US-Rohöl- und Benzinvorräte sinken deutlich stärker als erwartet
Die EIA meldet für die Woche zum 24. April massive Lagerrückgänge bei Rohöl und Benzin – Ölpreise legen daraufhin kräftig zu.

Die US-amerikanischen Rohölvorräte sind in der Woche zum 24. April um 6,2 Millionen Barrel auf 459,5 Millionen Barrel gesunken. Das teilte die Energy Information Administration (EIA) am Mittwoch mit. Der Rückgang fiel damit erheblich aus und sendete ein klares Signal an die Ölmärkte.
Besonders auffällig war der Einbruch bei den Benzinbeständen: Diese verringerten sich um 6,1 Millionen Barrel auf 222,3 Millionen Barrel. Analysten hatten in einer Reuters-Umfrage lediglich mit einem Rückgang von 2,1 Millionen Barrel gerechnet – der tatsächliche Rückgang übertraf die Erwartungen damit um das Dreifache. Auch die Bestände an Destillaten, zu denen unter anderem Diesel und Heizöl zählen, gingen in dieser Woche zurück.
Cushing-Lager und Raffinerieauslastung
Am wichtigen Auslieferungslager in Cushing, Oklahoma – dem zentralen Knotenpunkt für den US-Ölhandel – sanken die Rohölvorräte um 796.000 Barrel. Cushing gilt als Referenzpunkt für die Preisbildung von West Texas Intermediate (WTI) und ist daher ein viel beachteter Indikator für das Angebot am US-Ölmarkt.
Der Rohöldurchsatz der Raffinerien stieg im Berichtszeitraum um 84.000 Barrel pro Tag. Die Auslastungsrate der Raffinerien nahm im Wochenverlauf um 0,5 Prozentpunkte zu. Dies deutet auf eine gestiegene Nachfrage nach Raffinerieprodukten hin, was den Abbau der Lagerbestände zusätzlich erklärt.
Ölpreise reagieren mit deutlichen Aufschlägen
Die Öl-Futures legten nach Bekanntgabe der Bestandsdaten spürbar zu. Brent-Rohöl, der internationale Referenzpreis, notierte um 10:38 Uhr ET bei 116,85 US-Dollar pro Barrel – ein Plus von 5,59 US-Dollar. West Texas Intermediate (WTI), der US-amerikanische Leitindex für Rohöl, wurde bei 104,67 US-Dollar pro Barrel gehandelt, was einem Zuwachs von 4,74 US-Dollar entspricht.
Für deutsche Anleger und Verbraucher sind diese Entwicklungen am US-Ölmarkt von besonderer Relevanz, da die globalen Rohölpreise direkte Auswirkungen auf die Energiekosten und die Kraftstoffpreise in Deutschland haben. Steigende Rohölpreise schlagen sich in der Regel zeitverzögert an den Zapfsäulen nieder und beeinflussen zudem die Inflationsentwicklung in der Eurozone.
Die EIA-Bestandsdaten werden wöchentlich veröffentlicht und gelten als einer der wichtigsten Stimmungsindikatoren für den globalen Energiemarkt. Ein stärkerer Lagerabbau als erwartet signalisiert den Märkten in der Regel eine robuste Nachfrage oder ein eingeschränktes Angebot – beides wirkt preistreibend auf Rohöl-Futures.
