Ikea-Umsatz sinkt um 2 Prozent: Konzern senkt die Preise
Inter Ikea meldet 43,8 Milliarden Euro Umsatz und investiert 1,2 Milliarden Euro in dauerhaft niedrigere Preise.

Der Umsatz des Möbelkonzerns Ikea ist im vergangenen Geschäftsjahr gesunken. Wie der Markeninhaber Inter Ikea am Freitag mitteilte, ging der Einzelhandelsumsatz der Gruppe in ihren 519 globalen Filialen im Geschäftsjahr bis Ende August um 2 Prozent auf 43,8 Milliarden Euro zurück. Die schwache Entwicklung in China und dem Nahen Osten habe das Wachstum in Europa und Lateinamerika überkompensiert.
Für Jakub Jankowski, Chief Executive Officer (CEO) von Inter Ikea, war das Jahr entsprechend anstrengend. „Es war ein herausforderndes Jahr für uns. . . Es ist möglich, dass auch dieses Jahr herausfordernd wird. Der Markt ist nicht einfach“, sagte er der Financial Times. Der Konzern rechnet damit, dass schwaches Verbrauchervertrauen und geopolitische Turbulenzen die Umsätze auch 2027 belasten werden.
Das Geschäft von Ikea ist seit der Covid-19-Pandemie volatil. Probleme in den Lieferketten und ein schwächer werdendes Umfeld für die Konsumausgaben haben das Geschäft mit flach verpackten Möbeln beeinträchtigt. Ikea gilt als der weltweit größte Möbelhändler.
Inter Ikea meldet 25,9 Milliarden Euro Umsatz und 1,4 Milliarden Euro Nettogewinn
Inter Ikea, dem die Marke und das Konzept des Einzelhandelsimperiums gehören, meldete für das vergangene Jahr einen Rückgang der eigenen Umsätze um 2 Prozent auf 25,9 Milliarden Euro. Der Nettogewinn des Unternehmens sank um 7 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Damit fällt die Entwicklung auf beiden Kennzahlen negativ aus.
Das zweite Standbein des Imperiums ist Ingka, die Gruppe, die 90 Prozent des Einzelhandelsumsatzes von Ikea generiert. Ingka wird in diesem Monat seine Ergebnisse vorlegen. Bis dahin bleibt offen, wie sich die Profitabilität des größten Teils des Filialgeschäfts entwickelt hat.
Ikea senkt die Preise für mehr als 1.000 Produkte
Als Reaktion auf die schwache Nachfrage hat Ikea im September die Preise für mehr als 1.000 Produkte gesenkt. Die Maßnahme ist Teil einer Investition von 1,2 Milliarden Euro, die den Absatz ankurbeln soll. Es ist bereits der zweite Versuch innerhalb der vergangenen vier Jahre, mit einer solchen Strategie Wachstum zu erzeugen.
Nachdem die Pandemie die Versandkosten erhöht und die Preise nach oben getrieben hatte, senkte Ikea seinen durchschnittlichen Verkaufspreis bereits im Jahr 2023. Dieser Schritt schürzte zunächst die Umsätze und halbierte die Profitabilität des Konzerns. Die Erfahrung zeigt also, dass Preissenkungen kurzfristig teuer werden können.
Jankowski erklärte am Freitag, die Preissenkungen von 15 bis 25 Prozent bei beliebten Produkten wie den Billy-Bücherregalen und den Kallax-Aufbewahrungseinheiten in mehr als 20 europäischen Ländern seien Teil eines langfristigen Engagements des niederländischen Händlers für Erschwinglichkeit. Dieses Engagement werde Jahre dauern. „Erschwinglicher zu sein, ist kein Ein-Jahres-Projekt. Es ist ein längerer Prozess für uns, und dann müssen wir härter arbeiten, um die Räder ins Rollen zu bringen“, fügte er hinzu.
Zwei gemeinnützige Stiftungen kontrollieren das Ikea-Imperium
Das weit verzweigte Einzelhandelsimperium von Ikea wird von zwei gemeinnützigen Stiftungen kontrolliert, die ihren Sitz in den Niederlanden und in Liechtenstein haben. Diese Struktur ermöglicht es den Managern, kurzfristige Trends zu ignorieren und einigen Druckfaktoren zu entgehen, denen ein börsennotiertes Unternehmen ausgesetzt wäre. Zugleich erlaubt sie dem Konzern, bei Bedarf stark zu investieren.
Ikea eröffnet kleinere Filialen in den Stadtzentren
Im letzten Geschäftsjahr eröffnete Ikea etwa 90 kleinere Filialen. Jankowski sagte, er hoffe, dass die Zahl für 2026/27 um 50 Prozent höher liegen werde, da der Händler für Kunden zugänglicher werden wolle. Der CEO begründete dies damit, dass immer mehr Kunden kein Auto oder sogar keinen Führerschein hätten, was die traditionellen Lagerhäuser am Stadtrand unattraktiv mache.
Stattdessen eröffnet das Unternehmen kleinere Filialen in Stadtzentren, um mehr gelegentliche Kunden zu erreichen. Jankowski sagte, Ikea müsse die Saisonalität und die Relevanz seiner Produkte verbessern, da einige Kunden diese Stadtzentralfilialen häufiger besuchen und eine Aktualisierung des Angebots wünschten.
Die deutsche Möbelbranche verlor 2025 deutlich an Umsatz
Bereits am 21.01.2026 berichtete aktien.news, dass die deutsche Möbelbranche in der Krise steckt: Im ersten Dreivierteljahr 2025 sank der Branchenumsatz um 4,3 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro, für das Gesamtjahr prognostizierte der Verband der Deutschen Möbelindustrie einen Rückgang auf knapp 16 Milliarden Euro – das niedrigste Niveau seit 2010. Als bemerkenswerte Ausnahme galt damals der dänische Möbelhändler Jysk, der im Geschäftsjahr 2024/25 seinen Deutschland-Umsatz um über fünf Prozent auf fast 1,3 Milliarden Euro steigerte und global um 11,8 Prozent auf rund 6,2 Milliarden Euro wuchs.
Auch die allgemeine Einzelhandelslage blieb schwach. Am 27.03.2026 berichtete aktien.news, dass die britischen Einzelhandelsumsätze im Februar 2026 um 0,4 Prozent sanken – deutlich weniger stark als von Ökonomen erwartet, die einen Rückgang von 0,7 Prozent prognostiziert hatten. Die Zahlen spiegelten jedoch noch nicht die vollen Auswirkungen des Iran-Krieges wider, der die Verbraucherstimmung belastete; die US-israelischen Angriffe auf den Iran hatten die Ölpreise um rund 50 Prozent in die Höhe getrieben.
Zwei weitere Archivberichte zeigen, wie stark geopolitische Spannungen internationale Geschäfte belasten. Am 16.09.2026 meldete aktien.news, dass der Umsatz von PwC UK erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten sank – um drei Prozent auf 6,2 Milliarden Britische Pfund, vor allem wegen eines Einbruchs im Beratungsgeschäft im Nahen Osten, das um 15 Prozent auf 1,7 Milliarden Britische Pfund schrumpfte. Am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass der Eigentümer von Poundland, der Turnaround-Investor Gordon Brothers, von potenziellen Käufern eine Zahlung von 30 Millionen Pfund Sterling für die schwächelnde Discountkette verlangt.
Für deutsche Privatanleger bleibt Ikea ein nicht börsennotierter Sonderfall
Anders als viele Wettbewerber ist Ikea nicht an der Börse gelistet. Die Kontrolle durch zwei gemeinnützige Stiftungen in den Niederlanden und Liechtenstein bedeutet, dass Anleger nicht direkt an der Entwicklung des Möbelkonzerns partizipieren können. Wer in der Branche investiert ist, muss die Zahlen von Ikea daher als Indikator für die Verfassung des europäischen Möbel- und Einzelhandels lesen.
Die vorgelegten Zahlen liefern dafür gemischte Signale: Der Umsatzrückgang von 2 Prozent fiel moderat aus, der Gewinnrückgang von 7 Prozent bei Inter Ikea zeigt jedoch, dass Preissenkungen die Margen belasten. Die Erfahrung aus dem Jahr 2023, als eine Preissenkung die Profitabilität halbierte, ist für die Bewertung der aktuellen Strategie relevant. Für Anleger in Möbel- und Einzelhandelswerten bleibt die zentrale Frage, ob sich der Absatz durch niedrigere Preise tatsächlich nachhaltig steigern lässt.
Inter Ikea erwartet auch 2027 ein schwieriges Marktumfeld
Der Konzern selbst gibt keinen optimistischen Ausblick. Schwaches Verbrauchervertrauen und geopolitische Turbulenzen dürften die Umsätze auch 2027 belasten, teilte Inter Ikea mit. Jankowski betonte zugleich, dass die Preissenkungen kein kurzfristiges Projekt seien, sondern ein längerer Prozess.
Konkrete Pläne gibt es beim Filialnetz: Nach rund 90 kleineren Eröffnungen im vergangenen Geschäftsjahr hofft der CEO, dass die Zahl der Neueröffnungen für 2026/27 um 50 Prozent höher ausfällt. Zudem will Ikea die Saisonalität und Relevanz seines Sortiments verbessern. Ein weiterer Termin steht bereits fest: Ingka, die 90 Prozent des Einzelhandelsumsatzes generiert, wird in diesem Monat seine Ergebnisse vorlegen.
Drei Fachbegriffe erleichtern die Einordnung der Ikea-Zahlen
- Einzelhandelsumsatz: der Umsatz, den ein Händler mit dem Verkauf von Waren an Endkunden in seinen Filialen erzielt.
- Nettogewinn: der Gewinn eines Unternehmens nach Abzug aller Kosten, Zinsen und Steuern.
- Verbrauchervertrauen: ein Stimmungsindikator dafür, wie zuversichtlich Haushalte ihre wirtschaftliche Lage und ihre Ausgabenbereitschaft einschätzen.
