EZB-Ratsmitglied Makhlouf warnt vor anhaltend hohen Energiepreisen
Der irische Notenbankchef sieht Risiken durch indirekte Energiepreiseffekte auf Inflation und mahnt zur Wachsamkeit bei Inflationserwartungen.

EZB-Ratsmitglied Gabriel Makhlouf hat Bedenken geäußert, dass Energiepreise länger auf einem hohen Niveau verharren könnten als bisher erwartet. Der Gouverneur der irischen Zentralbank warnte in einem Blogbeitrag vor den weitreichenden Folgen für die Inflation im Euroraum. Seine Einschätzung kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt für die europäische Geldpolitik.
Makhlouf veröffentlichte seinen Kommentar am Freitag auf der Website der irischen Zentralbank – einen Tag nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen unverändert gelassen hatte. Bemerkenswert: Laut Makhlouf wurde innerhalb des EZB-Rats durchaus über eine mögliche Zinsanhebung debattiert. Dies verdeutlicht, dass die Diskussion über den geldpolitischen Kurs keineswegs abgeschlossen ist.
Indirekte Effekte im Fokus
Besonders aufmerksam will Makhlouf die sogenannten indirekten Auswirkungen höherer Energiepreise beobachten. „Ich werde den indirekten Auswirkungen große Aufmerksamkeit schenken, also der Frage, wie höhere Energiepreise zur Kostendruckinflation in der Produktion, im Transportwesen und bei Dienstleistungen beitragen", schrieb er in seinem Blog. Damit rückt er einen Inflationskanal in den Vordergrund, der oft weniger sichtbar ist als direkte Preisanstiege an der Zapfsäule oder beim Strom.
Kostendruckinflation – auch als „Cost-Push-Inflation" bekannt – entsteht, wenn steigende Produktionskosten, etwa durch teurere Energie, an Verbraucher weitergegeben werden. Betroffen sind dabei nicht nur energieintensive Industrien, sondern auch der Transportsektor und das Dienstleistungsgewerbe. Für deutsche Verbraucher und Unternehmen ist dieser Effekt besonders relevant, da Deutschland als Industriestandort stark von Energiekosten abhängig ist.
Zweitrundeneffekte und Lohnentwicklung
Ein weiteres zentrales Thema in Makhloufs Analyse sind die sogenannten Zweitrundeneffekte über die Lohnentwicklung. „Potenzielle Zweitrundeneffekte über die Löhne werden angesichts der zeitlich versetzten Lohnfestsetzung in Europa länger brauchen, um sich zu zeigen", erklärte er. Zweitrundeneffekte beschreiben den Mechanismus, bei dem steigende Preise zu höheren Lohnforderungen führen, was wiederum den Inflationsdruck verstärkt.
Makhlouf betonte dabei die Besonderheit des europäischen Arbeitsmarktes: Da Löhne in Europa häufig in mehrjährigen Tarifverträgen festgelegt werden, verzögert sich die Übertragung von Preissteigerungen auf die Lohnentwicklung. Dies bedeutet, dass mögliche Zweitrundeneffekte erst mit zeitlicher Verzögerung in den Inflationsdaten sichtbar werden – ein Umstand, der die Arbeit der Notenbanker erschwert.
Inflationserwartungen als Schlüsselindikator
Besonders eindringlich mahnte Makhlouf zur Überwachung der Inflationserwartungen. „In der Zwischenzeit müssen die Inflationserwartungen genau auf Anzeichen einer Entankerung überwacht werden", schrieb er. Eine „Entankerung" der Inflationserwartungen gilt als eines der größten Risiken für Notenbanken: Wenn Unternehmen und Verbraucher dauerhaft mit hoher Inflation rechnen, kann dies zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden.
Für Anleger und Marktbeobachter liefert Makhloufs Blogbeitrag wichtige Hinweise auf die interne Debatte innerhalb des EZB-Rats. Die Tatsache, dass trotz der Zinspause über eine Anhebung diskutiert wurde, signalisiert, dass die Notenbank die Inflationsrisiken weiterhin ernst nimmt. Wie sich die Energiepreise und die daraus resultierenden Inflationseffekte entwickeln, dürfte die geldpolitischen Entscheidungen der EZB in den kommenden Monaten maßgeblich beeinflussen.
