Jerome Powell bleibt im Fed-Board nach Ende seiner Amtszeit
Fed-Chef Powell trifft eine historische Entscheidung: Er bleibt nach dem 15. Mai im Board der US-Notenbank – als erster Vorsitzender seit 1948.

Jerome Powell schreibt Geschichte. Nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve am 15. Mai wird er nicht vollständig aus der Zentralbank ausscheiden – er bleibt als einfaches Mitglied im Board of Governors. Damit ist er der erste Fed-Vorsitzende seit Marriner Eccles im Jahr 1948, der diesen ungewöhnlichen Schritt vollzieht.
Die Entscheidung überrascht viele Beobachter. Üblicherweise verlassen scheidende Fed-Vorsitzende die Notenbank nach dem Ende ihrer Amtszeit vollständig. Powells Entschluss, im Board zu verbleiben, bricht mit einer jahrzehntelangen Tradition und wirft Fragen über seine Beweggründe auf.
Pflichtgefühl als Antrieb
Wer Powells Haltung verstehen will, muss in den April 2020 zurückblicken. Damals, auf dem Höhepunkt der pandemiebedingten Wirtschaftskrise, ergriff die Federal Reserve Maßnahmen, die sie zuvor niemals in Betracht gezogen hätte. Die Zentralbank vergab Kredite an mittelständische Unternehmen, kaufte Ramschanleihen und saugte Staatsanleihen in einem bis dahin beispiellosen Tempo auf – alles Schritte weit jenseits des gewohnten Handlungsrahmens einer Notenbank.
Powell selbst beschrieb seine Haltung in einer virtuellen Rede damals mit ungewöhnlicher Klarheit: „Keiner von uns hat den Luxus, sich seine Herausforderungen auszusuchen. Das Schicksal und die Geschichte geben sie uns vor. Unsere Aufgabe ist es, die Prüfungen zu bestehen, die uns gestellt werden." Genau diese Einstellung, so berichten es Beobachter, erklärt nun auch seine persönliche Entscheidung, der Fed treu zu bleiben.
Ein historischer Vergleich
Der letzte Fed-Vorsitzende, der nach seiner Amtszeit im Board verblieb, war Marriner Eccles – und das liegt bereits mehr als 75 Jahre zurück. Eccles prägte die Federal Reserve in der Nachkriegszeit maßgeblich und gilt als eine der einflussreichsten Figuren in der Geschichte der US-Geldpolitik. Dass Powell nun in seine Fußstapfen tritt, unterstreicht die Außergewöhnlichkeit dieses Schritts.
Für deutsche Anleger und Marktbeobachter ist die Personalie von Bedeutung, weil die Entscheidungen der Federal Reserve unmittelbare Auswirkungen auf globale Kapitalmärkte, Wechselkurse und die Zinspolitik anderer Notenbanken – darunter auch der Europäischen Zentralbank – haben. Wer im Board der Fed sitzt und welche Überzeugungen er mitbringt, ist daher weit mehr als eine innenpolitische US-Angelegenheit.
Powells Verbleib im Board bedeutet nicht, dass er weiterhin die Geldpolitik der USA bestimmt. Der oder die neue Vorsitzende übernimmt die Führung. Dennoch bleibt Powell als Stimme im Gremium präsent – ein Signal, das Kontinuität und institutionelles Gedächtnis verkörpert, gerade in einer Zeit, in der die Fed mit komplexen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert bleibt.
