KI-Warnungen erschüttern Börsen: Chipaktien brechen weltweit ein
KI-Entwickler warnen vor den Gefahren ihrer Technologie – Chipaktien brechen weltweit ein.

KI-Warnungen haben am Montag für einen kräftigen Rutsch bei Chipaktien gesorgt. Auslöser ist ein ungewöhnlicher Appell aus der Branche selbst: Führende KI-Entwickler fordern eine Verlangsamung der Entwicklung hochleistungsfähiger KI-Modelle – aus Sicherheitsgründen.
Anthropic-Chef Dario Amodei plädierte am Wochenende dafür, die Entwicklung der leistungsfähigsten KI-Modelle zu verlangsamen. Zudem sollen unabhängige Prüfer Zugang zu internen Prozessen erhalten. Unterstützung bekam er von prominenten Namen: OpenAI-Gründer Sam Altman und Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk schlossen sich der Forderung an. Die Begründung ist drastisch: Hochentwickelte KI-Agenten könnten sich zusammenschließen und zur Gefahr für die Menschheit werden.
Asiatische Börsen reagieren mit Kursrutsch
Die Börsen reagierten nervös. Besonders deutlich traf es den südkoreanischen Leitindex Kospi, der stark von der Halbleiterindustrie geprägt ist. Die Schwergewichte Samsung und SK Hynix verloren zeitweise deutlich an Wert. In Japan verzeichnete die Beteiligungsholding Softbank zeitweise Kursverluste im zweistelligen Prozentbereich. Softbank hält einen großen Anteil an OpenAI.
In Europa erwischte es Infineon, ASML und vor allem den österreichischen Leiterplattenhersteller AT&S. Dessen Aktie brach zeitweise um mehr als acht Prozent ein. AT&S zählt zu den größten europäischen Profiteuren des KI-Booms. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt das Papier aber immer noch mehr als 600 Prozent im Plus. Aktuell notiert die Aktie bei rund 150 Euro. Zum Vergleich: Ende 2024 kostete sie noch rund zwölf Euro. In der Spitze war der Kurs dieses Jahr auf 242 Euro gestiegen.
Fundamental hat sich wenig geändert
Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob die Warnungen den aggressiven Ausbau der KI-Infrastruktur gefährden. Die kurze Antwort: Fundamental hat sich wenig geändert. Es geht zunächst um eine Neubewertung des KI-Narrativs, nicht um einen tatsächlichen Nachfrageeinbruch.
Selbst wenn die Entwicklung der leistungsfähigsten Modelle gebremst würde, folgt daraus nicht automatisch, dass weniger Rechenzentren gebraucht werden. Allein in diesem Jahr investieren die Hyperscaler rund 750 Milliarden Dollar, der Großteil fließt in die KI-Infrastruktur. Die Korrektur am Montag fiel vor allem deshalb so deutlich aus, weil viele KI-Unternehmen hoch bewertet sind und ihre Aktien sensibel auf schlechte Nachrichten reagieren.
Wer profitiert von der Sicherheitsdebatte?
Ganz frei von wirtschaftlichen Eigeninteressen ist die Debatte nicht. Anthropic-Chef Amodei positioniert sein Unternehmen seit längerem als besonders sicherheitsbewusst. Mit Blick auf den bevorstehenden Börsengang will er Investoren wohl beruhigen. Auch OpenAI hat ein Interesse an einer neuen Sicherheitsdebatte. Sam Altman hatte den Börsengang bereits mehrfach verschoben, um eine niedrigere Bewertung zu vermeiden. Nun hat er einen Börsengang für dieses Jahr fast vollständig ausgeschlossen – offiziell wegen Sicherheitsbedenken. Die angestrebte Bewertung liegt bei einer Billion Dollar. Das ist unter den gegebenen Umständen schwer zu erreichen, denn OpenAI ist noch nicht profitabel.
Anthropic ist es immerhin zweimal in Folge gelungen, ein Quartal mit schwarzen Zahlen abzuschließen – allerdings nur adjustiert, also bereinigt. Dabei wird etwa die aktienbasierte Vergütung herausgerechnet. Diese Kosten können bei Tech-Unternehmen hoch sein, sodass die Gewinnangaben mit Vorsicht zu betrachten sind.
Gewinner des KI-Schocks: SAP
Was KI-Werte belastete, sorgte für Entspannung bei SAP. Die Aktie stieg am Montag zwischenzeitlich um mehr als vier Prozent und war damit Spitzenreiter im DAX. Software-Titel hatten in der ersten Jahreshälfte stark unter der Sorge gelitten, dass KI ihr Geschäft gefährden könnte. Diese Sorge hat sich nun zumindest kurzfristig abgeschwächt.
