Goldman Sachs hebt Ölpreisprognose für Q4 2026 an
Die US-Investmentbank begründet die Anhebung um sechs Dollar mit niedrigeren OECD-Lagerbeständen.

Goldman Sachs hat seine Preisprognosen für die Rohölsorten Brent und WTI für das vierte Quartal 2026 deutlich nach oben korrigiert. Die Bank hebt ihre Schätzungen jeweils um sechs Dollar an – auf 60 Dollar pro Barrel für Brent und 56 Dollar für WTI. Als Hauptgrund nennt Goldman niedrigere Lagerbestände in den OECD-Ländern.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Bank nun einen durchschnittlichen Brent-Preis von 64 Dollar pro Barrel, nach zuvor 56 Dollar. Beim amerikanischen Referenzöl WTI wird ein Jahresdurchschnitt von 60 Dollar prognostiziert, gegenüber früheren Erwartungen von 52 Dollar. Die Revision fällt damit erheblich aus.
Goldman erläuterte in einer Mitteilung vom Sonntag, dass die Brent-Prognose von 60 Dollar das allmähliche Abklingen einer geschätzten Risikoprämie von sechs Dollar widerspiegele. Voraussetzung sei, dass die geopolitischen Spannungen nachlassen. Zusätzlich kalkuliert die Bank einen Rückgang des fairen Wertes um fünf Dollar durch steigende OECD-Bestände ein.
Angebotsüberschuss bleibt zentrales Thema
Trotz der angehobenen Prognosen hält Goldman Sachs an ihrer Einschätzung eines Angebotsüberschusses für 2026 fest. Die Bank erwartet ein Überangebot von 2,3 Millionen Barrel pro Tag (bpd) – unter der Bedingung, dass es keine größeren Versorgungsunterbrechungen gibt und kein Frieden zwischen Russland und der Ukraine eintritt. Diese Prognose setzt zudem voraus, dass es keine versorgungsrelevanten Störungen im Zusammenhang mit dem Iran geben wird.
Die Bank senkte ihre Angebotserwartungen für Kasachstan, Venezuela, den Iran und den Irak, da diese Länder ihre Produktionsziele verfehlt haben. Gleichzeitig wurden die Erwartungen für das Angebot aus Amerika und den Kernländern der OPEC mit freien Kapazitäten angehoben. Goldman geht davon aus, dass die OPEC+ im zweiten Quartal 2026 mit einer schrittweisen Produktionserhöhung beginnen wird.
Am Montag gaben die Ölpreise um rund ein Prozent nach. Hintergrund sind Fortschritte in den Atomgesprächen zwischen den USA und dem Iran, die eine dritte Verhandlungsrunde vorbereiten. Brent-Futures notierten gegen 06:41 Uhr GMT bei rund 71 Dollar, WTI bei 65,75 Dollar pro Barrel.
Abwärtsrisiken durch mögliche Sanktionslockerungen
Goldman sieht für das vierte Quartal 2026 Abwärtsrisiken von fünf Dollar bei Brent und acht Dollar bei WTI. Diese könnten eintreten, falls Sanktionslockerungen für den Iran oder Russland den Lagerbestandsaufbau beschleunigen und langfristig mehr Angebot freisetzen. Anleger sollten dieses Szenario im Blick behalten.
Für das Jahr 2027 erwartet Goldman Sachs Durchschnittspreise von 65 Dollar für Brent und 61 Dollar für WTI. Bis Dezember 2027 könnten die Preise auf 70 beziehungsweise 66 Dollar steigen – getragen von solider Nachfrage und verlangsamtem Angebotswachstum.
