Fed-Führung im Umbruch: Warsh-Nominierung setzt Powell unter Druck
Trump nominiert Kevin Warsh als neuen Fed-Chef. Analysten erwarten Powells Rücktritt im Februar.

Nach der Nominierung des ehemaligen Fed-Gouverneurs Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Zukunft des amtierenden Fed-Vorsitzenden. Analysten von Barclays erwarten, dass Powell seine Pläne in den kommenden Wochen bekannt geben wird. Die Nominierung durch Präsident Donald Trump dürfte im US-Senat auf einen kontroversen Bestätigungsprozess stoßen.
Powell muss Trump nun mitteilen, ob er nach Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender im Mai die Federal Reserve komplett verlässt. Seine reguläre Amtszeit als Fed-Gouverneur läuft noch bis Januar 2028. Sollte Powell jedoch als Gouverneur im Amt bleiben wollen, ist keine Mitteilung an den Präsidenten erforderlich.
Die Barclays-Analysten um Michael McLean ziehen einen Vergleich zu Janet Yellen, Powells Vorgängerin. Sie reichte ihren Rücktritt 18 Tage nach Powells Nominierung im November 2017 ein, also 75 Tage vor Ablauf ihrer Amtszeit. Nach diesem Muster könnte Powell seinen Rücktritt in der zweiten Februarhälfte einreichen.
Strafrechtliche Ermittlungen verzögern Entscheidung
Allerdings könnte Powell seine Entscheidung hinauszögern, bis das Justizministerium Ermittlungen im Zusammenhang mit der Renovierung des Fed-Hauptquartiers abgeschlossen hat. Powell weist die strafrechtlichen Untersuchungen als politisch motiviert zurück und sieht darin einen Versuch, die Zinspolitik zu beeinflussen. Die Spannungen zwischen Powell und Trump konzentrierten sich zuletzt auf die Geschwindigkeit und Höhe von Zinssenkungen, wobei der Präsident eine aggressivere geldpolitische Lockerung fordert.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch den Fall der Fed-Gouverneurin Lisa Cook. Trump versuchte, Cook wegen angeblicher Hypothekenbetrugvorwürfe zu entlassen. Der Oberste Gerichtshof zeigte sich jedoch skeptisch gegenüber den Argumenten des Weißen Hauses zur Aufhebung einer richterlichen Anordnung, die Cook im Amt hält.
Deutliche Zinssenkungen erwartet
Trotz der Turbulenzen um die Fed-Führung signalisierte der neu ernannte Fed-Gouverneur Stephen Miran in einem Interview mit Fox Business Network Unterstützung für substanzielle Zinssenkungen. Miran erwartet "etwas mehr als einen Prozentpunkt an Zinssenkungen im Laufe des Jahres" und bezeichnet die aktuelle Geldpolitik als "zu straff".
Miran lobte die Nominierung von Kevin Warsh als "fantastisch" und spielte Inflationssorgen herunter. Die "zugrunde liegende Inflation" stelle kein Problem dar, so der Fed-Gouverneur. Er argumentierte, dass besseres zukünftiges Wachstum keine höheren Zinssätze erfordere, da die Marktrenditen nicht stark gestiegen seien.
Langfristig spricht sich Miran für eine kleinere Fed-Bilanz aus, räumt jedoch ein, dass dies umfangreiche regulatorische Änderungen erfordern würde. Die jüngste Volatilität auf den Metallmärkten bewertet er als wenig besorgniserregend.
