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Kanada sucht Handelswege jenseits der USA – Carney setzt auf China

Premierminister Mark Carney treibt die Diversifizierung der kanadischen Handelsbeziehungen voran. Angesichts unberechenbarer US-Politik setzt Kanada verstärkt auf China und kleinere Handelsabkommen.

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Kanada sucht Handelswege jenseits der USA – Carney setzt auf China

Der kanadische Premierminister Mark Carney forciert eine neue globale Handelsstrategie, die Kanada unabhängiger von den Vereinigten Staaten machen soll. Der ehemalige Gouverneur der Bank of England und der Bank of Canada setzt dabei auf engere Zusammenarbeit mit China und den Abschluss kleinerer bilateraler Abkommen. Die Initiative gewinnt vor dem Hintergrund der zunehmend unvorhersehbaren Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump an Bedeutung.

Diversifizierung als strategische Notwendigkeit

Carney hatte die Wahlen im vergangenen Jahr mit dem Versprechen gewonnen, neue Wirtschaftsallianzen zu schmieden, um Kanadas wirtschaftliche Sicherheit angesichts von US-Zöllen und Annexionsdrohungen zu gewährleisten. Vor seiner Teilnahme am Weltwirtschaftsforum in Davos besuchte er als erster kanadischer Premierminister seit 2017 China und als erster überhaupt Katar. In Peking bezeichnete Carney China als berechenbareren Partner als die USA – eine bemerkenswerte Aussage, die den Kurswechsel unterstreicht.

Massive Abhängigkeit von den USA bleibt bestehen

Die Herausforderung ist gewaltig: Kanada exportiert derzeit fast 70 Prozent seiner Waren in die USA, während die EU nur etwas mehr als 20 Prozent ihrer Güterexporte dorthin tätigt. Experten von Export Development Canada rechnen vor: Um die US-Exporte um nur 10 Prozent zu senken, müsste Kanada seine Exporte nach China, Deutschland, Frankreich, Mexiko, Italien und Indien verdoppeln. Carney hat sich dennoch das ambitionierte Ziel gesetzt, die Nicht-US-Exporte innerhalb des nächsten Jahrzehnts zu verdoppeln.

Neue Handelsabkommen im Fokus

Kanada hat bereits konkrete Schritte unternommen: Kürzlich wurden Handelsabkommen mit Ecuador und Indonesien abgeschlossen sowie ein Investitionsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet. Handelsminister Maninder Sidhu kündigte an, dass sich Kanada als Nächstes auf die Philippinen, Thailand, den südamerikanischen Handelsblock Mercosur sowie Saudi-Arabien und Indien konzentrieren werde. Die Regierung wolle "so schnell wie möglich" Abschlüsse erzielen, nachdem Kanada bisher "normalerweise nur ein Handelsabkommen pro Jahr" unterzeichnet habe.

Warnung vor zu starker China-Abhängigkeit

Handelsexperten mahnen jedoch zur Vorsicht. William Pellerin von der Anwaltskanzlei McMillan warnte, dass eine zu schnelle und tiefe Integration mit China langfristige Stabilitätsprobleme schaffen könnte. Chinesische Hersteller seien theoretisch in der Lage, den kanadischen Markt über Nacht mit Gütern zu überschwemmen. Die Abhängigkeit von China als zweitgrößtem Handelspartner könnte somit neue Risiken bergen.

Realität zeigt langsamen Wandel

Offizielle Daten zeigen, dass Kanadas Exportanteil an den USA im Oktober auf den niedrigsten Stand außerhalb der COVID-19-Pandemiejahre fiel – die USA machten aber immer noch 67,3 Prozent aller Exporte aus. Bei Rohöl gehen sogar 90 Prozent der kanadischen Lieferungen in die USA. Ökonomen erwarten kurzfristig keine signifikante Reduzierung, da viele Unternehmen die Ergebnisse der Verhandlungen über das USMCA-Handelsabkommen abwarten.

Kanada als Brücke zwischen EU und Pazifikraum

Carney positioniert Kanada strategisch als Brückenfunktion zwischen der Europäischen Union und den Nationen des Pazifikraums. Außenministerin Anita Anand bekräftigte in Doha, Kanada werde in dieser volatilen Zeit "führend vorangehen" und Länder zusammenbringen. Der Premierminister kritisierte die Erosion multilateraler Beziehungen und plädierte für "plurilaterale Abkommen" zwischen einer kleineren Anzahl von Staaten als pragmatischen Weg zum Fortschritt.

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