Mexiko: Inflation steigt im frühen September auf 3,42 Prozent
Die jährliche Teuerungsrate in Mexiko legt überraschend zu, während die Kerninflation weiter zurückgeht.

Die jährliche Inflationsrate in Mexiko ist im ersten Halbjahr September auf 3,42 Prozent gestiegen. Im Vormonat hatte die Teuerungsrate noch bei 3,26 Prozent gelegen. Das gab die nationale Statistikbehörde INEGI am Donnerstag bekannt. Damit fiel der Wert höher aus als von Ökonomen erwartet: In einer Umfrage hatten Fachleute im Schnitt eine Rate von 3,37 Prozent prognostiziert.
Der Anstieg der Gesamtinflation überraschte die Marktbeobachter, denn die zugrunde liegende Preisentwicklung zeigt in eine andere Richtung. Die Kerninflation, die volatile Preise für Lebensmittel und Energie ausklammert, sank im Zeitraum der vergangenen zwölf Monate bis Anfang September auf 3,79 Prozent. Im ersten Halbjahr August hatte dieser Wert noch bei 3,93 Prozent gelegen. Auch hier lagen die Ökonomen mit ihrer Erwartung von 3,81 Prozent leicht über dem tatsächlich gemeldeten Wert.
Kerninflation bleibt im Zielkorridor
Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung der Kerninflation. Sie bewegt sich weiterhin innerhalb des Zielkorridors der mexikanischen Zentralbank, der Bank of Mexico. Diese strebt eine Inflationsrate von 3 Prozent an, mit einer Toleranz von plus oder minus einem Prozentpunkt. Das bedeutet, dass die Kernrate zwischen 2 und 4 Prozent als akzeptabel gilt. Mit 3,79 Prozent liegt der Wert derzeit komfortabel innerhalb dieser Bandbreite.
Die Kerninflation gilt unter Ökonomen als aussagekräftiger Indikator für den zugrunde liegenden Preisdruck als die Gesamtrate. Der Grund: Sie blendet stark schwankende Posten wie frische Lebensmittel und Energieträger aus, die häufig durch saisonale oder einmalige Faktoren verzerrt werden. Ein Rückgang der Kernrate deutet daher darauf hin, dass sich der fundamentale Preisdruck in der mexikanischen Wirtschaft abschwächt.
Für die Geldpolitik der Bank of Mexico ist diese Unterscheidung von zentraler Bedeutung. Die Notenbank orientiert sich bei ihren Zinsentscheidungen maßgeblich an der Kerninflation, da sie die nachhaltige Teuerungstendenz besser abbildet. Solange sich diese Kennzahl innerhalb des Zielkorridors bewegt, besteht für die Währungshüter weniger Handlungsdruck, die Zinsen weiter anzupassen.
Bedeutung für Anleger
Für deutsche Privatanleger, die in mexikanischen Anleihen, Aktien oder dem Peso engagiert sind, liefert der aktuelle Datenpunkt ein gemischtes Bild. Einerseits zeigt die gestiegene Gesamtrate, dass der Preisdruck kurzfristig nicht vollständig gebannt ist. Andererseits signalisiert die rückläufige Kerninflation eine gewisse Entspannung bei den grundlegenden Preistreibern.
Die mexikanische Währung und die Anleihemärkte reagieren traditionell sensibel auf Inflationsdaten, da sie Rückschlüsse auf den künftigen Zinspfad der Bank of Mexico zulassen. Weicht die tatsächliche Teuerung von den Erwartungen der Ökonomen ab, kann dies kurzfristig für Bewegung an den Finanzmärkten sorgen. Der nun gemeldete Wert lag bei der Gesamtrate über und bei der Kernrate unter den Prognosen.
Der Bericht der Statistikbehörde INEGI basiert auf der Auswertung eines breiten Warenkorbs und gilt als wichtigster Frühindikator für die Preisentwicklung in Mexiko. Die Daten für das erste Halbjahr September werden von Analysten besonders aufmerksam verfolgt, da sie einen ersten Hinweis auf die Entwicklung im gesamten Monat geben. Die vollständigen Monatsdaten werden in der Regel zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.
Insgesamt bleibt die Inflationsentwicklung in Mexiko damit in einem Spannungsfeld: Während die Gesamtrate anzieht, entspannt sich der fundamentale Preisdruck. Für die kommenden Monate dürfte entscheidend sein, ob sich der Rückgang der Kerninflation fortsetzt und ob die Gesamtrate wieder in Richtung des Zielwerts von 3 Prozent tendiert.
