Fed-Präsidentin Daly rechnet trotz Tech-Kurseinbrüchen mit weiteren Zinserhöhungen
Die Präsidentin der San Francisco Fed sieht die US-Notenbank weiter auf Straffungskurs, obwohl Technologieaktien unter Druck stehen.

Mary Daly, Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Francisco, geht davon aus, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter anheben muss, um die zu hohe Inflation zu senken. Das sagte sie am Freitag, dem 6. November, in einem Interview mit dem US-Sender CNBC. Ihre Äußerung fällt in eine Phase, in der Technologieaktien an den Märkten deutlich unter Druck geraten sind.
Daly bezeichnete die Neubewertung von Technologieaktien als „schmerzhaft", zugleich aber als geordnet. Hintergrund ist nach ihren Worten, dass Anleger die Risiken für das nachfragegetriebene Wachstum im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz neu einschätzen. Die Notenbankchefin machte damit deutlich, dass sie die Kursbewegungen an den Aktienmärkten zwar wahrnimmt, daraus aber keinen grundsätzlichen Kurswechsel ableitet.
„Meine Erwartung ist, dass wir die Politik weiter straffen müssen", sagte Daly gegenüber CNBC. Wann und in welchem Umfang dies geschehen werde, ließ sie offen. Damit bleibt die US-Notenbank aus ihrer Sicht auf einem Restriktionskurs, ohne sich auf einen konkreten Zeitplan festzulegen.
Daly verweist auf die Volatilität der Weltlage
Die Präsidentin der San Francisco Fed betonte ausdrücklich, wie volatil die Welt in vielerlei Hinsicht erscheine. „Diese Volatilitäten sind etwas, das man berücksichtigen muss, weitere Informationen sammeln und bewusst sowie schrittloser vorgehen sollte, wenn man nicht genau weiß, wohin die Reise gehen muss", sagte sie. Zugleich stellte sie klar: „Doch es wird voraussichtlich mehr erforderlich sein, und wir sind sicherlich bereit – ich bin bereit –, dies zu tun, falls die Wirtschaft dies erfordert."
Mit dieser Formulierung verbindet Daly zwei Botschaften. Einerseits betont sie die Bereitschaft zu weiteren Zinsschritten, andererseits verweist sie auf die Unsicherheit über den weiteren wirtschaftlichen Verlauf. Für die Märkte bedeutet das, dass sich die Fed Datenabhängigkeit vorbehält und keine feste Zusage über den Umfang der Straffung abgibt.
Bereits im Juli erwartete Daly einen Rückgang der Inflation
Bereits am 02.07.2026 berichtete aktien.news, dass Daly einen allmählichen Rückgang der Teuerungsrate erwartet. Damals sagte sie auf einer Veranstaltung der spanischen Zentralbank im spanischen Santander: „Unsere Geldpolitik befindet sich weiterhin in einer leicht restriktiven Position, daher sollte die Inflation sinken." Zugleich warnte sie vor erheblichen Unsicherheiten im wirtschaftlichen Ausblick.
Am 05.06.2026 berichtete aktien.news zudem, dass Daly künstliche Intelligenz im geldpolitisch relevanten Zeithorizont nicht als Inflationstreiber einordnete. Auf einer Bloomberg-Tech-Veranstaltung in San Francisco erklärte sie, KI wirke weder inflationär noch deflationär auf die Preise – zumindest nicht in dem Zeitraum, auf den die Geldpolitik ausgerichtet ist. Über fünf bis zehn Jahre könne KI durchaus deflationär wirken; für die Fed mit ihrem Horizont von rund zwölf Monaten sei dieser langfristige Effekt jedoch „kein dringliches Thema".
Auch andere Fed-Vertreter haben sich zuletzt für weitere Zinserhöhungen ausgesprochen. Am 31.10.2026 berichtete aktien.news, dass Alberto Musalem von der Fed in St. Louis einen baldigen weiteren Zinsanstieg für nötig hielt, während Lorie Logan von der Dallas Fed prognostizierte, die Zentralbank werde die Zinsen mindestens noch zweimal um jeweils 0,25 Prozentpunkte anheben. Die Äußerungen fielen nach der Entscheidung der Zentralbank, die Zinssätze vorerst unverändert zu lassen.
Bereits am 25.09.2026 hatte aktien.news berichtet, dass führende Geldpolitiker mit weiteren Zinserhöhungen rechnen. Die Rückführung der Inflation auf das Ziel von 2 Prozent bleibe eine oberste Priorität. „Die Rückführung der Inflation auf 2% ist eine oberste Priorität, und ich werde den Politikweg unterstützen, der uns dorthin führt, wobei ich die Risiken für den Arbeitsmarkt dabei sorgfältig abwäge", sagte damals die Präsidentin der Philadelphia Fed, Anna Paulson, auf einer Konferenz ihrer Regionalbank.
Für deutsche Privatanleger ist die Botschaft aus San Francisco relevant
Für Anleger in Deutschland ist die Aussage aus San Francisco ein Hinweis darauf, dass die US-Notenbank ihren Straffungskurs vorerst nicht beendet. Steigende US-Zinsen wirken grundsätzlich auf die Bewertung von Aktien, weil sie die Diskontierung künftiger Gewinne verändern – besonders bei wachstumsstarken Technologiewerten. Genau diese Titel stehen derzeit unter Druck, wie Daly mit dem Verweis auf die „schmerzhafte" Neubewertung selbst einräumt.
Gleichzeitig betont Daly die geordnete Natur der Bewegung. Sie beschreibt damit keine Panik an den Märkten, sondern eine Neubewertung der Risiken im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Für Privatanleger bedeutet das, die eigenen Erwartungen an das Wachstum KI-getriebener Geschäftsmodelle zu überprüfen, ohne die langfristige Bedeutung des Themas infrage zu stellen. Eine konkrete Handlungsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Zu beachten ist auch die Datenabhängigkeit, die Daly betont. Ob und wann die Fed tatsächlich weiter anhebt, hängt nach ihren Worten von der Entwicklung der Wirtschaft ab. Anleger sollten daher weniger auf einzelne Aussagen als auf die kommenden Konjunktur- und Inflationsdaten achten.
Die Fed lässt den Zeitpunkt weiterer Schritte offen
Daly machte keine Angaben dazu, wann die nächste Zinserhöhung anstehen könnte oder wie hoch sie ausfallen würde. Sie verwies lediglich darauf, dass weitere Informationen gesammelt werden müssten und man bewusst sowie schrittweise vorgehen sollte. Klar ist aus ihrer Sicht nur die Richtung: „Es wird voraussichtlich mehr erforderlich sein."
Damit reiht sich Daly in eine Serie von Äußerungen aus der Fed ein, die seit dem Herbst auf weitere Zinsschritte hindeuten. Die Notenbank hatte ihre Zinssätze zuletzt vorerst unverändert gelassen, während mehrere Regionalpräsidenten anschließend weitere Erhöhungen in Aussicht stellten. Die endgültige Entscheidung liegt beim Federal Open Market Committee (FOMC), dem geldpolitischen Ausschuss der Notenbank.
Diese Fachbegriffe helfen beim Verständnis der Geldpolitik
- Leitzins: Der von einer Zentralbank festgelegte Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld beschaffen können und der die Zinsen in der gesamten Wirtschaft beeinflusst.
- Straffung der Geldpolitik: Eine Ausrichtung der Notenbank, bei der sie die geldpolitischen Bedingungen verschärft, um den Preisauftrieb zu bremsen.
- Inflation: Der allgemeine Anstieg des Preisniveaus, durch den die Kaufkraft einer Währung über die Zeit sinkt.
