Giftige Dämpfe: Airbus-Beteiligung legt Flugzeuge still
Piloten melden giftige Dämpfe in Cockpit und Kabine – vier Flugzeuge stillgelegt.

Ein französisches Luftfahrtunternehmen hat mehrere neu aufgebaute Flugzeuge stillgelegt, nachdem Piloten giftige Dämpfe im Cockpit und in der Kabine gemeldet hatten. Die Vorfälle betreffen Turboprop-Maschinen des Typs ATR, an dem Airbus beteiligt ist, und werfen ein Schlaglicht auf ein seit Jahren schwelendes Problem in der Luftfahrtbranche.
Die betroffenen Flugzeuge werden in einem Joint Venture von Airbus und ATR hergestellt. Piloten berichteten von vermuteten Öl- oder Chemikaliendämpfen, die während des Fluges in Cockpit und Kabine eindringen und Symptome wie Migräne auslösen. Ein Flugzeug wurde sogar von Airbus selbst genutzt, um Mitarbeiter zwischen den französischen Produktionsstandorten zu transportieren.
Hintergrund der Vorfälle
Die Berichte der Piloten und die laufenden Untersuchungen durch den Hersteller ATR zu möglichen Problemen mit der Luftversorgung reihen sich ein in eine langjährige Kontroverse. Bereits seit Jahren gibt es Auseinandersetzungen zwischen Airbus, der gesamten Branche, Crews, medizinischen Fachkräften und Luftfahrtbehörden. Im Kern geht es um die Behauptung, dass Öllecks innerhalb der Triebwerke eines Flugzeugs zu toxischen Konzentrationen von Dämpfen in der Luftversorgung führen können.
Eine Untersuchung der Wall Street Journal im vergangenen Jahr belegte, dass Lecks von Öl und anderen Flugzeugflüssigkeiten in Jet-Triebwerke im letzten Jahrzehnt deutlich zugenommen haben. Dies untermauert die Sorgen der Piloten und Gewerkschaften, die seit Langem auf das Problem aufmerksam machen.
Air Corsica als Epizentrum
Der französische Carrier Air Corsica hat in den letzten Wochen vier seiner sieben ATR-Turboprop-Flugzeuge stillgelegt. Der Flugzeughersteller und die RTX-Tochter Pratt & Whitney, die die Triebwerke liefert, untersuchen derzeit die Ursache der gemeldeten Dämpfe. Die Vorfälle bei Air Corsica könnten weitreichende Folgen über den französischen Carrier hinaus haben.
Im Fokus steht die Frage, ob die gemeldeten Dämpfe ein isoliertes Problem darstellen – oder auf eine breitere Schwachstelle im Luftversorgungssystem hinweisen. Dieses System kommt bei nahezu allen heute fliegenden Verkehrsflugzeugen zum Einsatz. Sollte sich ein grundlegendes Konstruktionsproblem bestätigen, wären weit mehr als nur die ATR-Flotte betroffen.
Neue Triebwerke im Visier
Die betroffenen ATR-Flugzeuge markieren den ersten Einsatz der neuen Triebwerke von Pratt & Whitney für Regionalflugzeuge. Damit rückt die Qualität und Zuverlässigkeit dieser Antriebe in den Mittelpunkt der Untersuchungen. Sollte sich ein Zusammenhang zwischen den neuen Triebwerken und den Dämpfen bestätigen, könnte dies erhebliche Auswirkungen auf die Zulassung und den Betrieb dieser Motoren haben.
Die Luftfahrtbranche beobachtet die Entwicklungen mit großer Spannung. Für Anleger von Airbus und RTX (Mutterkonzern von Pratt & Whitney) sind die Vorfälle relevant, da mögliche technische Probleme zu Verzögerungen bei Auslieferungen oder zu kostspieligen Nachrüstungen führen könnten. Die Untersuchungen dauern an, und die Branche wartet auf belastbare Ergebnisse zur Ursache der giftigen Dämpfe.
