KI-Gipfel: Trumps Anti-Regulierungskurs spielt China in die Karten
Trump setzt auf Beschleunigung statt Regulierung – und gefährdet damit Amerikas Vorsprung bei KI.

Wenn Donald Trump nächste Woche Xi Jinping zum Staatsdinner empfängt, wird die Gästeliste mehr über seine KI-Politik verraten als jedes offizielle Kommuniqué. Nvidia-Chef Jensen Huang, OpenAI-Chef Sam Altman und Elon Musk werden erwartet – Anthropic-Chef Dario Amodei dagegen nicht. Der Grund: Amodei fordert Regulierung seiner Branche und gilt im Trump-Umfeld als zu „woke". Huang hingegen spricht sich gegen Regulierung aus und ist ein Verbündeter von Trumps beschleunigungsfreudigem Kurs.
Die Wahl hat wenig mit Xis Empfindlichkeiten zu tun, sondern alles mit der „Kremlinologie" der Trump-Administration. Der Präsident hat klargestellt, dass er Bedenken hinsichtlich der Künstlichen Intelligenz als „Trick" betrachtet – ein Wort, das er sonst für Dinge reserviert, die ihn obsessiv beschäftigen, wie den „Russia-Trick" oder den „Epstein-Trick".
Trumps Botschaft an China
Ob beabsichtigt oder nicht, Trump scheint damit sicherzustellen, dass aus dem Gipfeltreffen zwischen den USA und China zur KI nichts Wesentliches hervorgehen wird. „Es läuft eine KRANKE Verschwörung gegen KI und Rechenzentren, und nur China freut sich darüber", postete Trump auf Truth Social. Diese antiregulatorische Überzeugung untermauert Chinas Ansicht, dass die USA KI immer als Nullsummenspiel behandeln werden.
Dabei hatte Trump im Mai auf seinem Gipfeltreffen mit Xi in Peking noch gesagt, dass KI nun auf ihrer bilateralen Agenda stehe. Beim nächsten Treffen sollten die beiden Führer „Guardrails" diskutieren. Diese Zusage bot einen beruhigenden Hoffnungsschimmer – doch inzwischen behauptet Trump, solche Schutzmaßnahmen würden die USA nur zurückhalten.
Der schwindende Vorsprung
Niemand kann eine präzise Zahl für den angeblichen KI-Vorsprung Amerikas gegenüber China nennen. Insider sprechen von sechs bis 18 Monaten, selten mehr. In einigen Bereichen ist China bereits vorne. Die Mehrheit der weltweiten KI-Token-Nutzung stammt inzwischen von kostenlosen chinesischen Modellen, nicht von den zunehmend teuren US-Modellen.
Wenn es ein technologisches Großspiel zwischen den USA und China im Globalen Süden gibt, laufen die USA aktuell deutlich hinterher. Der umsichtige Ansatz wäre eine intensive US-China-Diskussion über KI in vielen Feldern – doch aufgrund kommerzieller Sensibilitäten, insbesondere der Praxis der sogenannten „Distillation", bei der chinesische Plattformen US-Modelle nutzen, um ihre eigenen zu trainieren, würden solche Gespräche Zeit brauchen, um Vertrauen aufzubauen.
Die paradoxe Debatte
Beide Seiten der US-Debatte landen für chinesisches Ohr am selben Punkt. Die sogenannten Rationalisten wollen den schmal werdenden KI-Vorsprung Amerikas gegenüber China wahren, während sie Guardrails für alle setzen. Die Accelerationisten betonen, dass jede Form der US-Regierungsaufsicht den Vorsprung an China abgeben würde.
Julian Gewirtz, ein ehemaliger Biden-Beamter, argumentiert: „China wird amerikanische Aufrufe zur Zurückhaltung kaum ernst nehmen, es sei denn, die Vereinigten Staaten sind bereit, sich selbst zurückzuhalten. Amerikas wichtigste Verhandlungsposition könnten die KI-Regeln sein, die es zu Hause annimmt."
Ausblick auf den Gipfel
US-Finanzminister Scott Bessent und sein chinesisches Pendant He Lifeng werden am Sonntag in New York definitiv über KI sprechen. Doch die Erwartungen sind niedrig. Ein KI-Modell befragt nach den Aussichten für einen großen durchsetzbaren KI-Deal, antwortete: „erscheint begrenzt". Selbst das sei noch zu optimistisch, kommentiert ein Beobachter.
Das Meiste, was von dem Gipfel zu erwarten sei, sei eine vage Erklärung, die über zukünftige Zusammenarbeit spricht. Konkrete Ergebnisse oder gar verbindliche Vereinbarungen scheinen in weiter Ferne – während China seinen Vorsprung in der globalen KI-Nutzung kontinuierlich ausbaut.
