Arini-Kreditprobleme zeigen: Die Kakerlakenjagd im Finanzsektor hat wieder begonnen
Der Londoner Fonds Arini verliert über 26 Prozent, während sich die Risikoaufschläge für CCC-Anleihen auf 14 Prozentpunkte ausweiten.

Der Londoner Kreditinvestor Arini Capital Management steht im Zentrum einer Debatte, die im Finanzsektor inzwischen als „Kakerlakenjagd" firmiert. Der Flaggschifffonds des Unternehmens, der rund 7 Mrd. US-Dollar verwaltet, verbucht für das laufende Jahr Verluste von mehr als 26 Prozent. Der Fonds, der in den vergangenen Jahren Milliarden von US-Dollar einsammelte und dieses Kapital in die riskantesten Ecken des Hochzinsbondmarktes investierte, verkauft derzeit große Blöcke von Schuldtiteln.
Auslöser der Aufmerksamkeit ist ein Newsletter der Financial Times. Roula Khalaf, Herausgeberin der FT, wählt in dem wöchentlichen Format ihre favorisierten Geschichten aus – und die „Kakerlakenjagd" hat sich nach dem Vorjahr zu einem der beliebtesten Sportarten im Finanzsektor entwickelt. Ihren Namen verdankt die Disziplin JPMorgan-Chef Jamie Dimon, der das unbeliebte Insekt als Metapher für Schwierigkeiten im Kreditsystem nutzte.
Die Analogie zielte zunächst auf vermutete Betrugsfälle. Sie passt nach Einschätzung der FT aber ebenso auf Störungen und Zusammenbrüche, die Anleger dazu zwingen, zwischen einem einzelnen Schädling und einer weit verbreiteten Plage zu unterscheiden. Genau diese Unterscheidung ist derzeit die zentrale Streitfrage am Kreditmarkt – und Arini liefert das jüngste Anschauungsobjekt.
Die Risikoaufschläge für CCC-Anleihen haben sich auf 14 Prozentpunkte ausgeweitet
Die Ausgangslage war lange freundlich. Anleihen mit den Ratings CCC und darunter hatten sich während eines überwiegend ruhigen Jahres 2025 gut entwickelt. Zu den Holdings von Arini gehören Papiere von Unternehmen wie Altice International und Aston Martin, die beide in unangenehme Auseinandersetzungen zwischen Aktionären und Gläubigern verwickelt sind.
Die risikoreichsten Kreditformen haben sich jedoch Ende 2026 verschlechtert. Die Straffung der Geldpolitik und der Iran-Krieg haben die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen in die Höhe schnellen lassen. Am stärksten spüren die absolut risikoreichsten Teile des Marktes diese Auswirkungen. Die Spanne zwischen risikofreien Zinsen und den Renditen von Anleihen mit Rating CCC oder schlechter ist von rund 9 Prozentpunkten vor einem Jahr auf 14 Prozentpunkte ausgeweitet worden. Diese Entwicklung unterstreicht den schmerzhaften Stimmungsumschwung.
Im Markt für Leveraged Loans mehren sich die Warnsignale
Es gibt besorgniserregende Anzeichen im Markt für leveraged Loans, wo Anleger die am wenigsten riskanten Schulden riskanter Kreditnehmer handeln. Der Anteil solcher Kredite, die unter 80 Cent auf den Dollar gehandelt werden, liegt nun bei 8,3 Prozent – doppelt so hoch wie am Ende des Jahres 2025. Ein solcher Anstieg zeigt, dass die Preisfindung selbst in den defensiveren Segmenten des Kreditmarktes unter Druck geraten ist.
Gleichzeitig senden einige Private-Credit-Manager widersprüchliche Signale. Ares, einer der weltweit größten Anbieter, teilte seinen Aktionären kürzlich mit, dass die Ausfallquoten in seinem Portfolio „sehr niedrig" seien und sich die Kreditnehmer sowie deren Cashflows entwickeln würden. Marc Rowan, Gründer von Apollo, weist dagegen darauf hin, dass einige Unternehmen, die zu fast 20-prozentigen Renditen leihen, immer noch Marktkapitalisierungen von 30 Mrd. US-Dollar oder mehr aufweisen. Eine solche Diskrepanz kann nach seiner Einschätzung nicht unbegrenzt bestehen.
Die Aktien von CoreWeave, dem Cloud-Computing-Anbieter, sind im vergangenen Monat um die Hälfte eingebrochen. Das zeigt, dass die Bären im Kreditmarkt derzeit die Oberhand gewinnen. Marktbeobachter warten seit mehr als 15 Jahren auf einen echten Kredit-Ausfallzyklus. Die gesamtwirtschaftlichen Statistiken bleiben in den USA zugleich solide: Die Zahl der neuen Ansprüche auf Arbeitslosengeld fiel letzte Woche auf ein Niveau, das seit 57 Jahren nicht mehr erreicht wurde.
Bereits im Oktober 2026 meldete aktien.news Verluste von 15,7 Prozent
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Abwärtsbewegung. Bereits am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass Arini Capital Management mit seinem Hauptfonds-Produkt in diesem Jahr Verluste von fast 16 Prozent verzeichnet hatte. Ursache war eine Reihe gescheiterter Wetten auf die Schulden finanziell angeschlagener Unternehmen. Allein im September summierte sich der Verlust im Master-Fonds nach Schätzungen von mit den Renditen vertrauten Quellen auf 7,6 Prozent, womit der kumulierte Jahresverlust auf 15,7 Prozent stieg. Das Unternehmen verwaltete damals ein Vermögen von 7,22 Mrd. US-Dollar.
Am 09.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Flaggschifffonds bis September rund 15,7 Prozent an Wert verloren hatte und damit eine der am schnellsten wachsenden Fondsgesellschaften Europas unter erheblichen Druck geriet. Arini Capital wurde 2022 von Hamza Lemssouguer gegründet, einem ehemaligen Unternehmensanleihehändler bei der Credit Suisse. Der Fonds ist auf Unternehmensanleihen spezialisiert und verfolgt einen Ansatz mit konzentrierten Positionen – also wenigen, dafür aber großen Wetten.
Am 10.10.2026 meldete aktien.news, dass dem Fonds der erste Jahresverlust seit seiner Gründung im Jahr 2022 drohte. Seit der Gründung hat Arini Capital rund 22 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Bereits am 03.08.2026 hatte aktien.news über eine Einschätzung von KKR berichtet, wonach der Markt für Hochzinsanleihen vor einer seiner aktivsten und folgenreichsten Phasen seit Jahren steht.
Für deutsche Anleger bleibt die Lage im Kreditmarkt zweigeteilt
Die Gemengelage ist für Privatanleger schwer zu lesen. Auf der einen Seite stehen ein Fonds mit einem Verlust von mehr als 26 Prozent im laufenden Jahr, ein Ausverkauf großer Schuldtitelblöcke und ein deutlich ausgeweiteter Risikoaufschlag von 9 auf 14 Prozentpunkte. Auf der anderen Seite stehen solide US-Arbeitsmarktdaten, die Aussage von Ares über „sehr niedrige" Ausfallquoten im eigenen Portfolio und die Tatsache, dass Arini in seinen Investitionspräferenzen aggressiv war.
Der entscheidende Punkt ist die Unterscheidung zwischen einem einzelnen Schädling und einer Plage. Arinis Probleme lassen sich zu einem erheblichen Teil mit dem konzentrierten, auf wenige große Wetten setzenden Ansatz erklären, den die Gesellschaft seit ihrer Gründung verfolgt. Ob daraus ein systemisches Kreditereignis wird, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten. Wer in Hochzinsanleihen, Junk Bonds oder Fonds mit CCC-Exposure investiert ist, sollte die Spreadentwicklung und die Preise im Leveraged-Loan-Markt jedoch engmaschig verfolgen.
Die FT hält es für an der Zeit, die Fallen vorzubereiten
Die weitere Richtung hängt an wenigen, klar benennbaren Größen. Dazu zählen die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen, die durch Geldpolitik und Iran-Krieg nach oben getrieben wurden, sowie die Spanne zwischen risikofreien Zinsen und CCC-Renditen. Auch der Anteil der Leveraged Loans unter 80 Cent auf den Dollar ist ein Frühindikator, der zuletzt bei 8,3 Prozent lag.
Die FT zieht aus der Gemengelage eine vorsichtige Schlussfolgerung: Das sowie die Tatsache, dass Arini in seinen Investitionspräferenzen aggressiv war, deuten darauf hin, dass die Kakerlaken noch nicht allgegenwärtig sind – doch gewiss ist es an der Zeit, die Fallen vorzubereiten. Konkrete Termine für eine Trendwende nennt die Quelle nicht.
Drei Begriffe, die im Artikel vorkommen
- Junk Bonds: Hochzinsanleihen von Schuldnern mit niedriger Bonität, die dafür höhere Zinsen zahlen müssen.
- Risikoaufschlag: Der Zinsabstand, den Anleger zusätzlich zu einem als risikofrei geltenden Zins für die Übernahme eines Kreditrisikos verlangen.
- Leveraged Loans: Kredite an bereits hoch verschuldete Unternehmen, die üblicherweise an Investoren weiterverkauft und laufend gehandelt werden.
