Fed-Bilanzreduktion: Warsh-Pläne stoßen auf technische Hürden
Künftiger Fed-Chef will Bilanzsumme verringern, doch das aktuelle Zinssystem der Zentralbank erschwert drastische Kürzungen.

Der designierte US-Notenbankchef Kevin Warsh strebt eine deutliche Verkleinerung der Fed-Bilanz an. Doch Experten warnen: Eine substanzielle Reduktion der aktuell 6,7 Billionen Dollar schweren Bestände ist unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen kaum umsetzbar. Das Problem liegt im geldpolitischen Steuerungssystem der Federal Reserve selbst.
Das derzeitige System zur Kontrolle der Geldmarktzinsen benötigt hohe Liquiditätsreserven im Bankensystem. Die Fed nutzt seit 2019 weitgehend automatische Zinsinstrumente, die sowohl Barmittel aufnehmen als auch verleihen können. Diese Mechanismen halten das Zinsziel der Zentralbank stabil – funktionieren aber nur mit ausreichend Liquidität im System.
"Es gibt keinen einfachen Weg zu einer geringeren Präsenz der Fed an den Finanzmärkten", konstatieren Analysten von BMO Capital Markets. Deutlich geringere Bestände seien "möglicherweise nicht machbar, es sei denn, es gibt Regulierungsreformen" – ein Prozess, der Quartale statt Monate dauern würde.
Historische Dimension der Bilanzausweitung
Die Fed-Bilanz erreichte im Frühjahr 2022 ihren Höchststand von 9 Billionen Dollar. Seit der Finanzkrise 2008 und erneut während der Corona-Pandemie kaufte die Zentralbank massiv Staats- und Hypothekenanleihen, um Märkte zu stabilisieren. Trotz zweier Phasen der Bilanzverkürzung kehrte sie nie auf das Vorkrisenniveau zurück.
Warsh, der von 2006 bis 2011 bereits Fed-Gouverneur war, kritisiert seit langem die expansive Bilanzpolitik. Er argumentiert, große Bestände würden Finanzmärkte verzerren und Wall-Street-Interessen bevorzugen. Durch eine Bilanzreduktion könnte Liquidität der Realwirtschaft zur Verfügung gestellt und das Zinsziel möglicherweise niedriger angesetzt werden.
Technische Grenzen der Bilanzverkürzung
Die Fed beendete ihre quantitative Straffung (QT) Ende 2024, als Geldmarktzinsen zu steigen begannen und Finanzunternehmen direkt bei der Zentralbank Kredite aufnehmen mussten. Dieser Punkt markierte die technische Grenze: Weitere Liquiditätsentnahme hätte die Geldmärkte destabilisiert.
Ökonomen Stephen Cecchetti und Kermit Schoenholtz warnen in einem Blogbeitrag: Eine "erhebliche Schrumpfung der Bilanz" würde "kurzfristige Märkte einem erheblichen Volatilitätsrisiko aussetzen – eine Heilung, die potenziell schlimmer als die Krankheit wäre."
Um Warshs Ziel zu erreichen, wäre eine grundlegende Reform nötig: Die Fed müsste ihre Methode zur Steuerung der Geldmarktzinsen ändern und regulatorische Anpassungen vornehmen, die den Reservebedarf der Banken verringern. Derzeit baut die Zentralbank ihre Bestände technisch bedingt bis ins Frühjahr wieder auf, um die Geldmarktzinsen zu kontrollieren.
Warsh wird die Nachfolge von Jerome Powell antreten, dessen Amtszeit im Mai endet. Die Umsetzung seiner bilanzpolitischen Vorstellungen dürfte sich als eine der größten Herausforderungen seiner Amtszeit erweisen.
