Japan-Börse auf Rekordhoch: Takaichis Wirtschaftskurs beflügelt Nikkei
Japans erste Premierministerin Sanae Takaichi sorgt für Euphorie an der Tokioter Börse. Der Nikkei-Index kletterte nach ihrem historischen Wahlsieg um 5,7 Prozent auf ein Allzeithoch von 57.337 Punkten. Ihre wirtschaftsfreundliche Agenda und die angekündi

Mit einer komfortablen Zweidrittelmehrheit ausgestattet, kann Japans neue Regierungschefin Sanae Takaichi ihre wirtschaftspolitische Vision nun durchsetzen. Die nationalkonservative LDP feierte das beste Wahlergebnis ihrer Geschichte - und die Börse reagierte prompt mit Kursfeuerwerk.
Fokus auf Zukunftsindustrien und Halbleiter
Takaichis Wirtschaftsprogramm setzt klare Schwerpunkte: Die Förderung zukunftsträchtiger Industrien steht ganz oben auf der Agenda. "Sie will vor allem den Rüstungssektor und die gesamte High-Tech-Industrie im KI-Bereich stärken", erklärt Lilian Haag, Japan-Expertin bei der Fondsgesellschaft DWS. Besonders Halbleiterproduzenten und Hersteller von Produktionsanlagen für Chips dürften profitieren. Japan verfügt in diesem Segment über mehrere starke Unternehmen, die nun Rückenwind erhalten.
Für das hochverschuldete Land mit alternder Gesellschaft ist Wirtschaftswachstum existenziell. Japan weist unter allen Industrienationen die höchste Staatsschuldenlast im Verhältnis zum BIP auf - dennoch setzt Takaichi auf eine lockere Geldpolitik.
Geldpolitische Kehrtwende erwartet
Die Bank of Japan hatte im vergangenen Jahr drei Zinserhöhungen vorgenommen und den Leitzins auf 0,75 Prozent angehoben. Takaichi favorisiert jedoch eine expansivere Geldpolitik. "Sie bevorzugt eine lockere Geldpolitik, die den Yen schwach hält und dem Export hilft", so DWS-Expertin Haag. Diese Kombination aus Wirtschaftsförderung und geldpolitischer Lockerung kommt bei Investoren gut an.
Der Yen legte nach der Wahl gegenüber dem Dollar leicht zu. Aus Sicht der Finanzmärkte ist ein ausgewogenes Währungsverhältnis entscheidend. "Der Yen hatte bereits im Vorfeld abgewertet, in Erwartung neuer Schuldenaufnahmen", erklärt Haag. Das japanische Finanzministerium sieht einen Wechselkurs über 160 Yen pro Dollar kritisch.
Importkosten im Fokus
Ein zu schwacher Yen verteuert Japans massive Importe erheblich. "Japan muss viele Rohstoffe, Grundgüter und Energie importieren. Bei einer schwachen Währung werden diese Importe richtig teuer", warnt Haag. Zudem könnte ein zu schwacher Yen die Handelsbeziehungen mit den USA belasten, wenn japanische Waren dort immer günstiger werden.
Politisch gilt Takaichi als enge Verbündete von US-Präsident Donald Trump. "Sie ist ein bisschen die asiatische Meloni", charakterisiert Haag die neue Premierministerin. Ihr pragmatischer Regierungsstil zeichnet sich durch intensive Kommunikation mit allen Beteiligten aus, insbesondere mit dem Finanzministerium.
Anleihemärkte als kritischer Faktor
Die eigentliche Opposition für Takaichis Ausgabenpläne sitzt an den Anleihe- und Währungsmärkten. Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, betont die Bedeutung der Anleihemarkt-Reaktionen: "Wenn die Staatsausgaben deutlich steigen, kann das zu höherer Inflation führen. Anleger wollen dann eine Entschädigung gegen Inflationsrisiken."
Bei einer aktuellen Inflation von drei Prozent und einer Rendite 30-jähriger Staatsanleihen von vier Prozent liegt der Realzins bei einem Prozent. "Wenn die Sorge besteht, dass die Inflation weiter steigt, fordern Anleger einen Puffer - eine Risikoprämie", erklärt Walk. Diese Entwicklung spiegelt sich bereits in den Kursen wider.
Crash-Gefahr oder stabiles System?
Die Renditen langlaufender japanischer Staatsanleihen sind bereits deutlich gestiegen. "30-jährige Anleihen bei fast vier Prozent - das ist für Japan ein sehr hohes Niveau", warnt Chefvolkswirt Walk. Die Sorge: Ein möglicher Crash am Anleihemarkt, wenn Investoren nicht bereit sind, zusätzliche Staatsschulden zu finanzieren.
Japan-Expertin Haag sieht die Lage jedoch entspannter. Ein entscheidender Vorteil: Nur sieben Prozent der Staatsschulden werden von Ausländern gehalten. Die restlichen 93 Prozent teilen sich die Bank of Japan sowie japanische Rentenfonds und Versicherungen. "Das sind stille Halter dieser Staatsanleihen. Ein kompletter Marktkollaps ist nicht zu befürchten", beruhigt Haag.
Die Bank of Japan kann als Käufer letzter Instanz jederzeit eingreifen - allerdings um den Preis möglicherweise deutlich höherer Inflation in der Zukunft. Für Anleger bleibt der japanische Markt damit ein spannendes, aber auch risikobehaftetes Investment mit historischen Chancen.
