Kevin Warsh als Fed-Chef: Evolutionäre statt revolutionäre Veränderungen erwartet
Bank of America rechnet trotz restriktivem Ruf mit graduellen Anpassungen der Geldpolitik

Die Nominierung von Kevin Warsh für die Leitung der US-Notenbank Federal Reserve dürfte nach Einschätzung der Bank of America (BofA) nicht zu schnellen oder tiefgreifenden politischen Veränderungen führen. Trotz seines Rufs als geldpolitischer Hardliner erwartet die Bank einen moderaten Kurs des potenziellen Fed-Chefs.
Zinsstratege Mark Cabana von der BofA schreibt, Warsh werde "wahrscheinlich einen restriktiveren Ton in Bezug auf die Bilanzpolitik anschlagen, aber kurzfristige Zinssenkungen unterstützen". Die Bank rechnet damit, dass er sich für eine kleinere Fed-Bilanz mit kürzerer Duration einsetzen wird, die ausschließlich US-Staatsanleihen enthält. Eine Rückabwicklung der bestehenden Reserveverwaltungskäufe gilt jedoch als unwahrscheinlich.
Kritik an Aufgabenerweiterung der Fed
Warsh hat sich in der Vergangenheit wiederholt gegen eine Ausweitung des Fed-Mandats ausgesprochen. Er kritisiert die Einmischung der Zentralbank in Bereiche wie Klimapolitik und inklusive Beschäftigungsförderung und fordert eine Rückbesinnung auf die Kernaufgaben. Zudem lehnt er die starke Abhängigkeit der Fed von kurzfristigen Wirtschaftsprognosen ab.
In einer Rede im April 2025 stellte Warsh die aktuelle Strategie der "Datenabhängigkeit" grundsätzlich infrage. Er warnte, dass politische Entscheidungsträger bei der Veröffentlichung von Wirtschaftsprognosen Gefahr liefen, "Gefangene ihrer eigenen Worte" zu werden. Die BofA geht davon aus, dass Warsh versuchen könnte, die "Summary of Economic Projections" zu reduzieren oder deren Veröffentlichungsfrequenz zu verringern.
Interner Widerstand erwartet
Die Bank of America rechnet allerdings mit erheblichem internen Widerstand gegen größere Reformen. "Wir halten es für schwierig, dass Warsh den FOMC von seiner politischen Agenda überzeugen kann", schreibt die Bank unter Verweis auf die mangelnde Ablehnung der jüngsten Bilanzentscheidungen durch das Offenmarktkomitee.
Obwohl Warsh möglicherweise "effektiv bei der Begrenzung der Ausweitung des Fed-Auftrags" sein könnte, zeigt sich die BofA "skeptisch", dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses weniger Transparenz oder eine geringere Datenabhängigkeit akzeptieren werden. Insgesamt betrachtet die Bank jede potenzielle Verschiebung unter Warsh als graduell und nicht als transformativ für die US-Geldpolitik.
