Visa rechnet mit 4,5 Prozent mehr US-Umsatz im Weihnachtsgeschäft
Die Visa-Prognose markiert das stärkste Wachstum seit 2021, gestützt von Einkommenswachstum und hohem Haushaltsvermögen.

Die US-amerikanischen Einzelhandelsumsätze im Weihnachtsgeschäft sollen in den letzten zwei Monaten des Jahres 2026 um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Das geht aus Untersuchungen von Visa's Business and Economics Insights hervor, über die Reuters am 5. November berichtet. Damit wäre es das stärkste Wachstum seit 2021.
Die Prognose lässt nach Angaben der Studie auf eine anhaltende Widerstandsfähigkeit der Verbraucher schließen. Als Stützen nennt Visa solides Einkommenswachstum und ein hohes Haushaltsvermögen. Die hohe Inflation werde jedoch weiterhin beeinflussen, wohin die „Weihnachts-Dollar" fließen.
„Das Einkommenswachstum bietet weiterhin eine wichtige Grundlage für die Ausgaben, und obwohl höhere Preise nach wie vor Teil des Bildes sind, erwarten wir eine weitere gesunde Weihnachtssaison", sagte Michael Brown, leitender US-Volkswirt bei Visa.
Visa und Mastercard übertreffen die Gewinnerwartungen für das September-Quartal
Für die Zuversicht der Kartenkonzerne spricht auch das abgelaufene Geschäft. Sowohl Visa als auch Mastercard übertrafen die Gewinnerwartungen für das am 30. September endende Quartal. Das unterstreicht, dass die Konsumausgaben widerstandsfähig geblieben sind. Beide Unternehmen verdienen an den Transaktionen der Verbraucher mit, unabhängig davon, welche Waren am Ende tatsächlich im Einkaufswagen landen.
Verbraucher geben durchschnittlich 777 Dollar für Weihnachtsgeschenke aus
Den Untersuchungen zufolge geben die Verbraucher dieses Jahr durchschnittlich 777 Dollar für Weihnachtsgeschenke aus. Das entspricht einem Anstieg von 5,6 Prozent gegenüber 736 Dollar im Jahr 2025. Die Kunden müssen sich dabei nach wie vor an die hohen Preise anpassen. Der Zuwachs fällt damit deutlich kräftiger aus als die reine Teuerungsrate vieler Warenkörbe, was auf eine weiterhin robuste Kauflaune hindeutet.
Nur 15 Prozent der Verbraucher priorisieren Erlebnisse
Mehr als die Hälfte der befragten Verbraucher wünscht sich zwar Reisen und Veranstaltungen, doch die Weihnachtsbudgets begünstigen traditionelle Ausgaben. Nur 15 Prozent werden Erlebnisse priorisieren, während 27 Prozent planen, stattdessen physische Geschenke zu kaufen. Die Studie zeigt damit eine Lücke zwischen geäußerten Wünschen und tatsächlichem Kaufverhalten. Für den Handel bedeutet das, dass Geschenkartikel und klassische Weihnachtsware weiterhin den größten Teil der Ausgaben binden.
Nur Haushalte über 200.000 Dollar erhöhen ihre Flugbuchungen
Deutliche Unterschiede zeigen sich nach Einkommensgruppen. Nur Haushalte mit einem Einkommen von über 200.000 Dollar haben ihre Ausgaben für Flugtickets zur Weihnachtszeit erhöht. Einkommensschwächere Gruppen fuhren ihre Buchungen dagegen zurück. Die Konsumdynamik konzentriert sich damit auf die oberen Einkommensschichten, während breitere Bevölkerungsteile bei Reisen sparen.
Bereits am 30.09.2026 meldete aktien.news die Billionen-Marke im US-Weihnachtsgeschäft
Die aktuelle Visa-Prognose reiht sich in eine Serie ähnlich lautender Vorhersagen ein. Bereits am 30.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Einzelhandelsumsätze im US-Weihnachtsgeschäft nach der jährlichen Prognose der Unternehmensberatung Bain & Company erstmals die Marke von 1 Billion US-Dollar überschreiten sollen. Demnach sollten die Umsätze im Jahresvergleich um 4,5 Prozent zulegen. Das Wachstum werde maßgeblich vom stationären Handel getragen, auf den laut Bain 70 Prozent der Ausgaben entfallen, während der E-Commerce weiterhin Marktanteile hinzugewinne. Die Prognose fiel damals in ein Umfeld, das von makroökonomischem Druck und einer vorsichtigen Konsumhaltung geprägt war, gestützt durch höhere Steuererstattungen.
Am 09.10.2026 berichtete aktien.news über Rekordausgaben durch Inflation und Zölle
Wenige Tage später, am 09.10.2026, meldete aktien.news, dass die Amerikaner in dieser Weihnachtssaison so viel Geld ausgeben werden wie nie zuvor. Grundlage war eine Prognose, über die NBC News Markets berichtete. Der Rekord hatte allerdings wenig mit größerer Freigiebigkeit zu tun: Inflation und Zölle trieben die Preise in die Höhe und damit auch die Summe, die Verbraucher an der Ladenkasse lassen. Für deutsche Anleger ist dieser Befund relevant, weil der private Konsum in den USA als zentrale Stütze der weltweiten Konjunktur gilt. Steigende Ausgaben bedeuten deshalb nicht automatisch, dass auch mehr Waren gekauft werden, da ein erheblicher Teil des Zuwachses reine Preisentwicklung ist.
Am 16.09.2026 meldete aktien.news überraschend starke August-Umsätze
Auch die kurzfristigen Daten stützten zuletzt das Bild eines robusten Konsums. Am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Einzelhandelsumsätze im August überraschend stark gestiegen sind. Wie das Handelsministerium mitteilte, legten die Umsätze im vergangenen Monat um 1,2 Prozent zu, nachdem sie im Juli revidiert um 0,5 Prozent gefallen waren. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 0,8 Prozent gerechnet, die Schätzungen reichten von plus 0,2 bis plus 1,1 Prozent. Der Juli-Rückgang war der erste Rückgang der Einzelhandelsumsätze in neun Monaten gewesen.
Am 27.04.2026 berichtete aktien.news über Visas beständiges Umsatzwachstum
Zur Einordnung des Unternehmens selbst hatte aktien.news bereits am 27.04.2026 berichtet, dass Visa zu den wenigen Unternehmen weltweit gehört, die ihren Umsatz nahezu unabhängig von äußeren Umständen steigern können. Zwischen dem Geschäftsjahr 2015 und dem Geschäftsjahr 2025, das am 30. September 2025 endete, wuchs der Umsatz des Zahlungsdienstleisters in jedem einzelnen Jahr, mit einer einzigen Ausnahme: dem Geschäftsjahr 2020, als die COVID-19-Pandemie die Weltwirtschaft praktisch über Nacht zum Stillstand brachte. Selbst in jenem Ausnahmejahr sank der Umsatz lediglich um 5 Prozent. Vom Geschäftsjahr 2020 bis zum Geschäftsjahr 2025 wuchs der Umsatz von Visa jedes Jahr im zweistelligen Bereich.
Für deutsche Anleger ist der US-Konsum ein zentraler Konjunkturindikator
Die neuen Zahlen sind für deutsche Privatanleger vor allem deshalb interessant, weil sie die Erwartungen an die weltweite Konjunktur mitprägen. Der private Konsum in den USA gilt als zentrale Stütze der globalen Wirtschaft, und Zahlungsdienstleister wie Visa und Mastercard fungieren dabei als eine Art Frühindikator für das Ausgabenvolumen. Wer in exportorientierte deutsche Unternehmen investiert, sollte die US-Konsumdaten daher im Blick behalten. Zugleich zeigen die Einkommensunterschiede bei den Flugbuchungen, dass die Ausgabendynamik nicht alle Haushalte gleichermaßen erfasst. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für einzelne Aktien lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Prognose gilt für die letzten zwei Monate des Jahres 2026
Der Ausblick von Visa bezieht sich auf die letzten zwei Monate des Jahres 2026, also die klassische Weihnachtssaison. Erwartet wird ein Umsatzplus von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit das stärkste Wachstum seit 2021. Als Treiber nennt die Studie solides Einkommenswachstum und ein hohes Haushaltsvermögen, als Belastung die anhaltend hohe Inflation. Visa und Mastercard haben ihre Quartalszahlen für den Zeitraum bis zum 30. September bereits vorgelegt und die Gewinnerwartungen übertroffen.
Drei Begriffe helfen beim Einordnen der Zahlen
- Einzelhandelsumsätze: Sie erfassen den Gesamtwert der Verkäufe von Waren an private Haushalte und gelten als wichtiger Indikator für die Konsumstärke einer Volkswirtschaft.
- Nominale Steigerung: Sie beschreibt einen Anstieg in jeweiligen Preisen, ohne die Teuerung herauszurechnen, sodass ein Teil des Zuwachses reine Preisentwicklung sein kann.
- E-Commerce: Damit ist der Handel über das Internet gemeint, der im Weihnachtsgeschäft zunehmend Marktanteile gegenüber dem stationären Geschäft gewinnt.
