KI-Gewinnverteilung wird Inflation prägen, warnt EZB-Direktor Panetta
EZB-Direktor Fabio Panetta warnt: Verteilung der KI-Gewinne entscheidet über künftige Inflation.

EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta hat die Notenbanken dazu aufgerufen, die Verteilung der durch künstliche Intelligenz erzielten Gewinne genau zu analysieren. Auf einer Veranstaltung der Nationalbank der Ukraine in Mailand betonte der zugleich als Gouverneur der Bank von Italien amtierende Währungshüter, dass die Verteilung dieser Gewinne maßgeblich die aggregierte Nachfrage und damit die Inflation beeinflussen werde.
KI werde Produktivität und Wachstum, Arbeits- und Finanzmärkte sowie Zahlungssysteme grundlegend transformieren, so Panetta. Die Zentralbanken müssten verstehen, wer von den durch künstliche Intelligenz getriebenen Gewinnen profitiert, da deren Verteilung die künftige Preisentwicklung prägen werde.
Zwei Szenarien für die Inflationswirkung
Panetta skizzierte zwei mögliche Entwicklungspfade mit gegensätzlichen Auswirkungen auf die Inflation. Falls die KI vor allem neue Aufgaben schaffe und das erwartete Arbeitseinkommen steigere, könnte die Nachfrage ansteigen, bevor die vollständigen produktivitätssteigernden Effekte der KI wirksam würden. Dies würde die inflationären Druckfaktoren verlängern.
Sollte hingegen die Automatisierung dominieren, könnten schwächere Konsumausgaben dazu führen, dass die deflationären Effekte der KI früher zum Tragen kämen. Die Richtung der Inflationswirkung hängt demnach entscheidend davon ab, ob KI eher als Arbeitsergänzung oder als Arbeitsersatz wirkt.
Glaubwürdigkeit als zentrales Gut
Panetta betonte zudem die Bedeutung der Glaubwürdigkeit für Zentralbanken. Diese sei ein essentielles Gut jeder Notenbank, doch wie sie aufgebaut und erhalten werde, hänge von der Art der zu bewältigenden Herausforderungen ab. Die Zentralbanken könnten nicht an den Rande stehen bleiben, sagte Panetta. Das Verständnis der laufenden Veränderungen werde für die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken zunehmend unerlässlich.
Bedeutung für die Geldpolitik
Die Aussagen Panettas sind vor dem Hintergrund der aktuellen geldpolitischen Debatte im Euroraum zu sehen. Die EZB hatte zuletzt angesichts rückläufiger Inflationsraten ihre Leitzinsen gesenkt, steht aber weiterhin vor der Herausforderung, die Preisstabilität zu sichern. Die Auswirkungen der KI-Revolution auf Produktivität, Arbeitsmarkt und Nachfrage stellen dabei eine neue Variable dar, die es in den geldpolitischen Modellen zu berücksichtigen gilt.
Panettas Warnung unterstreicht, dass die Notenbanken die technologische Transformation nicht nur beobachten, sondern aktiv verstehen müssen, um ihre geldpolitischen Instrumente angemessen ausrichten zu können. Die Verteilung der KI-Gewinne zwischen Kapital und Arbeit wird dabei zum entscheidenden Faktor für die künftige Inflationsdynamik.
