Myer-Aktie steigt um 4,3% – Jahreszahlen vermeiden negative Überraschung
Myer Holdings legt um 4,3% zu – Jahreszahlen vermeiden negative Überraschung

Die australische Warenhauskette Myer Holdings Ltd hat am Mittwoch einen kräftigen Kurssprung von 4,3 Prozent hingelegt. Auslöser war die Veröffentlichung der Jahresergebnisse für das Geschäftsjahr 2026 (FY2026), die den Anlegern ein klareres Bild der finanziellen Lage des Einzelhändlers nach einer turbulenten Phase vermittelten. Der Gesamtumsatz stieg auf 4,09 Milliarden Australische Dollar, während der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) zwar rückläufig war, aber insgesamt im Rahmen der Erwartungen blieb.
Der breitere australische Markt zeigte sich am Mittwoch indes kaum bewegt. Der ASX 200 notierte unverändert, während die Myer-Aktie mit ihrem deutlichen Plus aus dem Gesamtmarkt herausstach. Offenbar hatten viele Marktteilnehmer mit einer negativen Überraschung gerechnet, die nun ausblieb.
Die Details
Für den Zeitraum von zwölf Monaten bis zum 25. Juli meldete Myer Gesamtumsätze in Höhe von 4,09 Milliarden Australischen Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 0,7 Prozent im Vergleich zum Geschäftsjahr 2025 auf vergleichbarer Basis. Der bereinigte EBIT belief sich auf 139 Millionen Australische Dollar – ein Rückgang von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf tatsächlicher Basis.
Die ausgewiesenen Kennzahlen lagen insgesamt im Einklang mit den Erwartungen der Analysten. Damit vermied Myer eine negative Überraschung, vor der der Markt im Vorfeld offenbar gefürchtet hatte. Die Vorsitzende Olivia Wirth kommentierte die Entwicklung mit deutlichen Worten: „Das zweite Halbjahr des FY26 war durch ein volatiles und deutlich herausfordernderes makroökonomisches und einzelhandelspezifisches Umfeld gekennzeichnet als im ersten Halbjahr 2026 oder im FY25."
Gleichzeitig wies Wirth auf erste Anzeichen einer Stabilisierung im Handelsgeschäft des laufenden Geschäftsjahres FY2027 hin. Dies dürfte ein wesentlicher Grund für die positive Kursreaktion gewesen sein.
Hintergrund: Was bisher geschah
Der australische Einzelhandelssektor steht seit längerem unter Druck. Bereits am 25. Februar 2026 berichtete aktien.news, dass der Lebensmittelriese Woolworths im ersten Halbjahr einen bereinigten Nettogewinn von 859 Millionen Australischen Dollar erzielt hatte – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Woolworths übertraf damit die Analystenerwartungen deutlich, was die Aktie damals so stark steigen ließ wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Am 26. März 2026 zeigte sich der australische Markt jedoch von einer schwächeren Seite. Der S&P/ASX 200 schloss leicht im Minus, belastet vor allem durch die Sektoren Informationstechnologie, Gold und Telekommunikation. An der Sydneyer Börse überwogen damals die Verlierer mit 651 zu 441 Gewinnern.
Eine Erholung zeichnete sich Mitte Juli ab. Am 15. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass der S&P/ASX 200 um 0,37 Prozent zugelegt hatte. Kurstreiber waren damals die Sektoren Rohstoffe, Metalle & Bergbau sowie Ressourcen. Der S&P/ASX 200 VIX, ein Maß für die Marktvolatilität, sank um 1,28 Prozent auf 11,15 – ein Zeichen für nachlassende Nervosität.
Am 7. August 2026 sorgte der Vermögensverwalter AMP für positive Schlagzeilen. Die Aktie steuerte auf die beste Woche seit vier Monaten zu, nachdem AMP den höchsten Halbjahresgewinn seit vier Jahren gemeldet und ein Aktienrückkaufprogramm über 150 Millionen Australische Dollar angekündigt hatte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in australische Einzelhandelsaktien investiert sind oder eine solche Position erwägen, liefert der Myer-Bericht ein gemischtes Bild. Einerseits zeigt der leichte Umsatzanstieg von 0,7 Prozent, dass das Unternehmen in einem schwierigen Umfeld zumindest stabil bleiben konnte. Andererseits signalisiert der EBIT-Rückgang von 7 Prozent, dass die Profitabilität unter Druck steht.
Die Aussage von Vorsitzender Olivia Wirth, dass das zweite Halbjahr des FY26 deutlich herausfordernder war als die Vergleichsperioden, unterstreicht die Belastungen für den gesamten Einzelhandelssektor. Die ersten Anzeichen einer Stabilisierung im laufenden Geschäftsjahr FY2027 könnten jedoch auf eine Trendwende hindeuten.
Der Kursanstieg von 4,3 Prozent ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die befürchtete negative Überraschung ausblieb. In einem Marktumfeld, in dem der ASX 200 unverändert notierte, zeigt dies, dass Myer zumindest kurzfristig das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen konnte. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Ausblick
Die Vorsitzende Olivia Wirth verwies auf erste Anzeichen einer Stabilisierung im Handelsgeschäft des laufenden Geschäftsjahres FY2027. Konkrete Prognosen oder Umsatzziele für das neue Geschäftsjahr nannte das Unternehmen im Rahmen der Ergebnisveröffentlichung jedoch nicht. Anleger werden die weitere Entwicklung des australischen Einzelhandelsumfelds sowie die kommenden Quartalsberichte von Myer genau beobachten müssen, um die Nachhaltigkeit der Stabilisierung beurteilen zu können.
Kurz erklärt
- EBIT (Earnings Before Interest and Taxes): Der Gewinn vor Zinsen und Steuern. Diese Kennzahl zeigt die operative Ertragskraft eines Unternehmens, unabhängig von seiner Finanzierungsstruktur und Steuerbelastung.
- ASX 200: Der wichtigste Aktienindex Australiens, der die 200 größten an der Börse in Sydney notierten Unternehmen umfasst. Er gilt als Leitbarometer für die australische Wirtschaft.
- Vergleichbare Basis: Eine Berechnungsmethode, bei der Umsätze oder Gewinne mit denen der Vorperiode verglichen werden, wobei strukturelle Veränderungen wie Filialschließungen oder -eröffnungen herausgerechnet werden. Dies ermöglicht einen genaueren Blick auf das organische Wachstum.
