Fed-Zinsdebatte: Barkin verteidigt vorsichtigen Kurs, Miran fordert aggressive Senkungen
Unterschiedliche Positionen zur US-Geldpolitik: Während ein Regionalpräsident Geduld predigt, plädiert ein Gouverneur für schnellere Zinssenkungen.

Führende Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve zeigen sich uneinig über den weiteren geldpolitischen Kurs. Während Richmond-Fed-Präsident Tom Barkin die bisherigen Zinssenkungen als Erfolg wertet und für Vorsicht plädiert, fordert Fed-Gouverneur Stephen Miran deutlich aggressivere Lockerungsschritte im laufenden Jahr.
Barkin verteidigte bei einer Veranstaltung in South Carolina die seit Herbst 2024 erfolgten Zinssenkungen um insgesamt 1,75 Prozentpunkte. Diese hätten "eine Versicherungspolice zur Stützung des Arbeitsmarktes" dargestellt, so der Notenbanker. Die Arbeitslosenquote bleibe historisch niedrig, während die Inflation zwar noch etwa einen Prozentpunkt über dem Zwei-Prozent-Ziel liege, in den kommenden Monaten aber voraussichtlich zurückgehen werde. "Bisher gut", lautete sein Fazit, verbunden mit der Mahnung, die Fed müsse die Aufgabe vollenden, die Teuerung nach fast fünfjähriger Verfehlung wieder auf Kurs zu bringen.
Die Notenbank hatte in ihrer jüngsten Sitzung die Leitzinsen bei 3,5 bis 3,75 Prozent unverändert gelassen, nachdem 2025 drei aufeinanderfolgende Senkungen erfolgt waren. Die aktuelle Pause dient dem Abwarten weiterer Daten, die den erwarteten Inflationsrückgang bestätigen sollen.
Optimistischer Wirtschaftsausblick mit Risiken
Für 2026 erwartet Barkin eine weiterhin robuste Konjunktur, unterstützt durch "erhebliche Impulse" aus Deregulierung und Steuersenkungen. Unternehmen berichteten von stabiler Nachfrage, Verbraucher und Firmen zeigten keine Zurückhaltung. Ein jüngster Produktivitätsanstieg könne zudem inflationsdämpfend wirken, da Unternehmen höhere Kosten tragen könnten, ohne Preise stark anzuheben.
Allerdings warnte der Regionalpräsident vor Risiken durch die Konzentration der Beschäftigung in bestimmten Sektoren und die Abhängigkeit von KI-Infrastrukturausgaben sowie dem Konsum wohlhabender Verbraucher. "Eine Lockerung im KI-Bereich könnte die Unternehmensinvestitionen und den Aktienmarkt treffen, was wiederum den Konsum der Wohlhabenden beeinträchtigen könnte, sollten deren Nettovermögen sinken", so Barkin.
Miran plädiert für schnellere Lockerung
Einen deutlich anderen Ton schlug Fed-Gouverneur Stephen Miran an. In einem Interview mit Fox Business Network sprach er sich für "etwas mehr als einen Prozentpunkt an Zinssenkungen im Laufe des Jahres" aus. Die aktuelle Geldpolitik sei zu restriktiv, argumentierte Miran, dessen Amtszeit Ende Januar endete, der aber bis zur Bestätigung eines Nachfolgers im Amt bleibt.
Trotz der über dem Ziel liegenden Inflation seien die zugrunde liegenden Preisdruckfaktoren "harmloser", so seine Einschätzung. Der solide Zustand der Kerninflation in Verbindung mit starkem Wachstum durch reduzierte Regulierung erlaube der Fed Zinssenkungen, ohne erneute Preissteigerungen auszulösen. Die unterschiedlichen Positionen fallen in eine Phase des Übergangs: Präsident Donald Trump hat den früheren Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger des amtierenden Fed-Vorsitzenden Jerome Powell nominiert.
