Machtkampf um die Geldpolitik
Wie Trump die Fed unter Druck setzt und Märkte reagierten

Die US-Notenbank Federal Reserve steht vor einer bedeutenden Entscheidung hinsichtlich des Leitzinses. Erstmals seit dem Amtsantritt von Donald Trump befasst sich die Fed mit der Zinspolitik unter der neuen Regierung. Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet, dass die Notenbank den Leitzins in der aktuellen Spanne zwischen 4,25 und 4,5 Prozent unverändert lässt. Laut den Terminmärkten gehen 98 Prozent der Anleger von dieser Entscheidung aus.
Präsident Trump hingegen hält die aktuellen Zinsen für zu hoch und fordert angesichts sinkender Ölpreise eine sofortige Zinssenkung. Er argumentiert, dass fallende Ölpreise zu niedrigeren Verbraucherpreisen führen, wodurch eine straffe Geldpolitik überflüssig werde. In einer weiteren Verbalattacke erklärte Trump, er kenne sich mit Zinssätzen besser aus als Notenbankchef Jerome Powell.
Für Powell bedeutet dies, dass er nicht nur die geldpolitischen Maßnahmen der Fed erläutern, sondern sich auch gegen die öffentliche Kritik des Präsidenten behaupten muss. Die politische Unabhängigkeit der Notenbank gilt als ein zentrales Prinzip der Geldpolitik. Sollte diese ins Wanken geraten, könnte das weitreichende Konsequenzen für die Finanzmärkte haben, insbesondere für den Anleihemarkt.
Die steigenden Anleiherenditen belasten die Aktienmärkte und erschweren den Schuldendienst für die US-Regierung. Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen liegen derzeit bei 4,56 Prozent, nachdem sie vor Trumps Amtsantritt bereits 4,8 Prozent erreicht hatten. Analysten sehen die Fünf-Prozent-Marke als kritische Schwelle an. Trump könnte durch eine Beeinflussung der Notenbank versuchen, die Finanzierungskosten seiner Regierung zu senken, insbesondere im Hinblick auf geplante Steuersenkungen.
Ob Powell um seinen Posten fürchten muss, bleibt unklar. Sein Vertrag läuft noch bis Mai 2026, und es gibt rechtliche Hürden für eine vorzeitige Abberufung. Vor Trumps Amtsantritt kursierten Gerüchte, sein Team suche nach Möglichkeiten, Powell zu entmachten, was später relativiert wurde.
Während Powell mit diesen Herausforderungen konfrontiert ist, äußerte sich auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, zu den Risiken politischer Einflussnahme auf die Geldpolitik. Sie warnte davor, dass politischer Druck zu stärkeren Schwankungen bei Wechselkursen und Anleiherenditen führen könnte, was das Vertrauen in die Märkte erschüttern würde.
Für die Fed bleibt entscheidend, wie sich Trumps wirtschaftspolitische Maßnahmen auf das Preisniveau in den USA auswirken. Höhere Zölle und ein steigender Konsum könnten die Inflation antreiben und die Notenbank zu weiteren Zinserhöhungen zwingen. Fed-Vizepräsident Christopher Waller signalisierte jedoch, dass eine schnellere Zinssenkung als erwartet möglich sei, falls die Kerninflation weiter sinkt.
In der Euro-Zone wird hingegen mit einer moderaten Zinssenkung um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent gerechnet. Analysten erwarten, dass die EZB den Leitzins bis zum Sommer auf ein neutrales Niveau von zwei Prozent senken könnte. Damit bleibt die Geldpolitik in den USA und Europa vorerst auf unterschiedlichen Kursen, während die Märkte mit hoher Unsicherheit in die Zukunft blicken.
