DSW-Chef Marc Tüngler: „Den Bürgern wurde jahrelang eingeredet, die Rente sei sicher“
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{ "title": "DSW-Chef warnt: „Die Rente ist nicht mehr sicher"", "lead": "Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), rechnet im Interview mit der deutschen Rentenpolitik ab. Seine Botschaft ist eindeutig: Wer heute nichts für die eigene Altersvorsorge tut, wird das bitter bereuen. Die Lösung sieht der Anlegervertreter vor allem am Kapitalmarkt.", "content": "Der demografische Wandel verschärft die Rentenkrise dramatisch. Auf immer weniger Einzahler kommen immer mehr Rentner – ein Teufelskreis, der sich kaum noch durchbrechen lässt. „Wer jetzt nichts für die eigene Rente tut, wird das bitter bereuen", warnt Marc Tüngler im Interview mit der WirtschaftsWoche.\n\n
Generationenkonflikt vorprogrammiert
\n\nBesonders die junge Generation wird zum Verlierer des Systems. Während heute bereits 120 Milliarden Euro jährlich aus Steuermitteln ins Rentensystem fließen, steigt der Druck kontinuierlich. Die Politik habe die Weichen seit 40 bis 50 Jahren nicht gestellt – auf Kosten der Jüngeren. „Wenn wir am Kurs festhalten und nichts tun, dann ist der Konflikt unausweichlich", so der DSW-Chef.\n\nDas Umlageverfahren allein funktioniere nicht mehr. Tüngler kritisiert scharf: „Den Bürgern wurde jahrelang eingeredet, die Rente sei sicher." Dieser Satz von Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm aus den 1980er Jahren habe fatal gewirkt und ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt.\n\n
Kapitalmärkte als Rettungsanker
\n\nDer Blick ins Ausland zeigt erfolgreiche Alternativen. Länder wie Schweden und Norwegen setzen seit Jahrzehnten auf Kapitalmärkte für die Altersvorsorge – mit großem Erfolg. „Wenn die Politik schon vor 40 Jahren auf die Kapitalmärkte gesetzt hätte, würden wir dieses Gespräch heute nicht führen", bedauert Tüngler.\n\nDie aktuellen Reformansätze der Bundesregierung bewertet er differenziert. Die geplante Frühstartrente, bei der sechsjährige Kinder monatlich zehn Euro vom Staat zum Investieren erhalten sollen, sei grundsätzlich positiv. Allerdings kritisiert er die Umsetzung: Nicht alle Kinder würden profitieren, und Eltern müssten aktiv werden – eine hohe Hürde bei mangelnder Finanzbildung.\n\n
Altersvorsorgedepot mit Schwächen
\n\nDas geplante Altersvorsorgedepot bezeichnet Tüngler als größeren Gamechanger. Der Vorteil: Erträge aus Zinsen und Dividenden bleiben bis zum Rentenbeginn steuerfrei, der Zinseszinseffekt kann voll ausgeschöpft werden. „Die Deutschen reagieren tendenziell sehr stark auf Steuervorteile", erklärt der Anlegervertreter.\n\nDoch auch hier gibt es einen Haken: Einzelaktien wie Rheinmetall oder Henkel sind ausgeschlossen, nur bestimmte staatlich vorgegebene Fonds sind erlaubt. Dies schade dem Standort Deutschland, da für viele mittelständische Unternehmen keine ETFs existierten.\n\n
Aktienrente bleibt Wunschdenken
\n\nDie von der FDP vorgeschlagene Aktienrente, bei der der Staat aktiv einen Kapitalstock bildet, hätte laut Tüngler den größten Effekt. Doch die Politik scheue die anfänglichen Kosten: „Wenn wir 2,5 Prozent der Rentenbeiträge herausnehmen und in einen Kapitalstock stecken, fehlen diese erst mal bei den laufenden Auszahlungen."\n\nDie Verschuldungsängste hält der DSW-Chef für übertrieben. Im Vergleich zu den USA und Japan erscheine Deutschlands Verschuldung moderat. Doch die Rentner als größte Wählergruppe will sich keine Partei verscherzen – ein politisches Dilemma.\n\n
Börsenrisiken überschaubar
\n\nDem Argument möglicher Börsencrashs begegnet Tüngler gelassen. Die Charts verschiedener Aktienindizes zeigten: Krisen wie 2000, 2008 oder während Corona wurden letztlich gut weggesteckt. „Der Börsencrash wird nicht 50 Jahre dauern", betont er. Bei langfristiger Ausrichtung seien Aktien für jüngere Anleger die richtige Wahl.\n\nSein Fazit fällt ernüchternd aus: In dieser Legislaturperiode werde die Aktienrente nicht kommen. Das Thema Rente werde seit Jahren wie eine heiße Kartoffel weitergereicht. Die aktuellen Fördermaßnahmen für Eigeninitiative seien zwar gut, reichten aber nicht aus. „Es hätte mit der Aktienrente eine nachhaltig positiv wirkende Lösung gegeben", bedauert Tüngler.", "summary": "DSW-Chef Marc Tüngler warnt vor der Rentenkrise und fordert einen stärkeren Fokus auf Kapitalmärkte. Die aktuellen Reformansätze wie Frühstartrente und Altersvorsorgedepot reichen seiner Ansicht nach nicht aus – nur eine echte Aktienrente könnte das System langfristig stabilisieren.", "seo_description": "DSW-Chef Tüngler warnt: Die Rente ist nicht mehr sicher. Warum nur Kapitalmärkte die Altersvorsorge retten können und welche Reformen jetzt nötig sind.", "keywords": ["Rente", "Altersvorsorge", "Aktienrente", "DSW", "Kapitalmärkte", "Generationenkapital", "Altersvorsorgedepot", "demografischer Wandel"], "tags": ["Altersvorsorge", "Rentenpolitik", "Kapitalmarkt"] }
