Klingbeil stellt Bedingungen für Commerzbank-Übernahme durch UniCredit
Bundesfinanzminister fordert Erhalt des Firmensitzes Frankfurt und des Mittelstandsgeschäfts.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat bei einem Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel klare Bedingungen für eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank formuliert. Der Vizekanzler machte deutlich, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben müsse. Zudem forderte er den Erhalt des starken Mittelstandsgeschäfts sowohl in Deutschland als auch international.
Das Vier-Augen-Gespräch mit Orcel bezeichnete Klingbeil als konstruktiv. Die Bundesregierung hatte sich lange gegen ein solches Treffen gesträubt, da sie das Vorgehen der Italiener im Übernahmepoker als aggressiv und feindlich empfand. Inzwischen kontrolliert UniCredit jedoch rund 50 Prozent der Commerzbank-Anteile, sodass eine Übernahme faktisch nicht mehr zu verhindern ist.
Der Bund hält nach den jüngsten Veränderungen noch etwa zwölf bis 13 Prozent an der Commerzbank. Die staatliche Beteiligung stammt aus der mit Steuergeldern finanzierten Rettung während der globalen Finanzkrise vor fast 20 Jahren.
Abstimmung mit wichtigen Akteuren
Klingbeil hatte sich im Vorfeld mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein, Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef, Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sowie dem Betriebsratsvorsitzenden Sascha Uebel abgestimmt. Das Treffen mit Orcel diente dazu, die Position der Bundesregierung klar zu kommunizieren.
Der Minister will erreichen, dass Orcel die Interessen der Beschäftigten ausreichend berücksichtigt. Außerdem müsse die fusionierte Bank in ihren Strukturen die Bedeutung des deutschen Marktes widerspiegeln – dieser wäre dann der größte in der gesamten UniCredit-Gruppe. Der Bund beansprucht zudem weiterhin zwei Vertreter im Aufsichtsrat.
Die Frankfurter Bank müsse ihre wichtige Rolle für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands weiter erfüllen können. Klingbeil betonte, die Bundesregierung stehe an der Seite der mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Commerzbank.
Milliardeneinsparungen und Stellenabbau befürchtet
UniCredit sieht bei einer Übernahme der Commerzbank nach früheren Aussagen Potenzial für Milliardeneinsparungen, inklusive des Abbaus Tausender Stellen. Zudem plant Orcel, das Auslandsnetz der Commerzbank zu beschneiden. Bei der Commerzbank herrschen daher erhebliche Sorgen vor einem Kahlschlag.
Orcel selbst sprach von einem guten und konstruktiven ersten Gespräch, dem zeitnah weitere folgen sollten. "Nun liegt es an beiden Seiten, dieses erste Gespräch zu reflektieren, damit wir einen Weg finden können, der den Interessen aller Stakeholder und Anteilseigner bestmöglich gerecht wird", erklärte er. Er sei dankbar für die Gelegenheit, seine Prioritäten erläutern zu können und erstmals auch Klingbeils Position zu verstehen.
Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte in Berlin, beide Banken befänden sich mittlerweile in einer neuen Phase. Es werde jetzt konkret über eine Transaktion verhandelt. "Das heißt, da geht es jetzt gerade nicht nur um eine feindliche Übernahme, sondern darum, den besten Weg für beide Banken zu finden."
Unklare Zukunft der Staatsbeteiligung
Was aus der restlichen Beteiligung des Bundes wird, blieb bislang unbeantwortet. Die Bundesregierung war im September 2024 bereits der Auffassung, dass die Commerzbank ausreichend stabilisiert sei, um Schritt für Schritt den Ausstieg zu vollziehen. Damals war bei einem ersten Verkauf von Anteilen überraschend die UniCredit eingestiegen und hatte den Übernahmekampf eröffnet.
Für Anleger bleibt die Situation spannend: Die Aktien beider Institute könnten von weiteren Entwicklungen im Übernahmeprozess profitieren. Entscheidend wird sein, ob UniCredit und die Bundesregierung einen für alle Seiten akzeptablen Kompromiss finden.
