Goldpreis erreicht neuen Rekord über 3.500 Dollar
Zinssenkungserwartungen, schwacher Dollar und politische Unsicherheit treiben die Nachfrage

Gold hat am Dienstag einen neuen Rekordstand erreicht und erstmals die Marke von 3.500 US-Dollar je Unze überschritten. Der Preis für Spotgold stieg zeitweise auf 3.508,50 US-Dollar, bevor er sich bei 3.496 US-Dollar einpendelte. Damit legte das Edelmetall um 0,6 Prozent zu. Im bisherigen Jahresverlauf hat Gold bereits einen Zuwachs von 33 Prozent verzeichnet. Auch die US-Gold-Futures für Dezember-Lieferung zeigten deutliche Bewegungen und stiegen um 1,4 Prozent auf 3.565,50 US-Dollar.
Die jüngste Preisentwicklung wird von einem schwächeren Dollar sowie den zunehmenden Erwartungen an eine Zinssenkung der US-Notenbank getragen. Marktbeobachter sehen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent, dass die Federal Reserve am 17. September die Leitzinsen um 25 Basispunkte senken wird. In einem Umfeld niedriger Zinsen gilt Gold traditionell als besonders attraktiv, da das zinslose Metall dann gegenüber zinstragenden Anlagen Wettbewerbsvorteile gewinnt.
Analysten verweisen zudem auf politische Unsicherheiten in den USA. Präsident Donald Trump hatte die Notenbank und ihren Vorsitzenden Jerome Powell wiederholt kritisiert, weil die Zinsen nicht stärker gesenkt wurden. Jüngst nahm er auch Bezug auf eine teure Renovierung des Fed-Hauptsitzes in Washington. Finanzminister Scott Bessent betonte zwar die Unabhängigkeit der Notenbank, warf ihr jedoch Fehler vor und verteidigte das Vorgehen des Präsidenten, die Fed-Gouverneurin Lisa Cook wegen Betrugsvorwürfen zu entlassen.
Die Zweifel an der Unabhängigkeit der Federal Reserve belasten den Dollar, der gegenüber anderen Währungen in die Nähe seines tiefsten Stands seit mehr als einem Monat gefallen ist. Für Anleger außerhalb der USA verbilligt sich dadurch der Kauf von Gold, was die Nachfrage zusätzlich stärkt. Viele Investoren sehen das Edelmetall weiterhin als sicheren Hafen in Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten.
Bereits im Jahr 2024 hatte Gold mit einem Plus von 27 Prozent stark zugelegt und erstmals die Marke von 3.000 US-Dollar überschritten. Treiber dieser Entwicklung waren damals vor allem Unsicherheiten über die Handelspolitik der US-Regierung. Experten halten es für möglich, dass die Rallye weitergeht. Sollte die Notenbank zu mehreren Zinssenkungen greifen und kein Durchbruch bei den Verhandlungen im Russland-Ukraine-Konflikt erzielt werden, könnte der Goldpreis bis auf 3.600 US-Dollar oder mehr steigen.
Neben Gold legten auch andere Edelmetalle zu. Silber notierte bei 40,79 US-Dollar je Unze und erreichte damit den höchsten Stand seit September 2011. Platin verteuerte sich um 1,2 Prozent auf 1.416,86 US-Dollar, während Palladium 0,6 Prozent verlor und bei 1.130,45 US-Dollar lag.
