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Wacker Chemie verkauft weiteres Siltronic-Aktienpaket an Investoren

Wacker Chemie verkauft 2,2 Mio. Siltronic-Aktien und reduziert Anteil von 21,67 auf knapp 15 Prozent.

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Wacker Chemie verkauft weiteres Siltronic-Aktienpaket an Investoren

Der Münchner Chemiekonzern Wacker Chemie setzt seinen schrittweisen Rückzug aus der Beteiligung an der ehemaligen Tochter Siltronic fort. Über Nacht sollen 2,2 Millionen Aktien des Wafer-Herstellers bei institutionellen Investoren platziert werden. Damit sinkt der Anteil von Wacker von bisher 21,67 Prozent auf knapp 15 Prozent – und der Konzern dürfte seinen Status als größter Anteilseigner von Siltronic verlieren.

Den Auftrag für die Platzierung haben die Bank of America (BofA Securities) und die Deutsche Bank erhalten, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Zum Xetra-Schlusskurs von 82,75 Euro wäre der Verkaufserlös mit rund 182 Millionen Euro zu beziffern. Allerdings werden Aktien bei solchen beschleunigten Platzierungen meist mit einem Abschlag von drei bis sieben Prozent verkauft. Im Frankfurter Parketthandel notierten Siltronic am Abend bei 81,60 Euro.

Die Details

Wacker Chemie hatte bereits Ende Mai die Gelegenheit genutzt, um seine Beteiligung von 31 auf knapp 24 Prozent zu reduzieren. Eine anschließende Kapitalerhöhung bei Siltronic verwässerte den Anteil weiter. Die niederländische Beteiligungsgesellschaft HAL Trust, die bereits zuvor 15,1 Prozent an Siltronic gehalten hatte, beteiligte sich dem Unternehmen zufolge „mit einer bedeutenden Order“ an der Kapitalerhöhung. Mit der neuen Platzierung von Wacker dürfte HAL Trust nun zum größten Aktionär von Siltronic aufsteigen.

Siltronic selbst hat zuletzt an der Börse vom KI-Boom profitiert. Die Erwartung der Anleger: Für die neuen Rechenzentren, die für Künstliche Intelligenz benötigt werden, werden mehr Chips gebraucht. Siltronic liefert mit seinen Siliziumscheiben die Grundlage für diese Halbleiter.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 29. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass Wacker Chemie im Geschäftsjahr 2025 einen historischen Verlust von 800 Millionen Euro verbucht hatte. Noch im Vorjahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Nettogewinn von 261 Millionen Euro. Der Umsatz sank damals moderat um vier Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Von den 800 Millionen Euro Verlust entfielen allein 600 Millionen auf Sonderbelastungen.

Am 30. Juli 2026 meldete aktien.news eine positive Überraschung: Wacker Chemie hatte im zweiten Quartal die Analystenerwartungen klar übertroffen und die EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr 2026 um rund zehn Prozent angehoben. Das EBITDA im zweiten Quartal belief sich auf 211 Millionen Euro und lag damit 24 Prozent über den Schätzungen der Investmentbank Jefferies, die lediglich 171 Millionen Euro erwartet hatte. Gleichzeitig senkte der Konzern seinen Umsatzausblick leicht.

Im August 2026 berichtete aktien.news zudem über handelspolitische Entwicklungen, die für Wacker Chemie relevant sind: Die USA bereiteten einen Zollsatz von 15 Prozent auf Polysilizium-Derivate sowie Mindestimportpreise für Polysilizium, Wafer, Zellen und Solarmodule vor. Polysilizium ist der zentrale Rohstoff sowohl für Solarmodule als auch für Computerchips – und Wacker gehört weltweit zu den führenden Produzenten.

Was das für Anleger bedeutet

Der schrittweise Abbau der Siltronic-Beteiligung ist Teil einer strategischen Neuausrichtung von Wacker Chemie. Nach dem historischen Verlust von 800 Millionen Euro im Jahr 2025 und dem anschließenden Turnaround im zweiten Quartal 2026 konzentriert sich der Konzern offenbar stärker auf sein Kerngeschäft. Die Erlöse aus dem Aktienverkauf – potenziell rund 182 Millionen Euro vor Abschlag – stärken die Bilanz.

Für Anleger in Siltronic bedeutet der Schritt eine Verschiebung der Aktionärsstruktur. Mit der niederländischen HAL Trust als neuem Großaktionär könnte sich die strategische Ausrichtung des Wafer-Herstellers verändern. Siltronic profitiert derzeit vom KI-Hype, da die Nachfrage nach Siliziumscheiben für Hochleistungschips steigt.

Privatanleger sollten beachten, dass Wacker Chemie mit dem jüngsten Verkauf seine Beteiligung von 21,67 auf knapp 15 Prozent reduziert. Das entspricht einem Abschmelzen um rund ein Drittel des bisherigen Anteils. Die Platzierung erfolgt über Nacht bei institutionellen Investoren – Kleinanleger kommen bei solchen beschleunigten Bookbuilding-Verfahren in der Regel nicht zum Zug.

Ausblick

Ob Wacker Chemie seine Restbeteiligung von knapp 15 Prozent an Siltronic weiter reduzieren wird, ist aus dem Quelltext nicht ersichtlich. Der Konzern hatte bereits im Mai 2026 und nun im September 2026 Anteile verkauft. Die Prognoseanhebung vom Juli 2026 signalisiert, dass das operative Geschäft von Wacker Chemie trotz des schwierigen Marktumfelds an Fahrt gewinnt.

Die handelspolitischen Entwicklungen rund um US-Zölle auf Polysilizium bleiben ein wichtiger Faktor für den Konzern. Sollten die angekündigten Maßnahmen der US-Regierung in Kraft treten, könnte dies Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation von Wacker Chemie im Vergleich zu chinesischen Produzenten haben.

Kurz erklärt

  • Siltronic: Ein Hersteller von Siliziumwafern, also dünnen Scheiben aus hochreinem Silizium, die als Grundlage für die Herstellung von Computerchips dienen.
  • Beschleunigte Platzierung: Ein Verfahren, bei dem ein Großaktionär innerhalb weniger Stunden ein Aktienpaket bei institutionellen Investoren verkauft – meist mit einem Preisabschlag zum aktuellen Börsenkurs.
  • EBITDA: Eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen angibt und damit die operative Ertragskraft eines Unternehmens messbar macht.
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