Iran-Konflikt: Ölpreise und Zinspolitik der Notenbanken unter Druck
Drohende US-Militärschläge könnten Brent-Öl auf 100 Dollar treiben und geplante Zinssenkungen verzögern.

Mögliche US-Militärschläge gegen den Iran könnten die globalen Ölmärkte erheblich beeinflussen und die Zinspolitik der großen Notenbanken durcheinanderbringen. Dies geht aus einer aktuellen Analyse der Wirtschaftsforscher von Capital Economics hervor. Die Experten warnen vor deutlich steigenden Rohölpreisen und einer Verzögerung geplanter Zinssenkungen.
Die Spannungen zwischen Washington und Teheran haben sich in den vergangenen Tagen deutlich verschärft. US-Präsident Donald Trump drohte iranischen Regierungsvertretern mit Angriffen, die "weitaus schlimmer" ausfallen würden als frühere Militärschläge, sollte der Iran keinem neuen Atomabkommen zustimmen. Parallel dazu haben die USA ihre Militärpräsenz im Nahen Osten massiv ausgebaut.
Trotz diplomatischer Gespräche zwischen amerikanischen und iranischen Beamten in der Schweiz Anfang dieser Woche erklärte der iranische Außenminister, dass keine unmittelbare Einigung in Sicht sei. Medienberichten zufolge versuchen selbst traditionell Trump-nahe Golfstaaten, den US-Präsidenten von weiteren Angriffen abzubringen.
Ölpreise könnten auf 100 Dollar steigen
Die Analysten Jason Tuvey und Simon Macadam von Capital Economics sehen die Wahrscheinlichkeit eines US-Schlags als "deutlich gestiegen" an. Als Indikator verweisen sie auf den jüngsten Anstieg der Brent-Ölsorte auf knapp 70 Dollar pro Barrel. Der Iran spielt als Ölproduzent eine zentrale Rolle auf dem Weltmarkt: Mit 4,7 Millionen Barrel pro Tag steuert das Land etwa 4,4 Prozent des globalen Angebots bei.
Besonders kritisch ist die geografische Lage des Landes. Der Iran kontrolliert die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel aller weltweiten Ölströme fließt. Im Falle tatsächlicher US-Angriffe rechnen die Experten mit einem Anstieg des Brent-Preises auf etwa 80 Dollar pro Barrel. Sollten wichtige Infrastrukturen getroffen werden oder der Iran die strategisch wichtige Meerenge sperren, könnte der Preis sogar auf 100 Dollar klettern.
Auswirkungen auf die Geldpolitik
Ein solcher Ölpreisschock hätte direkte Folgen für die Inflationsraten in den Industrieländern. Die Analysten weisen darauf hin, dass ein Anstieg der Ölkosten um 5 Prozent im Jahresvergleich typischerweise zu 0,1 Prozentpunkten zusätzlicher Inflation führt. Besonders problematisch wäre ein Übergreifen auf die ohnehin schon hohen Dienstleistungspreise.
Für die großen Notenbanken könnte dies bedeuten, dass geplante Zinssenkungen verzögert oder ganz ausgesetzt werden müssen. "Die von uns für dieses Jahr erwartete Zinssenkung um 25 Basispunkte durch die Fed, zwei durch die EZB und drei durch die Bank of England würde sich verzögern oder gar nicht stattfinden", warnen die Experten von Capital Economics.
In Japan würde sich die Situation anders darstellen: Dort dürften höhere Ölpreise angesichts der Erneuerung von Energiesubventionen eher die Staatsfinanzen belasten als die Verbraucher. Dies könnte zusätzlichen Druck auf japanische Staatsanleihen ausüben und die ohnehin angespannte Haushaltslage weiter verschärfen.
