Ölpreise steigen wegen Iran-Spannungen – Brent über 69 Dollar
Geopolitische Risiken treiben Rohölpreise nach oben, trotz deutlich gestiegener US-Lagerbestände.

Die Ölpreise haben am Donnerstagmorgen ihre Aufwärtsbewegung fortgesetzt. Die Sorte Brent verteuerte sich um 27 Cent oder 0,39 Prozent auf 69,67 Dollar je Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) kletterte um 29 Cent oder 0,45 Prozent auf 64,92 Dollar. Bereits am Vortag hatten beide Referenzsorten mit Gewinnen geschlossen – Brent legte um 0,87 Prozent zu, WTI um mehr als 1,05 Prozent.
Auslöser der Preisbewegung sind die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump erklärte nach Gesprächen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, man habe keine "endgültige" Einigung über das weitere Vorgehen gegenüber Teheran erzielt. Die Verhandlungen würden jedoch fortgesetzt. Zuvor hatte Trump angekündigt, möglicherweise einen zweiten Flugzeugträger in den Nahen Osten zu entsenden, falls keine Einigung mit dem Iran zustande komme.
Vergangene Woche fanden im Oman indirekte Gespräche zwischen amerikanischen und iranischen Diplomaten statt. Datum und Ort der nächsten Verhandlungsrunde sind noch nicht bekannt. "Ein nachhaltiger Ausbruch über das Niveau von 65 bis 66 Dollar würde eine weitere Eskalation im Nahen Osten erfordern", sagte Tony Sycamore, Analyst bei IG. Bei einer Deeskalation könnte WTI schnell in Richtung 60 bis 61 Dollar fallen.
Robuste US-Wirtschaft stützt Nachfrageerwartungen
Positiv wirkt sich die starke US-Konjunktur aus. Das Beschäftigungswachstum beschleunigte sich im Januar überraschend, die Arbeitslosenquote sank auf 4,3 Prozent. "Die widerstandsfähige US-Wirtschaft stützt die Erwartungen an die Ölnachfrage", erklärte Mingyu Gao, Chefanalystin für Energie bei China Futures.
Dämpfend wirkte hingegen der kräftige Anstieg der US-Rohölvorräte. Die Lagerbestände stiegen laut Energy Information Administration (EIA) um 8,5 Millionen Barrel auf 428,8 Millionen Barrel. Analysten hatten in einer Reuters-Umfrage lediglich mit einem Plus von 793.000 Barrel gerechnet.
Weitere Preisanstiege erwartet
Trotz des Lageraufbaus blieb der weltweite Vorratsanstieg seit Jahresbeginn hinter den Erwartungen zurück. Die Netto-Long-Positionen bei Rohöl-Futures und -Optionen hätten noch kein Übergewicht erreicht, so Gao. Sie erwartet daher tendenziell weiter steigende Ölpreise, getrieben durch die Iran-Spannungen, verschärfte Sanktionen gegen russisches Öl sowie die Erwartung sinkender Exporte.
