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Iran-Krieg belastet TUI: Gewinnprognose gesenkt, Buchungen rückläufig

Iran-Krieg belastet TUI: Gewinnprognose gesenkt, Buchungsrückgang und kurzfristige Trends

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Iran-Krieg belastet TUI: Gewinnprognose gesenkt, Buchungen rückläufig

Der Iran-Krieg belastet den Reisekonzern TUI zunehmend. Der MDAX-Konzern hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 gesenkt und rechnet nun mit einem spürbaren Gewinnrückgang. Der Trend zu kurzfristigen Buchungen setzt sich fort und drückt auf die Ergebnisse.

Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) wird nach Angaben des Unternehmens zwischen 1,2 und 1,3 Milliarden Euro liegen. Zuvor hatte TUI eine Spanne von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro genannt. Im Vorjahr erzielte der Konzern noch gut 1,4 Milliarden Euro. Die Präzisierung der Prognose nach oben zeigt, dass sich die Talsohle zumindest abzeichnet – ein Grund zur Entwarnung ist dies jedoch nicht.

Neben den geopolitischen Spannungen belastet auch die konjunkturelle Unsicherheit das Geschäft. Verbraucher zögern bei längerfristigen Buchungen, was direkt am Gewinn des Reiseveranstalters zehrt. "Der Trend zu kurzfristigen Buchungen setzt sich fort", erklärte der Tourismusriese. Man steuere die Kapazitäten weiterhin vorsichtig und erhalte sich die Flexibilität, diese entsprechend der Kundennachfrage anzupassen.

Die Details

Im Kerngeschäft mit Pauschalreisen blieben die gebuchten Umsätze unter dem Vorjahr. In der zu Ende gehenden Sommersaison belief sich der Rückgang auf fünf Prozent, die bevorstehende Wintersaison verzeichnet bisher sieben Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein Ende der Krise ist damit nicht in Sicht. Allerdings habe sich die Buchungsdynamik in den vergangenen vier Wochen verbessert, teilte TUI mit.

TUI-Chef Sebastian Ebel nannte weiterhin keine Umsatzprognose für das fast abgeschlossene Geschäftsjahr 2025/26. Das ursprüngliche Ziel hatte er wegen des Iran-Kriegs im April gestrichen und sein Gewinnziel gesenkt. Damals steckten zwei Schiffe der Kreuzfahrtlinie TUI Cruises wegen des Kriegsbeginns im Persischen Golf fest, und viele Urlauber verschoben ihre Buchungen. Die TUI-Führung strich das Reiseangebot in der Folge um fünf Prozent zusammen.

Positiv entwickelten sich dagegen die Preise: In den Hotels und Resorts lagen die Durchschnittspreise im zu Ende gehenden Schlussquartal pro Tag vier Prozent über Vorjahr, bei den weiterhin boomenden Kreuzfahrten zwei Prozent. Während die Auslastung der Häuser wie RIU und TUI Blue im Quartal von Juli bis September etwas zurückging, waren die Schiffe von TUI Cruises, Marella und Hapag-Lloyd genauso stark ausgelastet wie ein Jahr zuvor.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 13. August 2026 berichtete aktien.news, dass TUI im dritten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verbuchte. Das bereinigte Betriebsergebnis fiel um 27 Prozent auf 234 Millionen Euro – weit unter den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 275 Millionen Euro gerechnet hatten. Auch der Umsatz enttäuschte mit 5,8 Milliarden Euro statt der prognostizierten 5,98 Milliarden Euro. Der Iran-Krieg brockte dem Konzern rund 60 Millionen Euro Gewinnausfall ein, allein zwei Kreuzfahrtschiffe mussten wochenlang im Persischen Golf vor Anker liegen.

Schon am 22. April 2026 hatte aktien.news über die weitreichenden Folgen des Iran-Kriegs berichtet. Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hinterließ in der Quartalsberichtssaison deutliche Spuren. Unternehmen aus Tourismus, Konsumgüter und Bergbau warnten vor steigenden Kosten, unterbrochenen Lieferketten und geschwächtem Verbrauchervertrauen. Laut einer Reuters-Analyse hatten seit Kriegsbeginn 21 Unternehmen ihre Finanzprognosen zurückgezogen oder gesenkt, 32 signalisierten Preiserhöhungen und 31 warnten vor finanziellen Einbußen.

Ein Blick zurück zeigt, wie stark sich die Lage gedreht hat: Am 10. Februar 2026 meldete TUI noch einen Rekordstart ins Winterquartal. Mit einem bereinigten EBIT von 77 Millionen Euro übertraf das Unternehmen das Vorjahresergebnis um mehr als die Hälfte. Das traditionell verlustreiche Winterquartal entwickelte sich so positiv wie nie zuvor in der Firmengeschichte. Der Nettoverlust konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum halbiert werden.

Was das für Anleger bedeutet

Für Anleger bleibt TUI ein von geopolitischen Risiken geprägtes Investment. Die Abhängigkeit von stabilen internationalen Beziehungen zeigt sich in den aktuellen Zahlen deutlich. Positiv ist, dass TUI die Preise erhöhen konnte – ein Zeichen für starke Marken und eine anhaltende Reiselust der Verbraucher. Die verbesserte Buchungsdynamik der letzten vier Wochen könnte auf eine allmähliche Stabilisierung hindeuten.

Die TUI-Aktie erlebte nach dem Buchungs-Update ein Wechselbad. Am Morgen verlor der MDAX-Titel bis zu 2,1 Prozent und erreichte den tiefsten Stand seit Mitte Mai. Mit dem Gesamtmarkt drehte das Papier dann aber ins Plus und lag am frühen Nachmittag zwei Prozent höher. Dank neuer Friedenshoffnungen bewegte sich der DAX am Vormittag nach oben und notierte am frühen Nachmittag ein halbes Prozent höher bei 25.700 Punkten.

Ausblick

Die endgültigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 will TUI am 9. Dezember vorlegen. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob sich die verbesserte Buchungsdynamik der vergangenen vier Wochen fortsetzt. Nach Medienberichten hat Teheran Verhandlungsbereitschaft signalisiert, und US-Präsident Donald Trump könnte am Rande der UN-Generalversammlung mit Vertretern Irans zusammentreffen. Eine diplomatische Lösung des Konflikts wäre für TUI der wohl wichtigste Kurstreiber.

Kurz erklärt

  • Bereinigtes Betriebsergebnis (Ebit): Der Gewinn vor Zinsen und Steuern, bereinigt um einmalige Sondereffekte. Er zeigt die operative Ertragskraft eines Unternehmens.
  • MDAX: Der deutsche Aktienindex für mittelgroße Unternehmen, in dem TUI notiert ist. Er umfasst die 50 größten Werte unterhalb des DAX.
  • Pauschalreise: Eine standardisierte Reiseleistung, die mindestens zwei Hauptleistungen wie Flug und Hotel zu einem Gesamtpreis kombiniert.
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