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Spanien kämpft um EZB-Einfluss nach Abgang von de Guindos

Madrid bereitet diplomatische Offensive vor, um Sitz im EZB-Direktorium zu sichern – und strebt möglicherweise sogar die Präsidentschaft an.

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Spanien kämpft um EZB-Einfluss nach Abgang von de Guindos

Der scheidende EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hat am Sonntag unmissverständlich klargemacht: Spanien muss seinen Platz im Direktorium der Europäischen Zentralbank behalten. In einem Interview mit der spanischen Zeitung El País deutete der ehemalige spanische Wirtschaftsminister sogar an, dass sein Land berechtigterweise die EZB-Präsidentschaft anstreben könne. Die Äußerungen signalisieren laut einem Reuters-Bericht, dass Madrid eine gezielte diplomatische Offensive vorbereitet.

Die Ausgangslage ist für Spanien heikel. De Guindos scheidet planmäßig Ende Mai aus seinem Amt aus. Sein Nachfolger wird der Kroate Boris Vujcic – ein Wechsel, der dazu führt, dass Spanien als viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone vorübergehend keinen Sitz im sechsköpfigen Direktorium der EZB innehaben wird.

Drei Posten werden neu besetzt

Die Lage könnte sich jedoch schon bald grundlegend wandeln. Im nächsten Jahr müssen gleich drei Posten im EZB-Direktorium neu besetzt werden – darunter auch der Posten von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Für Madrid eröffnet sich damit ein entscheidendes Zeitfenster, um wieder Einfluss in Frankfurt zu gewinnen.

„Die Präsidentschaft wäre zweifellos das beste Ergebnis, aber das Wichtigste ist, einen Sitz im Direktorium zu haben", sagte de Guindos gegenüber El País. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Spanien eine Position erhalten werde, und nannte das wirtschaftliche Gewicht des Landes als Hauptbegründung. Historisch gesehen wurde das EZB-Direktorium von den vier größten Volkswirtschaften des Euroraums – Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien – dominiert, oft auf Kosten der anderen 17 Mitgliedstaaten.

Breites Kandidatenfeld aus Spanien

Unter EZB-Beobachtern nehmen die Spekulationen über konkrete Kandidaten bereits Fahrt auf. Als besonders aussichtsreicher Anwärter für die Präsidentschaft gilt Pablo Hernandez de Cos, der ehemalige Gouverneur der spanischen Zentralbank und derzeitige Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). De Guindos würdigte dessen Amtszeit als Gouverneur, enthielt sich jedoch einer ausdrücklichen Unterstützung.

Das Feld potenzieller spanischer Kandidaten ist darüber hinaus breit aufgestellt. Folgende Persönlichkeiten werden als aussichtsreiche Anwärter für die kommenden Vakanzen gehandelt:

  • José Luis Escrivá, derzeitiger Gouverneur der spanischen Zentralbank
  • Nadia Calviño, Präsidentin der Europäischen Investitionsbank
  • Carlos Cuerpo, amtierender spanischer Wirtschaftsminister

Die Märkte werden den Ausgang der Ernennungen genau verfolgen. Die Besetzung der EZB-Führungsposten gilt als wichtiger Indikator für das künftige Machtgefüge und die geldpolitische Ausrichtung innerhalb der Notenbank der Eurozone. Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Frage von besonderer Relevanz, da die EZB-Politik direkt die Zinsentwicklung und damit die Finanzierungskosten in der gesamten Eurozone beeinflusst.

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