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Indiens Wirtschaft legt im September auf Drei-Monats-Hoch zu

PMI steigt auf 56,5 Punkte – stärkste Expansion seit Juni

4 Min
Indiens Wirtschaft legt im September auf Drei-Monats-Hoch zu

Die indische Wirtschaft hat im September an Fahrt gewonnen. Der HSBC-Flash-Index für den Composite Purchasing Managers' Index (PMI) stieg von 54,3 Punkten im August auf 56,5 Punkte – den höchsten Stand seit Juni. Damit übertraf der Wert die mediane Prognose der Reuters-Umfrage von 54,4 Punkten deutlich. Werte über 50 Punkten signalisieren Expansion.

Sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch der Dienstleistungssektor trugen zu dem Aufschwung bei. Allerdings dämpften ein schwächerer Exportimpuls und eine zurückhaltendere Neueinstellungspolitik das ansonsten optimistische Bild. Die Erholung kehrte zudem die breitere Verlangsamung des Quartals nicht um.

Basierend auf der vorläufigen September-Erhebung durchschnitt der Composite-Index im laufenden Quartal bei 55,1 Punkten. Das entspricht einem Rückgang von 58,2 Punkten im Zeitraum April-Juni. Dies deutet auf ein weicheres Wachstum in Asiens drittgrößter Volkswirtschaft hin, nachdem es im Vorquartal zu einem die Erwartungen übertreffenden Wachstum von 7,8 Prozent gekommen war.

Die Details

Der PMI für das verarbeitende Gewerbe kletterte von 52,8 auf 55,57 Punkte – seinen höchsten Stand seit sieben Monaten. Produktion und neue Aufträge wuchsen schneller. Die Güterproduzenten nahmen nach einer marginalen Reduzierung im August die Neueinstellungen wieder auf.

Der Dienstleistungsindex stieg von 54,1 auf 55,8 Punkte. Allerdings stiegen die neuen Exporte mit der langsamsten Rate seit 33 Monaten. Ein moderater Anstieg der Exporte im verarbeitenden Gewerbe glich dies nicht aus, sodass das gesamte Exportwachstum nach unten gezogen wurde. Auch die Neueinstellungen im Dienstleistungssektor verloren an Dynamik.

Die allgemeine Input-Kosten-Inflation sank auf ihr niedrigstes Niveau seit Januar, getrieben durch den Dienstleistungssektor. Dies verschaffte den Unternehmen etwas Erleichterung. Die Inflation der Verkaufspreise blieb jedoch weitgehend unverändert, was darauf hindeutet, dass die Verbraucher kaum Entlastung von steigenden Preisen sahen. Der Geschäftsoptimismus für das kommende Jahr stieg auf ein Vier-Monats-Hoch.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 23.01.2026 berichtete aktien.news, dass die indische Wirtschaft im Januar einen kräftigen Aufschwung erlebt hatte. Der Composite-PMI war damals auf 59,5 Punkte gestiegen, nach einem Elf-Monats-Tief von 57,8 Punkten im Dezember. Analysten hatten lediglich 58,0 Punkte erwartet. Der Aufschwung wurde vor allem durch eine deutlich gestiegene Auftragslage befeuert.

Am 04.05.2026 meldete aktien.news, dass Indiens Industriesektor im April eine leichte Erholung verzeichnete, jedoch weiterhin mit schwacher Nachfrage und stark steigenden Kosten kämpfte. Der Industrie-PMI stieg von 53,9 Punkten im März auf 54,7 Punkte im April, blieb aber deutlich unter der vorläufigen Schätzung von 55,9 Punkten.

Am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass das Wachstum im indischen Dienstleistungssektor im Juli auf den schwächsten Stand seit über vier Jahren gefallen war. Der Services-PMI sank von 57,4 Punkten im Juni auf 53,3 Punkte im Juli. Als Hauptursachen nannte die Umfrage intensiveren Wettbewerb sowie eine nachlassende Nachfragedynamik.

Der nun gemeldete Anstieg des Composite-PMI auf 56,5 Punkte im September zeigt eine Erholung gegenüber dem schwachen Sommer, bleibt aber deutlich unter den Werten vom Jahresanfang.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die in indische Aktien oder Indien-ETFs investiert sind, liefern die PMI-Daten ein gemischtes Signal. Einerseits zeigt der Anstieg auf 56,5 Punkte, dass die Konjunktur im September wieder an Dynamik gewonnen hat. Die Expansion sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor spricht für eine breite Erholung.

Andererseits fällt der Quartalsdurchschnitt von 55,1 Punkten deutlich schwächer aus als der Wert von 58,2 Punkten im Vorquartal. Dies bestätigt den Abwärtstrend, der sich bereits im Juli im Dienstleistungssektor abgezeichnet hatte. Die schwächeren Exporte und die nachlassende Einstellungsdynamik sind Warnsignale.

Positiv zu werten ist der Rückgang der Input-Kosten-Inflation auf das niedrigste Niveau seit Januar, was die Margen der Unternehmen entlasten dürfte. Der gestiegene Geschäftsoptimismus auf ein Vier-Monats-Hoch spricht ebenfalls für eine positive Grundstimmung in der indischen Wirtschaft.

Anleger sollten die weitere Entwicklung der Exportzahlen und der Beschäftigungsdynamik im Auge behalten, da diese Bereiche aktuell die größten Risiken für die indische Konjunktur darstellen.

Ausblick

Der Geschäftsoptimismus für das kommende Jahr ist auf ein Vier-Monats-Hoch gestiegen, was auf eine positive Erwartungshaltung der Unternehmen hindeutet. Allerdings bleibt abzuwarten, ob sich die Erholung im September als nachhaltig erweist oder ob es sich um eine temporäre Gegenbewegung handelt.

Die weitere Entwicklung der Exporte wird entscheidend sein: Die neuen Exporte im Dienstleistungssektor wuchsen mit der langsamsten Rate seit 33 Monaten. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte dies die Gesamtwirtschaft weiter belasten.

Die indische Notenbank und die Regierung in Neu-Delhi dürften die anstehenden PMI-Daten für Oktober und November genau beobachten, um zu beurteilen, ob sich die Konjunktur stabilisiert oder ob weitere Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft erforderlich sind.

Kurz erklärt

  • PMI (Purchasing Managers' Index): Ein Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität, der auf monatlichen Umfragen unter Einkaufsmanagern basiert. Werte über 50 Punkten signalisieren Expansion, Werte darunter Kontraktion.
  • Composite-PMI: Ein zusammengesetzter Index, der sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch den Dienstleistungssektor abbildet und somit ein umfassendes Bild der gesamten Privatwirtschaft liefert.
  • Flash-Index: Eine vorläufige Schätzung des PMI, die auf einem Teil der endgültigen Umfragedaten basiert und früher als der endgültige Wert veröffentlicht wird.
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