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ETF-Branche setzt auf komplexe Optionsstrategien statt simpler Indexfonds

Der Preiskampf bei Standard-Indexfonds zwingt die ETF-Branche zu komplexen Optionsstrategien mit höheren Gebühren und schwer durchschaubaren Risiken.

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ETF-Branche setzt auf komplexe Optionsstrategien statt simpler Indexfonds

Einfache Indexfonds bilden einen Index nach, kosten wenig und verlangen Anlegern kaum Aufwand. Genau dieser Erfolg ist für die Anbieter zum Problem geworden: Bei ETFs auf große Indizes ist der Wettbewerb so hart, dass sich mit Standardprodukten kaum noch Geld verdienen lässt. Dutzende Billigprodukte konkurrieren um dieselben Kunden. Der iShares Core MSCI World ETF etwa kostet 0,2 Prozent jährlich.

"Die ETF-Branche hat in den vergangenen Jahren eine enorme Kostendegression erlebt. Bei ETFs auf große Indizes steht die Null bei der Gesamtkostenquote inzwischen nicht mehr nur vor, sondern auch hinter dem Komma", sagt Christian W. Röhl, Chefvolkswirt von Scalable Capital.

Die Branche reagiert mit neuen Produkten, die hohe regelmäßige Ausschüttungen versprechen. Dafür nutzt sie zunehmend komplexe Strategien im ETF-Mantel. Für Privatanleger sind die damit verbundenen Risiken oft schwer durchschaubar. Aktive ETFs sind in Europa inzwischen weitgehend etabliert: Ende September verwalteten sie rund 117 Milliarden Euro. Der nächste Trend kommt aus den USA und setzt auf Optionsgeschäfte.

Covered-Call-ETFs verkaufen Kaufoptionen auf den Index

Covered-Call-ETFs kombinieren einen Index mit dem Verkauf von Kaufoptionen. Die eingenommenen Optionsprämien werden ausgeschüttet oder reinvestiert. Der Haken: An starken Kursgewinnen des Index nehmen Anleger nur begrenzt teil, weil die verkauften Optionen die Erträge deckeln. Die Strategie funktioniert besonders in seitwärts laufenden Märkten. Der Global X Covered-Call-ETF auf den Nasdaq 100 verlangt 0,45 Prozent jährlich.

Autocallable-ETFs zahlen Kupons und riskieren das Kapital

Autocallable-ETFs stellen regelmäßige Kuponzahlungen in Aussicht. Ob und in welcher Höhe gezahlt wird, hängt von der Entwicklung des zugrunde liegenden Index an festgelegten Stichtagen ab. Von Indexkursgewinnen profitieren Anleger dagegen kaum oder gar nicht. Zudem ist eine vorzeitige automatische Rückzahlung möglich, und im schlechtesten Fall droht der Verlust des eingesetzten Kapitals. Der Calamos Autocallable-ETF kostet 0,74 Prozent jährlich.

Die Vermarktung erinnert an die frühere Zertifikatebranche

In der Vermarktung sehen Beobachter Parallelen zur früheren Zertifikatebranche, die einst mit hohen Renditeversprechen lockte und Risiken verdrängte. Nach der Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008 standen viele Anleger ohne ausreichende Aufklärung über das Emittentenrisiko da. Ein wichtiger Unterschied bleibt: ETFs sind Sondervermögen und bei einer Anbieterinsolvenz geschützt, Zertifikate nicht. Röhl sieht die Parallelen denn auch nur in der Vermarktung. Heutige ETFs würden defensiver angepriesen als frühere Zertifikate.

Für Ausschüttungen bleiben klassische Dividenden-ETFs die Alternative

Optionsbasierte ETFs sind in Europa noch ein kleines Geschäft. Ende September kamen sie auf rund elf Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der europäische ETF-Markt umfasste im ersten Halbjahr rund 3,8 Billionen Dollar. In diesem Jahr flossen rund vier Milliarden Dollar in komplexe neue Produkte. Laut HANetf hat sich das verwaltete Vermögen optionsbasierter ETFs 2026 mehr als verdoppelt. Autocallable-ETFs gibt es in Europa erst seit diesem Frühjahr.

Wer vor allem regelmäßige Ausschüttungen sucht, ist mit einem klassischen Dividenden-ETF häufig besser bedient. Viele Anleger sind seit 2020 oder 2021 mit einem MSCI-World-ETF und einem Sparplan dabei und wünschen sich nun regelmäßige Zahlungen aus dem Depot. Bei hohen Ausschüttungsrenditen zählt jedoch die Gesamtrendite aus Ausschüttung und Wertentwicklung. "Wer Geld investiert, will irgendwann auch einen gewissen Belohnungseffekt spüren", sagt Röhl.

Für Privatanleger lohnt daher der genaue Blick in das Produktdatenblatt: Wie hoch sind die laufenden Kosten, wie funktioniert die Optionsstrategie, und welches Verlustrisiko besteht? Die höheren Gebühren komplexer Strategien sind ein Hinweis darauf, dass hier mehr Margen steckt als bei einem simplen Indexfonds.

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