Hacker fordern 3 Millionen Dollar Lösegeld von Revolut
Datenpanne bei der britischen Online-Bank: Erpresser drohen mit Verkauf von Kundendaten.

Hacker, die für einen Datenleck bei der britischen Online-Bank Revolut verantwortlich sein sollen, haben ein ungewöhnlich öffentliches Ultimatum gestellt. Die Gruppe, die sich selbst "iamnotavillain" nennt, fordert von Revolut ein Lösegeld in Höhe von 3 Millionen US-Dollar – andernfalls drohen sie damit, vertrauliche Aufzeichnungen von Hunderten von Kunden an andere kriminelle Gruppen zu verkaufen.
Die Forderung wurde am Mittwochnachmittag auf der Website der Hacker veröffentlicht, begleitet von einer digitalen Countdown-Uhr. Die Gruppe gab Revolut 24 Stunden Zeit, um die Zahlung zu leisten. Die öffentliche Lösegeldforderung ist ungewöhnlich, da Hacker derartige Forderungen normalerweise privat stellen und erst dann an die Öffentlichkeit gehen, wenn das betroffene Unternehmen sich weigert zu zahlen.
Drohung mit Datenverkauf
In der Online-Nachricht forderte die Gruppe Revolut auf, "6.000 XMR / 3.000.000 US-Dollar" zu zahlen. XMR ist die Kryptowährung Monero, die bei Hackern besonders beliebt ist, da ihre Transaktionen nur schwer nachverfolgbar sind. Die Botschaft endete mit der Drohung: "Sonst werden alle Daten verkauft, und das Blut wird auf Ihren Händen sein."
Die Hacker-Gruppe erklärte der Financial Times (FT), dass sie ihre Website zum ersten Mal nutze, um ihre Forderungen zu äußern. Bislang habe es noch keine Verhandlungen mit Revolut gegeben. Die FT kontaktierte die Hacker über Telegram, nachdem diese die Website Ende Montag eingerichtet hatten. Auf der Website wurden redigierte Screenshots einiger Informationen gezeigt, die angeblich von der Bank erbeutet wurden.
Beweise für den Datenzugriff
Kurz nach der Veröffentlichung der Lösegeldforderung schickten die Hacker der FT ein 60-Sekunden-Screen-Capture-Video. Das Video zeigte einen unsichtbaren Benutzer, der durch den Cache der angeblichen Revolut-Dokumente navigierte. Die darin gezeigten Dokumente enthielten Führerscheine, Pässe, Identitätsfotos aus dem "Know Your Customer"-Verifizierungsprozess sowie Transaktionshistorien von Revolut-Kunden.
Nach Informationen der FT sind von dem Datenleck mindestens 680 Kundenkonten betroffen. Die Hacker sollen die Dateien erlangt haben, indem sie ein italienisches Regierungsemailsystem kompromittierten. Über dieses System gaben sie sich über mehrere Monate hinweg als Strafverfolgungsbehörden aus und forderten Informationen zu bestimmten Revolut-Konten an.
Revolut bestreitet direkten Kontakt
Revolut reagierte am Mittwochabend mit einer Stellungnahme: "Revolut hat keinen direkten Kontakt oder keine Forderung von den Personen oder der Gruppe erhalten, die diese Ansprüche erheben." Mehrere betroffene Kunden haben bereits Bedenken geäußert, dass ihre persönlichen Daten kompromittiert wurden.
Zuvor hatte Revolut mitgeteilt, dass man betroffenen Kunden "sofortige Unterstützung" biete und "eng mit den zuständigen Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden zusammenarbeite". Die Gruppe "iamnotavillain" gab an, die Ziele mithilfe von Blockchain-Analyse ausgewählt zu haben, um Revolut-Konten mit signifikanten Krypto-Beständen zu identifizieren.
Hintergrund zu Revolut
Seit seiner Gründung im Jahr 2015 hat sich Revolut zum größten Finanztechnologieunternehmen Europas entwickelt. Das Unternehmen operiert als Bank in mehr als 30 Ländern und bedient rund 80 Millionen Kunden. Erst kürzlich wurde Revolut bei einem sekundären Aktienverkauf auf 115 Milliarden US-Dollar bewertet. Der Vorfall wirft erneut Fragen zur Sicherheit von Kundendaten bei Finanztechnologie-Unternehmen auf.
