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Kevin Warsh definiert neuen Handlungsstandard für die Fed-Politik

Der Fed-Vorsitzende setzt auf Transparenz und klare Inflationskriterien für künftige Zinsentscheidungen.

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Kevin Warsh definiert neuen Handlungsstandard für die Fed-Politik

Die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh gewinnt an Kontur. Nach seiner dritten Pressekonferenz und vierten großen öffentlichen Auftritt zeichnet sich ein klareres Bild davon ab, wie der Fed-Chef kommuniziert und welche geldpolitischen Prinzipien er verfolgt. Im Zentrum steht ein sogenannter „Handlungsstandard“, den Warsh erstmals in Jackson Hole erläuterte und nun erneut bekräftigte.

„Wir müssen sicher sein, dass die zugrunde liegende Inflation deutlich und mit ausreichender Geschwindigkeit auf unser Ziel zusteuert“, sagte Warsh. Dieser Satz enthält bewusst Interpretationsspielraum, doch der Fed-Vorsitzende lieferte inzwischen nützliche Details, die den Marktteilnehmern Orientierung geben.

Die konkreten Kriterien der Fed

Das Inflationsziel der Notenbank liegt bei einer PCE-Teuerungsrate von 2,0 Prozent. Die „zugrunde liegende“ Inflation wird maßgeblich anhand der Verbreitung der Preissteigerungen gemessen – also der Anzahl von Produkt- und Dienstleistungskategorien, in denen die Teuerung deutlich über 2 Prozent liegt. In der Praxis bedeutet „deutlich“ offenbar Werte ab 3 Prozent.

Wichtig: Die Betrachtung der zugrunde liegenden Inflation bedeutet nicht, dass Angebotsschocks einfach ignoriert werden – unabhängig davon, ob sie durch Zölle oder geopolitische Konflikte ausgelöst werden. Die Fed muss sicherstellen, dass sich beispielsweise hohe Ölpreisinflation nicht auf andere Preise überträgt.

Als wichtige Indikatoren dienen zudem marktbasierte Maßnahmen der Inflationskompensation und der Inflationserwartungen. Märkte gelten als gute Barometer für Inflationsdruck. Die „Bewegung“ hin zum Ziel wird im Sinne nachhaltiger Trends verstanden, nicht aufgrund einzelner Datenpunkte.

Einstimmige Zinsentscheidung als starkes Signal

Die jüngste Zinserhöhung erfolgte einstimmig – ein wichtiges Signal an die Märkte. Eine halbherzige Zinserhöhung hätte fast so unwirksam sein können wie gar keine. Offenbar gelang es Warsh, abweichlerische Ausschussmitglieder, darunter möglicherweise Christopher Waller, auf seine Seite zu ziehen. Dies stärkt seine Glaubwürdigkeit bei den Marktteilnehmern.

Allerdings ist nicht auszuschließen, dass ein hawkischer Ausschuss einen eher dovishen Fed-Vorsitzenden mitgezogen hat. Angesichts des Tons von Warsh' Rede in Jackson Hole erscheint dies jedoch unwahrscheinlich.

Marktreaktionen liefern Aufschluss

Die Reaktion der Finanzmärkte war aufschlussreich. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen stieg nach der Sitzung um bedeutende 13 Basispunkte. Zweifel an der Hawkishkeit der Fed werden damit herausgepresst. Noch interessanter war der Anstieg der zehnjährigen Rendite.

Dies deutet darauf hin, dass der größte Treiber für den jüngsten Anstieg der langfristigen Renditen nicht die Angst war, die Zentralbank könnte die Inflation außer Kontrolle geraten lassen. Wäre dies der Fall gewesen, hätte die zehnjährige Rendite nach einer derart hawkischen Sitzung fallen müssen. Stattdessen wurde der Anstieg hauptsächlich von der Erwartung getrieben, dass die Fed die Zinssätze erhöhen würde, um die Inflation zu stoppen – und diese Erwartung wurde so reichlich erfüllt, dass die Renditen weiter stiegen.

Warsh' Kommunikationsstil unterscheidet sich von Vorgänger Powell

Auf die Frage, ob die Finanzbedingungen nun restriktiv seien – also ob die Zinssätze über oder unter dem neutralen Niveau lägen – antwortete Warsh, dass das neutrale Zinsniveau ein akademisches Konzept sei, das nicht in die praktischen Überlegungen der Fed einfließe. Sein Vorgänger Jay Powell hätte möglicherweise eingeräumt, dass die Bedingungen leicht locker oder restriktiv seien, und daran erinnert, dass man das neutrale Zinsniveau nur „an seinen Werken“ erkenne.

Die Vorstellung, Warsh sei Donald Trumps Marionette, hat sich damit endgültig als unbegründet erwiesen. Warsh ist ein reicher Mann, und die Geschichte wird ihn anhand der wirtschaftlichen Leistung beurteilen. Trump ist zudem eine lame duck, die in zwei Jahren gehen wird, und hat bereits bewiesen, dass er bei einem Streit mit der Zentralbank eine langwierige und peinliche Niederlage erleiden kann.

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