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Novartis-Aktie stürzt ab: Zwei Medikamenten-Fehlschläge erschüttern Konzern

Zwei Medikamentenscheitern innerhalb weniger Tage: Novartis verliert 24 Milliarden Franken an Börsenwert.

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Novartis-Aktie stürzt ab: Zwei Medikamenten-Fehlschläge erschüttern Konzern

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis erlebt eine schmerzhafte Woche. Gleich zwei vielversprechende Medikamentenkandidaten sind innerhalb weniger Tage in klinischen Studien gescheitert. Die Aktie brach am Dienstag um rund neun Prozent ein und steuerte auf den größten Tagesverlust seit 2020 zu. Rund 24 Milliarden Franken an Börsenwert wurden dabei vernichtet.

Von drei großen Hoffnungsträgern in der Pipeline des Basler Unternehmens sind damit zwei gescheitert. Lediglich das Multiple-Sklerose-Mittel Remibrutinib überzeugte in der vergangenen Woche in einer späten Studienphase. Der Druck auf Konzernchef Vas Narasimhan und seine Zukaufstrategie wächst nun erheblich.

Schwerer Rückschlag bei seltener Muskelerkrankung

Der jüngste Fehlschlag betrifft den Wirkstoff Del-Desiran, den Novartis zur Behandlung der myotonen Dystrophie Typ 1 (DM1) entwickelt. In der sogenannten Harbor-Studie wurde das primäre Studienziel verfehlt. Bei DM1 handelt es sich um eine seltene Muskelerkrankung, für die es bislang keine zugelassenen Behandlungen gibt.

Im Vergleich zu einem Placebo ließ sich keine statistisch signifikante Verbesserung bei der Messung der Handmuskelentspannung nachweisen, teilte Novartis mit. Bei dem Test ballen die Patienten ihre Hand für mehrere Sekunden zu einer Faust und öffnen sie dann so schnell und vollständig wie möglich wieder. Die Muskelsteifheit ist ein zentrales Symptom der Erkrankung.

Der Konzern wertet nun den vollständigen Datensatz aus und will mit den Gesundheitsbehörden das weitere Vorgehen beraten. "Die Entwicklung von Therapien für eine komplexe Erkrankung wie DM1 bleibe eine Herausforderung, Rückschläge seien Teil des wissenschaftlichen Fortschritts", erklärte der medizinische Leiter von Novartis, Shreeram Aradhye.

Vertrauensverlust in die Zukaufstrategie

Del-Desiran war Teil der zwölf Milliarden Dollar schweren Übernahme von Avidity Biosciences. Analysten und Investoren werten das Ergebnis als schweren Schlag, der das Vertrauen in die Akquisitionsstrategie von Konzernchef Narasimhan erschüttert. "Novartis habe bei zwei von drei wichtigen Medikamentendaten in diesem Jahr die Erwartungen verfehlt", sagte James Eugene vom Novartis-Aktionär Verso Investment Management.

Ein positiver Ausgang der Del-Desiran-Studie sei zwingend nötig gewesen. Der Fehlschlag erschüttere nun das Vertrauen in die Zukaufstrategie, zumal die Erwartungen an das Mittel hoch gewesen seien. Mehrere Banken reagierten umgehend: Vontobel und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) senkten ihre Kursziele. Vontobel strich dabei einen erwarteten Spitzenumsatz von drei Milliarden Dollar für Del-Desiran komplett aus seinem Bewertungsmodell. Laut der ZKB belastet der Fehlschlag zudem das Vertrauen in die gesamte eingekaufte Technologieplattform.

Bereits zweiter Fehlschlag innerhalb weniger Tage

Die Nachricht folgt auf eine ähnliche Enttäuschung vom vergangenen Freitag. Das gemeinsam mit dem US-Partner Ionis Pharmaceuticals entwickelte Cholesterinmedikament Pelacarsen konnte in einer entscheidenden klinischen Studie das Risiko schwerer Herzinfarkte und Schlaganfälle nicht wie erhofft senken. Investoren hatten darauf gesetzt, dass Del-Desiran, Pelacarsen und das Multiple-Sklerose-Mittel Remibrutinib das Wachstum des Konzerns antreiben würden.

"Von Remibrutinib hängt viel ab, und der Druck, dass es liefert, ist nun größer", sagte Investor Eugene. Konzernchef Narasimhan hatte sich nach der Abspaltung des Generikageschäfts auf den Umbau der Pipeline konzentriert, um Novartis gegen den laut eigenen Worten bedeutendsten Patentablauf seiner Geschichte zu wappnen.

Trotz der Rückschläge bekräftigte der Konzern sein Ziel, den Umsatz von 2025 bis 2030 im Durchschnitt um fünf bis sechs Prozent pro Jahr zu steigern. Ob dieses Ziel angesichts der gescheiterten Hoffnungsträger noch realistisch ist, bleibt abzuwarten.

Auswirkungen auf die gesamte Branche

Der Fehlschlag von Novartis zog auch andere Pharmafirmen in Mitleidenschaft, die an Medikamenten gegen die Muskelerkrankung arbeiten. Die Aktien der US-Unternehmen Sarepta Therapeutics und Dyne Therapeutics gaben vorbörslich zweistellig nach. Analysten zufolge steigen durch den Rückschlag bei den Schweizern nun auch die Risiken für die Studien der Konkurrenten.

Für Anleger bleibt die Situation angespannt. Die Novartis-Aktie hat mit dem Kurssturz massiv an Wert verloren, und die Unsicherheit über die künftige Pipeline des Konzerns ist groß. Der Fokus richtet sich nun auf Remibrutinib, den letzten verbliebenen Hoffnungsträger unter den drei großen Kandidaten. Sollte auch dieses Mittel enttäuschen, dürfte der Druck auf Konzernchef Narasimhan weiter steigen.

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