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Bonusdeckel für Banker: Eine kritische Bilanz nach 25 Jahren

Ein FT-Autor bereut seine Rolle bei der Schaffung der Grundlagen für die EU-Bonusregulierung.

3 Min
Bonusdeckel für Banker: Eine kritische Bilanz nach 25 Jahren

Roula Khalaf, Herausgeberin der Financial Times, stellt in ihrem wöchentlichen Newsletter ihre favorisierten Geschichten vor. Im Zentrum steht diesmal ein bemerkenswertes Geständnis: Ein Autor, der 1997 einen einflussreichen Artikel über Vergütung und Risiko verfasste, bereut heute die unbeabsichtigten Folgen seiner Arbeit.

Im Jahr 1997 veröffentlichte der Autor einen kurzen Artikel mit dem Titel „Remuneration and Risk“ in der Financial Stability Review der Bank of England. Darin präsentierte er eine stilisierte Tatsache, die die Finanzregulierung der folgenden Jahrzehnte maßgeblich beeinflussen sollte: „Aufgrund der beschränkten Haftung weisen variable Vergütungssysteme eine optionsähnliche Auszahlungsstruktur auf, was bedeutet, dass sie Mitarbeiter dazu anreizen, das Risiko zu erhöhen, da sie voll vom Aufwärtspotenzial profitieren, aber nicht vollständig für das Abwärtspotenzial bestraft werden.“

Diese Analyse wurde zur intellektuellen Grundlage für eine der umstrittensten Regulierungen im europäischen Bankensektor: die Deckelung von Banker-Boni. Nach der Großen Finanzkrise der 2000er Jahre führte die Europäische Union Vorschriften ein, die Banken verbieten, Boni auszuzahlen, die mehr als das Doppelte des Grundgehalts betragen.

Die überraschende Erkenntnis: Der Bonusdeckel wirkt nicht

Der Autor räumt ein, dass er den größten Teil seiner Bankkarriere versuchte, diskret zu halten, dass er einen kleinen Beitrag zur Schaffung dieser Regulierung geleistet hatte. Der Grund: Die Bonusdeckelung funktioniert nicht wie erhofft.

Menschen seien einfach nicht so kurzfristig orientiert, dass sie denken, der Weg, im Bankgeschäft reich zu werden, bestehe darin, ein erhebliches Risiko einzugehen, das den Arbeitgeber ruinieren könnte. Eine aktuelle Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) im BIS Quarterly Review 2026 demonstriert dies empirisch. Die Untersuchung zeigt klar, dass die Einführung der europäischen Bonusdeckel kaum Auswirkungen auf die Risikobereitschaft der Banken hatte.

Auch die Abschaffung der Deckelung im Vereinigten Königreich im Jahr 2023 habe nur einen geringfügigen Effekt gehabt, aber nicht viel verändert.

Was stattdessen wirkt: Gestaffelte Boni und Clawback-Regelungen

Was jedoch zu funktionieren scheint, ist die Bekämpfung der anderen Seite der Risiko-Rendite-Abwägung. Die Einführung von deferred Boni – also gestaffelten Boni – ermöglicht negative Vergütung in der Praxis. Verluste in einem Jahr können entweder dazu führen, dass Boni aus früheren Jahren zurückgefordert werden (Clawback), oder sie wirken sich auf den Aktienkurs aus, was den Wert aktienkursabhängiger Vergütungen mindert.

Die BIS stellt fest, dass in fast jedem Fall, den sie überprüft hat, die Erhöhung der Anforderung an gestreckte Vergütung mit besser kapitalisierten Banken sowie weniger volatilen Credit Spreads und Aktienbewertungen verbunden ist.

Allerdings hat auch dieser Ansatz eine Einschränkung: Die Studie konzentriert sich auf die CEO-Vergütung, für die gute Datensätze verfügbar sind. Beim CEO ist der Zusammenhang zwischen Vergütung und Risikobereitschaft am stärksten ausgeprägt, da er tatsächlich den Risikotoleranzgrad und die Kapitalstruktur der gesamten Bank beeinflussen kann.

Für einfache Angestellte an der Trading-Desk ist ihr eigenes P&L dagegen selten maßgeblich für das Gesamtergebnis der Gruppe. Es ist sogar möglich, dass lange Streckungen einen pervertierten Effekt haben: Wenn der endgültige Wert der Vergütung völlig von der eigenen Leistung entkoppelt ist, besteht kein Anreiz, große Anstrengungen zu unternehmen – einschließlich der Anstrengung, Risiken zu managen.

Der eigentliche Grund für Bonusdeckel: Politik statt Ökonomie

Der Autor kommt nach einem Vierteljahrhundert der Auseinandersetzung mit dieser Forschung zu einem ernüchternden Schluss: Der eigentliche Grund für die Deckelung von Boni ist eher politisch als technisch.

Von Zeit zu Zeit gerät die Bankindustrie in Schwierigkeiten und benötigt eine Rettungsaktion. Wenn dies geschieht, ist es erheblich schwieriger, öffentliche Unterstützung für notwendige Eingriffe zu erhalten, wenn die Bevölkerung der Ansicht ist, dass Banker enorme Boni beziehen. Der Name „Bonus“ selbst sei problematisch – würden diese Zahlungen als „Umsatzbeteiligung“ oder „Verkaufsprovision“ bezeichnet, könnten die Menschen besser verstehen, warum sie manchmal auch dann an große Produzenten ausgeschüttet werden müssen, wenn die gesamte Bank in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Die Tatsache, dass Banker in guten Zeiten das Aufwärtspotenzial nutzen, aber die Steuerzahler die Rechnung zahlen lassen, wenn alles in die Hose geht, hat weniger Einfluss auf die Anreize der Banker, als man meinen könnte. Aber es hat sicherlich Auswirkungen auf die Steuerzahler – und damit auf die politische Durchsetzbarkeit von Bankenrettungen.

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