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J.P. Morgan warnt: Stagflationsrisiken trotz robusten Wachstums im Blick behalten

James Sullivan von J.P. Morgan sieht Stagflationssignale selbst ohne deutliche Konjunkturabkühlung – ein Ölpreis über 100 Dollar wäre entscheidend.

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J.P. Morgan warnt: Stagflationsrisiken trotz robusten Wachstums im Blick behalten

Die US-Investmentbank J.P. Morgan sieht Anzeichen für Stagflationsrisiken – selbst dann, wenn sich die Wirtschaft nicht signifikant verlangsamt. James Sullivan, Managing Director und Co-Leiter der globalen Fundamentalanalyse bei J.P. Morgan, warnte im CNBC-Programm „Squawk Box Asia" davor, die Entwicklung zu unterschätzen. Bleibt der Ölpreis über einen längeren Zeitraum hinweg oberhalb von 100 US-Dollar pro Barrel, bestehe das Risiko, dass dies den Beginn einer Stagflationsphase markiert.

Entscheidend ist für Sullivan dabei nicht ein starker Einbruch des Wachstums. „Angemessene Niveaus des Wirtschaftswachstums in Kombination mit höheren Inflationsraten lösen diese Diskussion über Stagflation zum ersten Mal seit den 1970er Jahren wirklich aus", sagte er. Damit rückt ein Szenario in den Fokus, das lange als überwunden galt: eine Phase, in der die Preise steigen, das Wachstum aber nicht ausreichend anzieht.

Rekordemissionen und Defizite als Preistreiber

Nach Einschätzung von Sullivan werden die rekordhohen Emissionen in der KI-Branche sowie die zunehmenden Defizite auf Regierungsebene „auf jeden Fall Auswirkungen auf die Preisgestaltung haben". Besonders deutlich werde dies in einem Umfeld schwächerer Nachfrage. Der Experte verweist auf eine wachsende Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage.

Diese Verschiebung zeigt sich auch im Anlegerverhalten. „Immer mehr Investoren mit langfristiger Perspektive wenden sich eher dem Unternehmensbereich als dem staatlichen Sektor zu", sagte Sullivan. Für deutsche Anleger ist das ein wichtiger Hinweis: Die Nachfrage nach Unternehmensanleihen und -beteiligungen könnte weiter steigen, während Staatsanleihen an Attraktivität verlieren.

Zusätzlichen Druck auf die globale Wirtschaftsentwicklung sieht Sullivan durch die Auswirkungen von El Niño und den Konflikt im Nahen Osten. Beide Faktoren verschärfen die Unsicherheit über die künftige Preisentwicklung bei Rohstoffen und Lebensmitteln.

Zentralbanken und die zähe Kerninflation

Sullivan stellt einen Zusammenhang her zwischen den gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreisen und der Geldpolitik. „Einer der Gründe, warum wir einen der ersten koordinierten Zinsverschärfungszyklen der Zentralbanken seit vielen Jahren erlebt haben, wurde genau dadurch ausgelöst", sagte er. Die Notenbanken reagierten damit auf den Preisdruck an den Märkten.

Besonders problematisch bleibt aus seiner Sicht die Kerninflation. „Währenddessen war die Kerninflation relativ zäh, weshalb wir diese Entwicklung kurzfristig nicht unbedingt umkehren sehen", bemerkte Sullivan. Die Kerninflation blendet schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise aus und gilt deshalb als aussagekräftiger Indikator für den zugrunde liegenden Preisdruck.

Für Anleger bedeutet das eine anspruchsvolle Gemengelage. Einerseits stützt ein solides Wachstum die Unternehmensgewinne, andererseits drohen hartnäckig hohe Teuerungsraten die Notenbanken zu weiteren straffen Schritten zu zwingen. Die von Sullivan genannten Faktoren – Ölpreis, KI-Emissionen, Staatsdefizite, El Niño und der Nahost-Konflikt – bilden zusammen ein Bündel an Risiken, das die Märkte in den kommenden Monaten genau beobachten dürften.

Ob sich die Stagflationssorgen tatsächlich materialisieren, hängt aus Sicht von J.P. Morgan maßgeblich von der Entwicklung des Ölpreises ab. Ein dauerhaftes Niveau über 100 Dollar pro Barrel wäre demnach das entscheidende Warnsignal.

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