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EZB-Chefvolkswirt Lane: Bisher kein signifikanter Lohndruck trotz hoher Inflation

Philip Lane sieht trotz energiepreisgetriebener Inflation keinen nennenswerten Lohndruck und relativiert Markterwartungen an weitere Zinserhöhungen.

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EZB-Chefvolkswirt Lane: Bisher kein signifikanter Lohndruck trotz hoher Inflation

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Philip Lane, hat bei einem Vortrag in der Schweiz erklärt, dass die Notenbank trotz des durch Energiepreise getriebenen Inflationsschubs bisher keinen nennenswerten Lohndruck beobachtet. Die Sorge, die Preissteigerungen könnten sich dauerhaft in der Lohnentwicklung verfestigen, werde derzeit nicht durch die Daten gestützt. Damit widerspricht Lane einem zentralen Argument jener Marktteilnehmer, die auf eine länger anhaltende Inflationsdynamik und entsprechend aggressive Zinsschritte setzen.

Lane erläuterte, dass Arbeitnehmer die gestiegenen Lebenshaltungskosten zwar sehr wohl wahrnähmen, bei Lohnverhandlungen jedoch auf erhebliche Einschränkungen durch die Arbeitgeber stießen. Viele Unternehmen verwiesen auf den internationalen Wettbewerbsdruck, insbesondere aus China, sowie auf die zunehmende Verfügbarkeit von Automatisierungstechnologien und KI-Robotern, um Lohnforderungen zu begrenzen. „Die Menschen wissen, dass die Lebenshaltungskosten stärker steigen als erwartet, aber sie haben es mit Firmen zu tun, die sagen: Wir stehen im Wettbewerb mit China, und wenn ihr zu viel verlangt, stehen unsere KI-Roboter bereit“, so Lane.

Inflation über 3 Prozent, Prognosen bis 4 Prozent

Im vergangenen Monat hat die Inflation die 3-Prozent-Marke überschritten. Einige Ökonomen prognostizieren angesichts eskalierender Spannungen im Iran und steigender Brennstoffpreise bis Jahresende einen Anstieg auf 4 Prozent. Die EZB bleibt angesichts dieser Gemengelage vorsichtig. Der Anstieg der Energiepreise hat zwar die Markterwartungen für weitere Zinserhöhungen befeuert – Investoren spekulieren derzeit auf drei bis vier weitere Schritte nach den Erhöhungen im Juni und September –, doch Lane relativierte diese Erwartungen deutlich.

Bereinigt um Risikoprämien deuten die Marktdaten nach Einschätzung des Chefvolkswirts auf einen Zinsgipfel von knapp über 3 Prozent im kommenden Jahr hin, gefolgt von einem Rückgang bis Ende 2027. Das impliziert faktisch nur zwei weitere Zinsschritte. Für deutsche Privatanleger ist diese Einordnung relevant, weil sie die Perspektive auf Sparzinsen, Anleiherenditen und die Bewertung von Aktien maßgeblich beeinflusst: Ein früher erreichtes Zinsplateau würde den Druck auf die Kapitalmärkte begrenzen.

Energiepreise und Erdgasreserven als Risikofaktoren

Dennoch räumte Lane ein, dass die Energiepreise ein potenzielles Risiko darstellen. Sie werden voraussichtlich bis Mitte nächsten Jahres dem ungünstigeren Szenario der EZB folgen. Ein besonderer Risikofaktor seien zudem die niedrigen Erdgasreserven. Da Energieunternehmen die Lagerhaltung im Sommer verzögert haben, liegen die Speicherstände mit 70 Prozent derzeit 16 Prozentpunkte unter dem historischen Durchschnitt.

Diese Kombination aus verzögerter Lagerhaltung und geopolitischen Spannungen macht die weitere Inflationsentwicklung schwer kalkulierbar. Für die EZB bedeutet das ein Abwägen zwischen der Absicherung gegen einen erneuten Energiepreisschub und der Gefahr, die Konjunktur durch zu straffe Geldpolitik übermäßig zu bremsen. Lane signalisiert mit seinen Aussagen, dass die Notenbank den Lohn-Preis-Mechanismus derzeit nicht als treibende Kraft der Inflation ansieht – ein Hinweis darauf, dass die Zinspolitik stärker von der Energiekomponente als von der Lohnentwicklung abhängen dürfte.

Für Anleger bleibt damit vor allem die Frage entscheidend, wie sich die Energiepreise und die Gasspeicherstände in den kommenden Monaten entwickeln. Sollte sich das ungünstigere Szenario der EZB bestätigen, könnten die Markterwartungen an weitere Zinsschritte wieder steigen. Bleibt der Lohndruck hingegen niedrig, spricht dies für einen moderateren Zinspfad, wie ihn Lane mit faktisch zwei weiteren Schritten skizziert.

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