Brasiliens Zentralbank kündigt Zinswende an – Leitzins bleibt bei 15 Prozent
Erste Zinssenkung im März erwartet, doch geldpolitischer Kurs bleibt vorerst restriktiv ausgerichtet.

Die brasilianische Zentralbank hat in den Protokollen ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung erstmals einen Zyklus von Zinssenkungen ab März in Aussicht gestellt. Gleichzeitig betonte die unter Gabriel Galipolo geführte Notenbank jedoch, dass die Kreditkosten auf absehbare Zeit restriktiv bleiben müssen. Das genaue Tempo und die Dauer der geldpolitischen Lockerung würden von den eingehenden Wirtschaftsdaten abhängen.
Bei der am Dienstag veröffentlichten Sitzung beließ die Zentralbank den Leitzins Selic zum fünften Mal in Folge bei 15 Prozent – dem höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Die Entscheidungsträger sehen in der Verbesserung der aktuellen Inflationsdaten und den Markterwartungen, die nun "weniger weit" vom Zielwert von 3 Prozent entfernt seien, einen klaren Beleg für die Wirksamkeit der bisherigen Geldpolitik. Dies habe es dem Ausschuss ermöglicht, den Beginn eines Lockerungszyklus bei der nächsten Sitzung anzukündigen.
Dennoch bekräftigte das Komitee einstimmig die Notwendigkeit, die Zinssätze auf einem restriktiven Niveau zu halten, bis der Desinflationsprozess konsolidiert ist und die Erwartungen fest am Ziel verankert sind. Die Zentralbank verwies dabei auf die anhaltende Widerstandsfähigkeit von Faktoren, die sowohl die aktuellen als auch die erwarteten Preise unter Druck setzen – insbesondere die Dynamik des robusten Arbeitsmarktes.
Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung
Die Notenbank hob hervor, dass ihre vorsichtige geldpolitische Haltung zum Desinflationsfortschritt beigetragen habe. Eine stärker aufgewertete Wechselkursentwicklung und günstigere Rohstoffpreise hätten geholfen, die Inflation bei Industriewaren und Lebensmitteln zu senken. Auch die Dienstleistungsinflation zeige eine gewisse Lockerung, wobei der starke Arbeitsmarkt weiterhin eine Kostenresilienz unterstütze.
Die Protokolle warnten allerdings davor, dass "Unsicherheiten hinsichtlich der Stabilisierung der Staatsverschuldung das Potenzial haben, den neutralen Zinssatz der Wirtschaft anzuheben". Dies könnte die Wirksamkeit der Geldpolitik schwächen und die Kosten für die Inflationsbekämpfung erhöhen – eine indirekte Kritik an der Fiskalpolitik unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva.
Schleppende Abkühlung der Wirtschaft
Die Zentralbank hatte im Juli einen aggressiven Straffungszyklus beendet, der den Leitzins um 450 Basispunkte erhöht hatte. Die anschließende Abkühlung der lateinamerikanischen Wirtschaft verlief jedoch schleppend, was teilweise auf staatliche Konjunkturhilfen zurückgeführt wird. Diese Maßnahmen haben die Wirtschaft stärker gestützt als von der Notenbank erwartet.
Die Zentralbank betonte, dass das Tempo und die Länge der Zinssenkungen von neuen Daten abhängen würden, da gemischte Signale über die Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität und deren Auswirkungen auf die Preise weiterhin eine klare Trendsetzung erschwerten. Diese Botschaft kommt inmitten unterschiedlicher Markterwartungen darüber, ob der Lockerungszyklus mit einer Senkung um 25 oder 50 Basispunkte beginnen wird.
Ökonomen, die wöchentlich von der Zentralbank befragt werden, prognostizierten zuletzt eine Inflation von 3,99 Prozent für das laufende Jahr, 3,80 Prozent im Jahr 2027 und jeweils 3,50 Prozent in den Jahren 2028 und 2029. Die Zentralbank selbst rechnet damit, dass die jährliche Inflationsrate bis zum dritten Quartal 2027 auf 3,2 Prozent sinken wird – der relevante Zeithorizont für geldpolitische Entscheidungen.
