Irankrieg treibt Treibstoffpreise: Kroatische Fischer legen Boote still
Explodierende Treibstoffkosten infolge des Iran-Krieges bedrohen die kroatische Fischerei – und damit einen wichtigen Teil der Tourismuswirtschaft.

Der Fischereikapitän Dinko Cvjetojevic liegt mit seinem Boot im Hafen von Dubrovnik – und kommt nicht mehr raus. Tausende Kilometer östlich tobt der Krieg im Iran, doch seine Folgen spürt Cvjetojevic unmittelbar an der kroatischen Adriaküste. Die Treibstoffpreise sind seit Kriegsausbruch massiv gestiegen und machen den Betrieb seiner Fischerboote zunehmend unwirtschaftlich.
„Seit Beginn des Krieges im Nahen Osten ist der Treibstoffpreis dramatisch gestiegen. Dies führte zu einem massiven Anstieg unserer Kosten", sagt Cvjetojevic. „Früher machten die Treibstoffkosten etwa 40 bis 50 Prozent unserer Betriebskosten aus, doch mittlerweile haben sie 80 bis 90 Prozent erreicht." Diese Verschiebung macht eine rentable Fischerei unter normalen Bedingungen nahezu unmöglich.
Cvjetojevic hatte vorausschauend gehandelt und vor dem Preisanstieg noch Treibstoffvorräte angelegt. Diese Reserven ermöglichen es ihm vorerst, ein zweites Schiff in Betrieb zu halten. Doch die Zeit läuft ab: „Wenn diese Situation noch einen Monat anhält, werden wir den Betrieb wohl einstellen müssen. Das war's dann. Alles läuft darauf hinaus."
Kroatische Fischerei als Rückgrat der Tourismuswirtschaft
Die kommerzielle Fischerei ist ein kleiner, aber bedeutender Sektor an der kroatischen Küste. Sie beschäftigt mehrere tausend Menschen und versorgt Restaurants und Hotels während der touristischen Hochsaison mit frischem Fisch. Gerade jetzt, kurz vor dem Sommer, ist der Druck besonders groß.
Der Tourismus macht etwa ein Fünftel des kroatischen Bruttoinlandsprodukts aus. Sollten die Treibstoffpreise über den Sommer hinweg hoch bleiben, ist damit ein großer Teil der gesamten kroatischen Wirtschaft gefährdet. Die Fischerei ist dabei nur ein Glied in einer langen Kette – von der Küche bis zum Hotelrestaurant.
Cvjetojevic belieferte mit seinen Booten normalerweise Märkte von Dubrovnik bis Istrien, wobei ein Teil des Fangs nach Italien und Slowenien exportiert wurde. Inzwischen hat er seinen Betrieb deutlich verkleinert und verkauft seinen Fang nur noch lokal. Die Exportmärkte sind vorerst Geschichte.
Ölmarkt unter Druck – Spannungen halten an
Der Konflikt im Iran wirft seinen Schatten auf die globalen Energiemärkte. Berichte über einen möglichen Milliarden-Barrel-Schock in der Straße von Hormus, den Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC sowie anhaltende Spannungen trotz einer Waffenruhe sorgen für Unsicherheit an den Rohstoffmärkten. Analysten sprechen bereits von einem „Higher for Longer"-Szenario auch beim Öl.
Für Fischer wie Cvjetojevic sind das keine abstrakten Börsennachrichten, sondern existenzielle Bedrohungen. Die bevorstehende Sommersaison, die eigentlich die ertragreichste des Jahres sein sollte, könnte für viele kroatische Fischereibetriebe zur härtesten Probe werden – sofern sich die Lage an den Energiemärkten nicht rasch entspannt.
