EZB-Ratsmitglied Stournaras warnt vor realen Rezessionsrisiken in Eurozone
Griechischer Notenbankchef sieht Rezessionssorgen als „real und gerechtfertigt" – Nahost-Konflikt belastet Wachstum und Inflation.

EZB-Ratsmitglied Yannis Stournaras hat die Rezessionssorgen für die Eurozone als „real und gerechtfertigt" bezeichnet. In einem am Sonntag in der zyprischen Zeitung Phileleftheros veröffentlichten Interview verwies er auf neue negative angebotsseitige Störungen durch den Konflikt im Nahen Osten. Obwohl die Wirtschaft der Eurozone grundsätzlich widerstandsfähig sei, habe ihre Dynamik spürbar nachgelassen.
„Die Sorgen über eine mögliche Rezession in der Eurozone sind real und gerechtfertigt, angesichts der neuen negativen angebotsseitigen Störungen durch den Konflikt im Nahen Osten", sagte Stournaras. Besonders die hohe Energieabhängigkeit der Eurozone mache die Region anfällig. „Steigende Energiepreise und die zunehmende Unsicherheit wirken sich angesichts der hohen Energieabhängigkeit der Eurozone direkt auf Wachstum und Inflation aus", so der EZB-Rat weiter.
Schwächeres Umfeld als 2022
Stournaras betonte, dass die aktuelle Lage sich grundlegend von der Inflationswelle des Jahres 2022 unterscheide. „Im Gegensatz zu 2022 findet der Inflationsanstieg in einem Umfeld von bereits schwächerem Wachstum, strafferen Finanzierungsbedingungen und einem geringeren fiskalischen Spielraum statt, was den politischen Handlungsspielraum einschränkt und die Volkswirtschaften anfälliger macht", sagte er. Diese Kombination aus mehreren Belastungsfaktoren gleichzeitig erhöht das Risiko für die Konjunktur erheblich.
Bisher seien keine nennenswerten Spillover-Effekte der höheren Energiepreise auf die Inflation zu beobachten gewesen. Allerdings warnte Stournaras, dass Schäden an der Energieinfrastruktur mittelfristig Inflationsdruck erzeugen könnten. Zudem könnte die gestiegene Unsicherheit Investitionen und damit das Wachstum in der Eurozone beeinträchtigen.
EZB-Reaktion hängt von Intensität des Schocks ab
Für die geldpolitische Reaktion der EZB skizzierte Stournaras drei mögliche Szenarien, abhängig von der Schwere und Dauer des wirtschaftlichen Schocks. „Unsere Reaktion wird von der Intensität, Dauer und den Übertragungskanälen des Schocks abhängen. Sollte er sich als vorübergehend und ohne signifikante Zweitrundeneffekte erweisen, wird keine Anpassung der Geldpolitik erforderlich sein", erklärte er.
Bei einem deutlichen, aber vorübergehenden Überschreiten des EZB-Inflationsziels könnte laut Stournaras eine „maßvolle Anpassung" der Geldpolitik nötig werden, um inflationäre Zweitrundeneffekte zu begrenzen. Im schlimmsten Fall – einer großen und anhaltenden Abweichung der Inflation vom Zielwert – „müsste die Reaktion robust ausfallen", so das EZB-Ratsmitglied. Die Aussagen verdeutlichen, dass die EZB ihre weitere Vorgehensweise stark von der Entwicklung der geopolitischen Lage und deren wirtschaftlichen Folgen abhängig macht.
