Drohnen verändern den Krieg: Rüstungskonzerne verdienen weiter mit Panzern
Quartalszahlen zeigen: Klassische Waffensysteme treiben das Wachstum, während Drohnenabwehr und Sensoren neue Geschäfte eröffnen.

Drohnentechnologie und künstliche Intelligenz verändern den modernen Kriegsführungsbereich rasant, doch die größten Rüstungskonzerne der Welt stellen fest, dass die Nachfrage nach Panzern, Jagdbombern und anderer traditioneller militärischer Ausrüstung weiterhin stark ist. Die jüngsten Quartalszahlen US-amerikanischer und europäischer Rüstungsunternehmen zeigen, dass konventionelle Waffen das Wachstum im Jahresvergleich weiter antreiben – selbst bei gleichzeitig stark steigender Nachfrage nach fortschrittlichen Sensoren, autonomen Systemen und Drohnenabwehrtechnologien.
Anstatt herkömmliche Waffensystemhersteller zu verdrängen, schafft der Aufstieg von Drohnen und autonomer Kriegsführung neue Geschäftsmöglichkeiten für viele derselben Unternehmen. Von der Drohnenabwehr bis hin zu in Panzer und Jagdbomber integrierten fortschrittlichen Sensoren transformieren die Technologien, die das Schlachtfeld verändern, auch die Märkte, die von etablierten Rüstungsriesen bedient werden – sie ändern diese oder erweitern sie sogar.
Für deutsche Anleger ist das ein wichtiges Signal, denn mit Renk, Hensoldt und Rheinmetall stehen gleich mehrere hiesige Konzerne im Zentrum dieser Entwicklung. Die Zahlen aus dem abgelaufenen Quartal zeigen, wo das Wachstum herkommt und welche Risiken die Branche zugleich belasten.
Lockheed Martin steigert den Umsatz im Raketenbereich um 24 Prozent
Lockheed Martin verzeichnete im dritten Quartal einen 24%igen Anstieg des Umsatzes im Raketenbereich, während RTX multimilliardenschwere Verträge für etablierte Raketensysteme sicherte. In Europa stiegen die Aufträge des deutschen Rüstungslieferanten Renk für sein Geschäft mit Militärfahrzeugen in den ersten neun Monaten des Jahres um 46%. Diese Beispiele zeigen, dass die Nachfrage nach konventionellen Systemen ungebrochen ist – und dass die Auftragsbücher der etablierten Hersteller weiter wachsen.
Hensoldt-CFO Christian Ladurner nennt konventionelle Ausrüstung einen Wachstumstreiber
Doch dieselben Quartalszahlen zeigen auch, wie die Grenzen zwischen traditionellen Waffen und aufstrebender Verteidigungstechnologie zunehmend verschwimmen. Das deutsche Rüstungselektronikunternehmen Hensoldt meldete einen 52%igen Anstieg des Umsatzes im Optronikgeschäft; dessen Finanzvorstand erklärte gegenüber CNBC, dass ein Großteil des Wachstums aus konventioneller militärischer Ausrüstung, einschließlich Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, stammt.
Hensoldt-CFO Christian Ladurner sagte am Donnerstag gegenüber CNBC, dass die Nachfrage nach traditioneller militärischer Ausrüstung weiterhin ein wichtiger Treiber des Wachstums sei. Sein schnell wachsendes Optronikgeschäft, das optische und Sensortechnologien liefert, profitiere von den Bemühungen europäischer Regierungen, konventionelle militärische Ausrüstung aufzufüllen, selbst wenn neuere Technologien auf dem Schlachtfeld zunehmende Aufmerksamkeit erregten, so Ladurner.
Ladurner hob zudem die wachsende Nachfrage nach Luftverteidigungssystemen hervor, da Streitkräfte einer sich erweiternden Palette von Bedrohungen begegnen, von kleinen Drohnen bis hin zu ballistischen Raketen. Er fügte hinzu, der Markt für Luftverteidigung sei „unterinvestiert“, obwohl er jährlich um 20% wachse.
Rheinmetall steigert den Umsatz in der Luftverteidigung um 63 Prozent
Währenddessen verzeichnete das Luftverteidigungsgeschäft von Rheinmetall, das auch Drohnenabwehrsysteme umfasst, ein Umsatzwachstum von 63%, selbst als das Gesamtunternehmen seine Prognose für das Gesamtjahr aufgrund von Projektverzögerungen senkte. Der Aufstieg der Drohnen transformiert traditionelle militärische Plattformen eher, als sie zu ersetzen; Panzer und andere Waffen werden zunehmend in verbundene, datengesteuerte Netzwerke des Schlachtfelds integriert, so Morningstar.
Die NATO plant mehr als 40 Milliarden Dollar für Drohnenabwehr
Jenseits der Frontlinie plant die NATO, in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar in Drohnenabwehrkapazitäten zu investieren, während Generalsekretär Mark Rutte warnte, dass Drohnen den modernen Kriegsführungsbereich grundlegend verändert haben. Engpässe bei der Produktion von Patriot-Abfangraketen von Lockheed Martin spüren insbesondere die Ukraine hart, nachdem die USA einen Großteil ihres Bestands an diesem hochmodernen System, das Hochgeschwindigkeitsraketen abschießen kann, im Iran-Krieg aufgebraucht hatten.
Analysten halten den Aufrüstungsboom für struktureller Natur
In den vergangenen fünf Jahren und seit der russischen Vollinvasion in die Ukraine Anfang 2022 haben die großen Rüstungskonzerne ein anschwellendes Auftragsbuch vorliegen, getrieben durch höhere Militärausgaben von Regierungen weltweit. Analysten sind jedoch weitgehend der Ansicht, dass der Aufrüstungsboom struktureller Natur ist und selbst ein Ende der Kriege in der Ukraine und im Iran ihn nicht zum Erliegen bringen wird. Entscheidend ist, dass Europa nun nachholen muss, nachdem es Jahrzehnte lang unterfinanziert war und die Unsicherheit bezüglich der US-Sicherheitsgarantien sowie der nächsten Schritte Russlands zunimmt.
Bewertungsbedenken und Projektverzögerungen drücken die Rüstungsaktien
Bedenken, dass die Bewertungen dem Liefervermögen der Branche vorausgeeilt waren, drückten die Rüstungsaktien dieses Jahr, begleitet von mehreren Fällen von Projektverzögerungen und Vertragsstornierungen. Fortschritte in der modernen Kriegsführung und Technologie – wie der Einsatz von Drohnen an der Frontlinie in der Ukraine beweist – haben das Vertrauen der Investoren in Rüstungskonzerne weiter erschüttert, da Befürchtungen bestehen, dass neue Technologien die Nachfrage nach traditioneller militärischer Ausrüstung verdrängen könnten.
Die US-Zwischenwahlen dämpfen die Erwartungen an die Militärausgaben
In jüngerer Zeit gerieten Rüstungsaktien unter Druck, da Bedenken bestehen, dass die Erfolge der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen die amerikanischen Militärausgaben drosseln könnten. Zwar habe das Ergebnis die Erwartungen an die Militärausgaben gedämpft, da die demokratische Kontrolle des Kongresses einen vorgeschlagenen Haushalt über 1,5 Billionen Dollar unwahrscheinlich mache und das Wachstum der Militärausgaben möglicherweise bis 2029 belasten könnte, doch habe sich nichts an den geopolitischen Kalkülen grundlegend geändert, sagte TD-Cowen-Analyst Roman Schweizer am Donnerstag in der CNBC-Sendung „Morning Call“. Morningstar-Analystin Loredana Muharremi erklärte am Mittwoch gegenüber CNBC, dass die Schwäche der europäischen Rüstungsaktien größtenteils stimmungsbasiert sei.
Eine BCG-Studie erwartet 2033 noch mehr als 80 Prozent Marktanteil für traditionelle Waffen
Bereits am 19.07.2026 berichtete aktien.news über eine Studie der Beratungsgesellschaft BCG und Vertical Research Partners, wonach etablierte Rüstungskonzerne die globalen Verteidigungsmärkte auch im nächsten Jahrzehnt dominieren werden. Trotz des schnellen Wachstums günstigerer, massengefertigter Systeme wie Drohnen werden komplexe Waffen traditioneller Hersteller im Jahr 2033 noch immer mehr als 80 Prozent des Marktes ausmachen. Diana Dimitrova, Leiterin der BCG-Praxisgruppe für Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung in Großbritannien, betonte, sowohl Defence-Tech-Unternehmen als auch etablierte Auftragnehmer würden wachsen – der Großteil der Ausgaben werde jedoch bei den traditionellen Akteuren verbleiben.
Am 09.03.2026 berichtete aktien.news, dass der eskalierte Konflikt rund um den Iran für kräftige Kursgewinne bei US-amerikanischen Rüstungskonzernen sorgte, während Rheinmetall einen Großteil seiner 2026 erzielten Gewinne wieder abgab. Am 06.08.2026 folgte der Bericht, dass Rheinmetall in der Spitze mehr als 50 Prozent gegenüber seinem Rekordhoch verlor; Thomas Buckard, Vorstand beim unabhängigen Vermögensverwalter MPF, sah darin die Folge übertriebener Euphorie und erklärte, die Bewertungen der Rüstungsunternehmen seien durch die Begeisterung der Anleger in zu hohe Regionen gestiegen.
Am 19.04.2026 hatte aktien.news auf den Markt für Drohnenabwehr hingewiesen: Abwehrsysteme gegen unbemannte Luftfahrzeuge, im Fachjargon als Counter-UAS (Counter Unmanned Aircraft Systems) bezeichnet, hätten sich von einem einfachen Posten im Verteidigungshaushalt zu einer eigenständigen strategischen Notwendigkeit entwickelt.
Für Anleger bleibt das Bild zwischen Wachstum und Bewertungsrisiken gespalten
Fü+r deutsche Privatanleger ergibt sich damit ein differenziertes Bild. Einerseits wachsen die Auftragsbücher der etablierten Konzerne, und die Nachfrage nach konventioneller Ausrüstung bleibt laut Hensoldt-CFO Ladurner ein wichtiger Wachstumstreiber. Andererseits zeigen die Kursbewegungen des Jahres, dass Bewertungen, Projektverzögerungen und Vertragsstornierungen die Stimmung belasten können.
Die Morningstar-Analystin Muharremi ordnet die Schwäche der europäischen Rüstungsaktien als größtenteils stimmungsbasiert ein, während TD-Cowen-Analyst Schweizer die geopolitischen Kalküle trotz der US-Wahlergebnisse als unverändert beschreibt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Wer den Sektor beobachtet, sollte deshalb sowohl die Auftragseingänge als auch die Prognoseanpassungen der Unternehmen im Blick behalten.
Der US-Verteidigungshaushalt bleibt bis 2029 ein Unsicherheitsfaktor
Konkrete Zeitpunkte nennt der Quelltext nur wenige: Die NATO will in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden Dollar in Drohnenabwehrkapazitäten investieren. Das Wachstum der US-Militärausgaben könnte nach Einschätzung von TD Cowen bis 2029 belastet bleiben, falls der vorgeschlagene Haushalt über 1,5 Billionen Dollar nicht zustande kommt. Die BCG-Studie vom 19.07.2026 erwartet, dass komplexe Waffen traditioneller Hersteller im Jahr 2033 noch immer mehr als 80 Prozent des Marktes ausmachen. Weitere Prognosen oder eigene Erwartungen lassen sich aus dem Quelltext nicht ableiten.
Drei Fachbegriffe ordnen das Geschäft der Rüstungsbranche ein
- Optronik: Sammelbegriff für optische und sensorbasierte Systeme, mit denen militärische Plattformen ihre Umgebung erfassen.
- Counter-UAS: Abwehrsysteme gegen unbemannte Luftfahrzeuge, also gegen Drohnen.
- Auftragsbuch: Summe der verbindlich bestellten, aber noch nicht abgerechneten Aufträge eines Unternehmens.
