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Informa kauft Clarion für 2,24 Milliarden Pfund und spaltet Taylor & Francis ab

Informa übernimmt den B2B-Veranstalter Clarion von Blackstone und prüft die Abspaltung des Fachverlags Taylor & Francis.

• 5 Min
Informa kauft Clarion für 2,24 Milliarden Pfund und spaltet Taylor & Francis ab

Der britische Medien- und Veranstaltungskonzern Informa hat am Dienstag eine definitive Vereinbarung zur Übernahme des B2B-Veranstalters Clarion von Blackstone unterzeichnet. Der Unternehmenswert liegt bei 2,24 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 3 Milliarden US-Dollar. Parallel kündigte das Unternehmen an, eine formale Prüfung zur Abspaltung seiner Wissenschaftssparte Taylor & Francis einzuleiten.

Mit dem Zukauf steigt Informa nach eigener Darstellung zum führenden börsennotierten B2B-Veranstalter Großbritanniens auf. Gleichzeitig will der Konzern seinen Fokus auf das Veranstaltungsgeschäft schärfen und das akademische Publizieren in eine eigenständigere Struktur überführen. Die Transaktion gilt als bedeutende Konsolidierung im Veranstaltungssektor.

Die Ankündigung fiel in ein unruhiges Marktumfeld. Der FTSE 100 legte am Dienstag um 0,21 Prozent zu, während Anleger gemischte Konjunkturdaten und geopolitische Spannungen verarbeiteten. Die britische Bauaktivität schrumpfte im September weiter, allerdings verlangsamte sich der Rückgang: Der S&P Global PMI stieg auf 46,1 nach 44,3 im August. Neue Aufträge gingen jedoch so schnell zurück wie zuletzt im Juni. S&P Global nannte „geopolitische Spannungen und erhöhte Finanzierungskosten" als wesentliche Belastungsfaktoren.

Die Details

Der Kaufpreis für Clarion entspricht dem 11,1-Fachen des für 2027 erwarteten EBITDA. Sobald jährliche Kostensynergien von 50 Millionen Pfund realisiert sind, soll sich dieses Vielfache auf etwa das Neunfache verringern. Blackstone hatte Clarion im Jahr 2017 für 600 Millionen Pfund von Providence Equity Partners erworben.

Clarions Portfolio umfasst mehr als 100 B2B-Eventmarken. Dazu zählen die Rüstungsmesse DSEI, die Gaming-Veranstaltung ICE in Barcelona und die deutsche Consumer-Electronics-Messe IFA. Für 2027 erwartet Informa einen Umsatz von mehr als 575 Millionen Pfund bei bereinigten operativen Margen von über 30 Prozent.

Für die Aktionäre soll sich der Zukauf in einem mittleren einstelligen Prozentbereich positiv auf das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie im Jahr 2027 auswirken. Die Nachsteuer-Rendite auf das investierte Kapital soll bis 2029 über 10 Prozent steigen. Zusätzlich hat Informa ein Potenzial von weiteren 25 Millionen Pfund operativem Gewinn identifiziert, das aus Umsatzsynergien bis 2029 entstehen soll.

Finanziert wird die Transaktion über eine Kombination aus fest zugesagter Akquisitionsfinanzierung und einer Kapitalerhöhung von rund 940 Millionen Pfund. Diese Eigenkapitalkomponente entspricht etwa 9 Prozent des Grundkapitals und soll über eine institutionelle Platzierung sowie ein Angebot an Privatanleger abgewickelt werden. Im Gegenzug setzt Informa sein bestehendes Aktienrückkaufprogramm aus. Das Management erwartet, dass das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA zum Jahresende unter dem Dreifachen bleibt und bis Ende 2027 unter das 2,5-Fache sinken soll. Der Abschluss der Transaktion wird im vierten Quartal erwartet, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden.

Wesentlich ist zudem die Entscheidung, Taylor & Francis zu trennen. Mit einem Umsatz von annähernd einer Milliarde US-Dollar und einer jährlichen Wachstumsrate von rund 4 Prozent habe das akademische Publizieren eine Größe erreicht, die mehr Eigenständigkeit erfordere, so das Unternehmen. Konzernchef Stephen Carter erklärte: „With Taylor & Francis approaching $1bn in revenue, growing at 4%± and with its Open Research capabilities firmly established, we believe it will now benefit from greater flexibility and freedom through the next phase of its development, as Informa further expands the depth and reach of its B2B portfolio."

Informa hat dazu eine formale Trennungsprüfung gestartet. Die endgültige Entscheidung — ob ein Verkauf oder eine Abspaltung angestrebt wird — soll zusammen mit den Jahresergebnissen im März 2027 bekannt gegeben werden. Nach der Integration von Clarion soll das B2B-Veranstaltungsgeschäft Konzernumsätze von mehr als 6 Milliarden US-Dollar bei einem zugrunde liegenden Wachstum von etwa 7 Prozent erreichen.

Das Marktumfeld blieb unterdessen angespannt. Geopolitische Risiken blieben erhöht, nachdem Huthi-Angriffe auf saudische Infrastruktur, darunter Flughäfen in Jazan, Najran und Abha, Kritik von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach sich zogen. Sie warnte, solche Aktionen bedrohten die globale Energiesicherheit. Diese Spannungen trugen zu fallenden Energiepreisen bei: Brent-Rohöl verlor 2,64 Prozent auf 97,65 US-Dollar, WTI gab um 2,3 Prozent auf 87,38 US-Dollar nach. Gold-Futures legten dagegen rund 1 Prozent auf 4.197,45 US-Dollar je Unze zu, da Anleger Zuflucht in sicheren Häfen suchten. Zusätzlich reagierte der Markt auf einen Sicherheitsvorfall bei ASOS: Die Aktien fielen um 13 Prozent, nachdem Berichte über eine mögliche Datenpanne aufgekommen waren — ein Vorfall, der auch die Aktien von Snowflake belastete.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 29.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Forschungsabteilung von Goldman Sachs im Rahmen ihrer Konferenzen „European Communacopia" und „German Corporate" 19 Unternehmen aus den Bereichen Medien und Internet eingeladen und daraus sechs Aktien mit den positivsten zusätzlichen Signalen hervorgehoben hatte. Zu diesem Kreis gehörte neben Publicis, Scout24, JCDecaux, RELX und Auto Trader auch Informa. Die Auswahl basierte auf den Erkenntnissen aus den Unternehmensgesprächen und den daraus abgeleiteten Prognosen der Analysten.

Am 17.09.2026 meldete aktien.news, dass der FTSE 100 sich uneinheitlich zeigte: Steigende Inflationszahlen belasteten die Einzelhandelsaktien, während Bankentitel von verbesserten Margenaussichten profitierten. Der Blue-Chip-Index notierte damals leicht im Plus bei rund 10.700 Punkten.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Transaktion aus mehreren Gründen relevant. Erstens verändert die Kapitalerhöhung von rund 940 Millionen Pfund die Aktienanzahl spürbar: Wer Informa hält, muss eine Verwässerung von etwa 9 Prozent des Grundkapitals einkalkulieren, die durch die erwartete Ergebnissteigerung je Aktie ab 2027 teilweise kompensiert werden soll. Zweitens entfällt vorerst der Rückkauf eigener Aktien, der bislang eine Stütze der Aktienrendite war.

Drittens schafft die geplante Trennung von Taylor & Francis eine neue Struktur, über deren konkrete Ausgestaltung erst im März 2027 entschieden wird. Anleger erhalten damit ein Unternehmen, das sich stärker auf das zyklische, aber margenstarke Veranstaltungsgeschäft konzentriert. Die neue Verschuldungskennziffer bleibt laut Unternehmensangaben mit weniger als dem Dreifachen des EBITDA zum Jahresende unter der angepeilten Marke. Die Rendite auf das investierte Kapital soll erst ab 2029 über 10 Prozent liegen — ein Hinweis darauf, dass sich die Transaktion finanziell erst mittelfristig vollständig auszahlt. Dies ist eine Einordnung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Der Abschluss der Clarion-Übernahme wird im vierten Quartal erwartet und steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen. Die Entscheidung über einen Verkauf oder eine Abspaltung von Taylor & Francis soll zusammen mit den Jahresergebnissen im März 2027 fallen. Bis Ende 2027 soll die Nettoverschuldung unter dem 2,5-Fachen des EBITDA liegen. Zusätzliche Umsatzsynergien von 25 Millionen Pfund operativem Gewinn erwartet Informa bis 2029.

Kurz erklärt

  • B2B-Veranstalter: Ein Unternehmen, das Fachmessen und Konferenzen für Geschäftskunden ausrichtet und damit Eintritts- und Ausstellererlöse erzielt.
  • EBITDA: Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte — eine Kennzahl zur Beurteilung der operativen Ertragskraft.
  • Spin-off: Die Abspaltung eines Unternehmensteils, der anschließend als eigenständige börsennotierte Gesellschaft geführt wird.
  • Kapitalerhöhung durch Platzierung: Die Ausgabe neuer Aktien an institutionelle Investoren, um frisches Eigenkapital aufzunehmen.
  • Akquisitionsfinanzierung: Fest zugesagte Kreditlinien, die ein Unternehmen für die Bezahlung eines Zukaufs bereitstellt.
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