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Frankreich verschärft Überwachung von Smart Glasses nach Missbrauchsfällen

Wegen sexueller Belästigung: Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt zu KI-gestützten Datenbrillen

3 Min
Frankreich verschärft Überwachung von Smart Glasses nach Missbrauchsfällen

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat eine strafrechtliche Untersuchung wegen des Verdachts auf sexuelle Belästigung im Zusammenhang mit Smart-Brillen eingeleitet. Parallel dazu melden französische Datenschutzbehörden zunehmende Beschwerden von Unternehmen, während weltweit Behörden und Organisationen die sozialen Auswirkungen der Geräte kritisch unter die Lupe nehmen. Im Zentrum der Debatte stehen vor allem die KI-gestützten Brillen des US-Tech-Konzerns Meta, die in Zusammenarbeit mit dem Brillenhersteller EssilorLuxottica produziert werden.

Die Meta-Brillen verfügen über eine kleine eingebaute Kamera, die es dem Träger ermöglicht, diskret Aufnahmen zu machen. Mit einem globalen Marktanteil von rund 76 Prozent sind sie die klaren Marktführer. Im vergangenen Jahr wurden sie weltweit sieben Millionen Mal verkauft. Die neuesten Verkaufsdaten von EssilorLuxottica deuten für 2026 auf ein „exponentielles Wachstum“ hin. Doch der Erfolg hat eine Kehrseite: Staatsanwaltschaften, Aufsichtsbehörden, Menschenrechtsgruppen und Unternehmen weltweit zeigen sich zunehmend besorgt über Themen wie sexuelle Belästigung, Unternehmensverfehlungen und illegales Überwachungspotenzial.

Strafrechtliche Ermittlungen in Paris

Das Büro der Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber Reuters, dass mindestens eine strafrechtliche Untersuchung eröffnet wurde. Hintergrund sind Beschwerden über sexuelle Belästigung, die im Zusammenhang mit einem Trend in den sozialen Medien stehen. Dabei wurden Smart-Brillen genutzt, um Frauen ohne deren Einwilligung auf der Straße zu filmen und die Videos anschließend online zu stellen. Die Staatsanwaltschaft machte keine Angaben zur Marke der verwendeten Geräte und lehnte es ab, weitere Details preiszugeben. Allerdings erklärte sie, dass ihre Cybercrime-Einheit die Geräte vor zwei Wochen getestet habe, um ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, welche potenziellen Straftaten mit Smart-Brillen begangen werden könnten.

Ein Sprecher von Meta sagte, das Unternehmen habe „Datenschutz von Grund auf in unsere KI-Brillen integriert“. Man werde „unsere Schutzmaßnahmen weiter verstärken, während unsere Brillen noch leistungsfähiger werden“. EssilorLuxottica verweigerte jede Kommentierung.

Datenschutzbehörden schlagen Alarm

Die französische Datenschutzbehörde CNIL gab an, weniger als zehn Beschwerden darüber erhalten zu haben, dass Smart-Brillen am Arbeitsplatz genutzt wurden. Auch hier machte die Behörde keine Angaben zu den betroffenen Marken. Allerdings werde die CNIL zunehmend von Unternehmen kontaktiert, die wissen wollten, ob sie Smart-Brillen am Arbeitsplatz verbieten dürften.

Nacera Bekhat, Leiterin der Abteilung für Wirtschaftspolitik bei der CNIL, betonte, dass Smart-Brillen „ernsthafte Herausforderungen“ darstellten, wenn es darum gehe, Menschen darüber zu informieren, dass sie gefilmt werden, und erforderliche Einwilligungen einzuholen. KI-gestützte Wearables unterliegen dem europäischen KI-Gesetz (AI Act) und der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die Regeln für die Verwendung persönlicher Daten festlegen.

Internationale Gegenmaßnahmen

Die Diskussion um Smart-Brillen ist längst nicht auf Frankreich beschränkt. Australien erklärte am Donnerstag, es erwäge, die Nutzung von Smart-Brillen mit Kameras an staatlichen Arbeitsplätzen aufgrund von Datenschutz- und Sicherheitsbedenken zu untersagen. Dies wäre möglicherweise das erste Verbot dieser Art weltweit. Im Vereinigten Königreich haben einige Kinos Smart-Brillen bereits verboten. In Deutschland hat eine Verbraucherorganisation Strafanzeige gegen Meta und andere an der Vermarktung der Geräte beteiligte Unternehmen erstattet, wobei sie sich auf Datenschutzgesetze berief.

Rechtliche Grauzonen und Durchsetzungsprobleme

Obwohl das französische Gesetz Datenschutzrechte vorsieht – einschließlich Strafen von bis zu einem Jahr Freiheitsentzug oder einer Geldstrafe von 45.000 Euro (rund 51.700 US-Dollar) – für das Aufnehmen von Bildern einer Person an einem privaten Ort ohne deren Einwilligung, kann die Durchsetzung schwierig sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn Inhalte schnell im Internet verbreitet werden, wie die CNIL und andere rechtliche Quellen betonen.

Ein kleines Licht in den Brillengestellen zeigt an, dass gerade gefilmt wird. Menschenrechtsgruppen kritisieren jedoch, dass dies die Verantwortung, nicht gefilmt zu werden, auf das Individuum verschiebe. „Das Aufleuchten eines Lichts bedeutet nicht, dass man damit einverstanden ist, gefilmt zu werden, noch dass man damit einverstanden ist, dass sein Bild anschließend an Tausende von Menschen verteilt wird“, sagte Ines Legendre, Rechtsexpertin bei der Organisation für Internetsicherheit e-Enfance.

Frauen besonders betroffen

Frauen seien das primäre Ziel von Missbrauch, der mit Smart-Brillen ausgeübt werde, so Menschenrechtsgruppen. Ines Girard, die Projekte im Zusammenhang mit technologiegestützter geschlechtsspezifischer Gewalt bei der feministischen Organisation Hubertine Auclert leitet, forderte die Tech-Branche auf, mehr zu tun, um Missbrauch zu verhindern. „Wir können auf eine Überwachungstechnologie nicht damit reagieren, dass wir die überwachten Personen anweisen, wachsamer zu sein“, sagte sie. „Dies legt eine zusätzliche Last auf diese Personen, insbesondere Frauen, Geschlechterminderheiten und Menschen, die bereits in öffentlichen Räumen Gewalt, Online-Missbrauch und Überwachung ausgesetzt sind.“

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