straße von Hormus setzen.

Saudi-Arabien steht vor einer strategischen Neuausrichtung seiner Ölexporte. Die Schließung einer wichtigen Ost-West-Pipeline, über die das Königreich zuletzt Rohöl durch das Rote Meer verschiffte, rückt die Straße von Hormus wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Zusammen mit anderen Exporteuren des Persischen Golfs ist Riad nun bemüht, den Rohstofffluss in die globalen Märkte aufrechtzuerhalten.
Die stillgelegte Pipeline hatte Saudi-Arabien eine Alternative zur Straße von Hormus geboten. Nun ist der schmale Seeweg zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman wieder der beste verfügbare Exportweg für saudisches Öl. Die zentrale Frage lautet, wie viel Rohöl das Königreich tatsächlich durch diese strategisch sensible Meerenge transportieren kann.
Unsicherheit über die Durchflussmengen
Nach Einschätzung von Robin Mills, CEO des Beratungsunternehmens Qamar Energy mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten, gibt es bei den Transportmengen durch die Straße von Hormus weiterhin „gute und schlechte Tage". Die Schwankungen machen eine verlässliche Prognose schwierig. Saudi-Arabien muss sich nun darauf einstellen, dass der Zugang zu den Weltmärkten über diesen Weg nicht konstant verlässlich ist.
Die Straße von Hormus gilt als einer der wichtigsten Engpässe für den globalen Ölhandel. Rund ein Fünftel des weltweit verbrauchten Rohöls passiert diese Meerenge. Für die Golfstaaten ist sie der primäre Exportweg – und zugleich ein geopolitischer Hebel, der in der Vergangenheit immer wieder für Spannungen gesorgt hat.
Rückkehr zu einem bekannten Risiko
Die saudische Ost-West-Pipeline, auch bekannt als Petroline, hatte dem Königreich jahrelang eine Umgehungsmöglichkeit geboten. Mit einer Kapazität von rund fünf Millionen Barrel pro Tag konnte sie Öl vom Osten des Landes an die Küste des Roten Meeres transportieren. Die aktuelle Stilllegung dieses strategischen Assets zwingt Saudi-Arabien nun zurück in die Abhängigkeit von der Straße von Hormus.
Für die globalen Ölmärkte ist dies eine bedeutende Entwicklung. Sollte es zu einer Blockade oder auch nur zu einer signifikanten Beeinträchtigung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus kommen, wären die Auswirkungen auf die Ölpreise erheblich. Saudi-Arabien als größter Exporteur der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) wäre dann in seiner Lieferfähigkeit eingeschränkt.
Die Frage nach der Dauerhaftigkeit der aktuellen Situation bleibt offen. Ob der „Hahn" an der Straße von Hormus auf Dauer geöffnet bleibt oder ob Saudi-Arabien mittelfristig wieder auf alternative Exportrouten setzen kann, ist nach Einschätzung von Branchenkennern derzeit nicht absehbar. Klar ist lediglich, dass das Königreich vorerst auf den umstrittenen Seeweg angewiesen ist.
